Wanderweg wird am Freitag wieder eröffnet

"Eine große Herausforderung"

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Wild-romantisch liegt die Pöllatschlucht unterhalb von Schloss Neuschwanstein. Nach fünf Jahren Sperrung wird der Wanderweg am kommenden Freitag wieder eröffnet.

Schwangau – Als im Mai 2014 in der Pöllatschlucht bei Schwangau ein Felssturz abging, handelte die Gemeinde schnell und schloss den beliebten Wanderweg aus Sicherheitsgründen.

Fünf Jahre später wird der Wanderweg durch die Schlucht unterhalb von Schloss Neuschwanstein am kommenden Freitag, 10. Mai, offiziell wieder eröffnet. Warum das Projekt länger dauerte als zunächst veranschlagt und für die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat eine große Herausforderung waren, darüber hat der Kreisbote mit Bürgermeister Stefan Rinke gesprochen. 

Herr Rinke, nach fünf Jahren soll die Pöllatschlucht jetzt wieder eröffnet werden. In der Schwangauer Tourist Info sollen die Telefone nicht mehr still gestanden haben, nachdem das bekannt wurde. Stimmt das? 

Rinke: „Wir haben die Bevölkerung von Beginn an über die Ereignisse in der Pöllatschlucht informiert. Die danach notwendigen Sicherheitsmaßnahmen haben wir immer transparent gemacht. Geholfen hat dabei auch die regelmäßige Berichterstattung in den Zeitungen und Medien. Deswegen gab es zwar öfter telefonische Nachfragen von Wanderern und Interessierten, aber diese waren überschaubar.“ 

Was macht die Pöllatschlucht bei Einheimischen und Touristen so beliebt? 

Rinke: „Vor allem ihre Lage. Die Schlucht gehört zum Gesamtensemble um Schloss Neuschwanstein. Bereits König Ludwig II war von der wildromantischen Landschaft des Gebirgsflusses aus den Ammergauer Alpen fasziniert. Für die Gemeinde Schwangau ist das Gebiet zwischen Marienbrücke und Gipsmühle auch von ortsgeschichtlicher Bedeutung. Dort standen früher beispielsweise unsere Wetzsteinmühlen. Ein Erbe, an das wir bewusst erinnern wollen. Trotzdem war der Wanderweg durch die Pöllatschlucht in der Vergangenheit nicht überlaufen und noch ein Geheimtipp. Darüber freuen sich besonders die Einheimischen und das soll auch so bleiben. Wie viele Menschen den Steig im Sommer tatsächlich nutzen, werden wir in Zukunft erfassen. Dazu haben wir eine digitale Zähleinrichtung installiert.“ 

Ursprünglich sollte die Schlucht ja nur für ein Jahr gesperrt bleiben. Nun hat die Sperrung fünf Jahre gedauert. Warum?

Rinke: „Nach dem Felssturz 2014 hat sich der Gemeinderat ganz grundsätzlich mit der Verkehrssicherungspflicht für den Wanderweg durch die Pöllatschlucht befasst. Allerdings gibt es für den Umgang mit Georisiken kein Standardverfahren. Wir waren gezwungen gemeinsam mit einem Expertenteam eigene Lösungen zu entwickeln. Für eine kleine Dorfverwaltung eine große Herausforderung.“ 

Waren die Probleme nicht im Vorfeld absehbar? 

Rinke: „Wir standen bei den Baumaßnahmen teilweise vor unerwarteten Hürden. Die Bau-Bürokratie gehörte auch dazu. Jedoch möchte ich zu bedenken geben, dass die 'Nettozeit' der Sperrung nur 2,5 Jahre betragen hat. Denn im Winter ist der Wanderweg von jeher geschlossen. Da wir nur im Sommer in der Schlucht arbeiten konnten und stark von der Witterung abhängig waren, sind wir insgesamt mit dem Verlauf und Zeitplan der Sanierung zufrieden.“

Was konkret wurde in den fünf Jahren in der Schlucht gemacht? 

Rinke: „Zuerst haben wir ein geologisches Gutachten in der Schweiz beauftragt. Auf dieser Basis haben Felsräumungen gemacht, kritische Gesteinsbrocken gesprengt, Messgeräte installiert, den Wanderweg instandgesetzt und den Steg erneuert. Am Schluss haben wir durch ein Rechtsgutachten überprüfen lassen, ob wir mit den Schutzmaßnahmen unsere Ve

rkehrssicherungspflicht für den Wanderweg erfüllt haben.“ 

Was war dabei die größte Herausforderung? 

Rinke: „Das war die Erarbeitung eines eigenen tragfähigen Sicherheitskonzepts für den Wanderweg. In der Praxis war es die Arbeit im alpinen und schwer zugänglichen Gelände. Deswegen waren für den Materialtransport teilweise Helikopterflüge notwendig. Von unserem Bauhof wurde auch viel Handarbeit geleistet.“ 

Wie hoch sind die Kosten für die Gemeinde für all diese Maßnahmen? 

Rinke: „In die Verkehrssicherheit des Wanderwegs haben wir rund 550.000 Euro investiert. Davon entfällt rund die Hälfte auf die notwendige Erneuerung des Stegs. Eine große Kostenposition war ebenfalls die Instandsetzung der Sicherungsnetze gegen Steinschlag.“ 

Ist die Schlucht nun einhundertprozentig sicher? 

Rinke: „Nein! Denn es handelt sich um einen Bergwanderweg in einer Gebirgsschlucht. Dort existieren nach wie vor alpine Gefahren und Georisiken. Insbesondere gibt es Gefahren durch Steinschlag und Bäume. Deswegen haben wir am Eingang und Ausgang der Schlucht deutliche Sicherheitshinweise und Warntafeln angebracht.“

Matthias Matz

Die offizielle Wiedereröffnung des Wanderegs durch die Pöllatschlucht findet am kommenden Freitag, 10. Mai, um 11 Uhr statt. Die Festansprache wird die Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU) hallten. Zuvor soll Pfarrer Markus Dörre den Segen spenden.

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