Zweckverband scheitert am Allgäuer Dorf

Füssen – Das „Allgäuer Dorf“ ist offenbar gestorben. Der Schwangauer Bürgermeister Reinhold Sontheimer bleibt bei seinem „Nein“ zu dem Tourismusprojekt. Der Zweckverbandsvorsitzende, Füssens Bürgermeister Paul Iacob machte klar: Der Zweckverband Allgäuer Land kann es nun nicht mehr durchziehen.

Die Schwangauer hätten sich „in mehreren Interviews mit ihrem Nein so weit aus dem Fenster gelehnt, dass sie wohl nicht mehr ins Zimmer zurück kommen werden“, gab ein resignierter Paul Iacob am Montagabend zu. Denn an Bürgermeister Sontheimer allein hing es nicht – der Schwangauer Rathauschef machte sein Votum im Zweckverband von der Gemeinderatsmehrheit abhängig. Und in dem Gremium gibt es kaum Befürworter des Projekts (der Kreisbote berichtete). 

Zwar sind die Bürgermeister der zehn Zweck- verbandsgemeinden nicht an ein Mandat ihres Gemeinderats gebunden, Sontheimer bezeichnete es aber gegenüber unserer Zeitung als fatal, wenn er zuerst den Gemeinderat informiere, dessen Meinung einhole und dann doch anders abstimme. So scheiterte die Aufstellung des Bebauungsplans im März just an der einen Stimme Sontheimers. 

„Wir haben gesehen, dass wir die Gastronomie schützen müssen“, begründete er die ablehnende Haltung seiner Gemeinde. „Die Entwicklung wurde immer wieder überholt und das Ziel überschritten“, gab er an. Die über 600 geplanten Betten im Allgäuer Dorf würden Schwangau Konkurrenz machen. Auch das Argument, dass das Dorf ja speziell auf Familien als Gäste abziele und so eine neue Nische für sich erschließe, überzeugte ihn nicht. Denn wenn das gewünschte neue Klientel nicht komme, „bedienen sie sich am vorhandenen Kuchen.“ 

War die Bettenanzahl aber nicht schon seit Anfang Dezember bekannt? „Ja, aber da war keine Abstimmung“, betont Sontheimer. Schon vor über einem Jahr habe er Iacob und Zweckverband-Geschäftsführer Andreas Rist in den Gemeinderat eingeladen. Schon damals hätten die Räte sich kritisch geäußert, dann vor einem Jahr ein weiteres Mal, erinnerte das Schwangauer Gemeindeoberhaupt. „Bürgermeister Sontheimer hat die laufenden Veränderungen immer positiv begleitet“, sagte jedoch Paul Iacob im Hinblick auf die bis März stets einstimmigen Abstimmungen des Zweckverbands. 

 Letzte Chance für das Projekt: Der Zweckverband müsste die Planungshoheit für das Gelände zurück an die Stadt Füssen geben, dann müsste Füssen mitsamt dem Stadtrat die Rolle des Zweckverbands übernehmen. Bestrebungen dahingehend gibt es derzeit allerdings wohl noch keine – Iacob selbst bereitet sich auf seinen Urlaub vor und Projektentwickler Erwin Trimmel war bis kürzlich geschäftlich auf Reisen. Beide hätten noch nicht miteinander gesprochen, so Iacob. Auch aus dem Stadtrat deutete sich zuletzt Gegenwind an: die größte Fraktion, die CSU, hatte in einer Mitteilung kürzlich umfassende Kritik an dem Projekt geübt.ps

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