Hat Schwangau ein Konzept?

Um die 60 Seiten umfasste der Rechenschaftsbericht des Schwangauer Bürgermeisters Reinhold Sontheimer, den er anlässlich der diesjährigen Bürgerversammlung verlas. Zahlen über Tourismus und Schulden, Ausgaben und Einnahmen, hohen Besuch und tägliche Touristen im Dorf. Doch wie es in Schwangau weitergehen soll, das war nicht zu hören. Dafür hatten sich aber die Bürger bei der Aussprache so ihre Gedanken gemacht.

Es waren schöne Zahlen, die Bürgermeister Sontheimer in seinem Bericht präsentiert hatte. Allein, sie interessierten nicht. Von Interesse für die Bürger waren vielmehr erschreckende Größen, unbeachtete Altlasten und, nach Ansicht einiger, ein fehlendes Konzept für das Dorf als Wohnort. Es scheint im so genannten Dorf der Königsschlösser ein gravierendes Missverständnis zu geben zwischen der Verwaltung, die sich für die Belange des Tourismus und des Profits einsetzt, und den Menschen, die hier leben wollen. Beispielsweise die Erweiterung des Hotels Rübezahl in Horn. Welche Ausmaße dieses Vorhaben wirklichen haben wird, das dürfen die Schwangauer scheinbar nicht erfahren, genaue Zahlen über Größe und Anzahl der zu bauenden Häuser gibt es laut den Anwohnern nicht. Da fällt die Frage, ob die Verkehrsbelastung durch eine Hotelerweiterung ansteigen und somit für die Anwohner zum Problem werden könnte, eigentlich nicht mehr ins Gewicht. Außer für die betroffenen Bürger, die ein Konzept für Schwangau vermissen. „Doch, das gibt es“, widersprach Reinhold Sontheimer den Bürgern. Und es sei sogar aus diesem Jahrtausend. Darin allerdings geht es vor allem um den Tourismus und die Verbesserung des Angebotes, etwa im Viersterne–Hotelbereich. Doch wie man diese Ideen verwirklichen will, dass steht in dem Konzept nicht. Touristen vor Einwohnern? Weder, wie man dem anschwellenden Verkehr in Schwangau Herr werden will noch über Konzepte, wie man den Tourismus in, für die Anwohner verträgliche, Bahnen lenken oder ein ansprechendes Wohnumfeld für, beispielsweise Familien, schaffen könnte. Es sei, so Sontheimer „klar, dass es Wohnbevölkerung gibt. Schwangau kann aber davon nicht leben“. Und bestätigte den Eindruck, den einige der Anwesenden hatten, nämlich dass es nur um Profit und Tourismus gehe. „Die Gemeinde sollte aber mehr tun, damit sich auch die Bürger wohl fühlen und gerne hier leben“, so eine Rednerin. Landwirte enttäuscht Aber auch das noch-Rückgrat der Gemeinde, die Landwirtschaft, sieht sich auf der Abschussliste. Wo komme diese im neuen Ortsprospekt vor, wollte ein Bauer wissen. Zumindest sind die Kühe zu finden, als Lokalkolorit beim Viehscheid. Und wenn die Bauern selber auf ihre Probleme aufmerksam machen, wie etwa mit der Milchvernichtungsaktion, werden sie an den Pranger gestellt. Dabei wollte man nur Schloss Neuschwanstein werbewirksam in den Protest mit einbinden.

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