Schwere Geburt

Zahlreiche aufgeregte Stimmen waren am Dienstagabend kurz nach 8 Uhr im ersten Stock des Klosters Sankt Mang auf dem Gang und im Sitzungssaal zu hören. Nach knapp zwei Stunden Diskussion über den geplanten Bau einer Kinderkrippe in Füssen, hatte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die Stadtratssitzung auf Vorschlag von Andreas Ullrich (FW) für zehn Minuten unterbrochen, damit sich die Gemüter abkühlen und Zweifler sich noch ein letztes Mal beraten konnten. Fest stand zu diesem Zeitpunkt: alle wollen die neue KiTa mit Krippe. Während aber CSU und SPD sich mit der Vorarbeit der Verwaltung bezüglich der Planung einverstanden erklärten, regte sich bei Freien Wählern und der Fraktion aus Grünen, FDP, BFF und UBL weiterer Diskussionsbedarf.

Der Plan: In der Hilteboldstraße baut die Stadt ein neues Haus auf ihrem eigenen Gelände. Darin soll im Erdgeschoss eine Krippe mit drei Gruppen zu je 12 Kindern unterkommen. Im ersten Stock soll der städtische Kindergarten „Pusteblume“ ebenfalls mit drei Gruppen, eine neue Heimat finden. Die Hilteboldstraße soll zu Spielstraße werden ohne Bordstein. „Damit kriegen wir doppelt so viele Parkplätze unter“, versicherte der Iacob. Die Stellplätze sollen dann schräg am Rand der Straße angeordnet sein. Von den zirka 2,5 Millionen Euro soll die Regierung von Schwaben eineinhalb Millionen fördern. Die übrige Million verbliebe bei der Stadt, hier ist jedoch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bereit einzuspringen. Sie würde das Geld vorfinanzieren und im Gegenzug die Trägerschaft der gesamten Einrichtung übernehmen. Die Stadt würde das vorgeschossene Geld im Zeitraum von etwa 20 Jahren abbezahlen. Das würde über den Verwaltungshaushalt abgewickelt und nicht zu den städtischen Schulden gezählt. Stadtbaumeister Theo Fröchtenicht erläuterte den vorläufigen Bauplan des Hauses. Er sieht Gruppenräume im Erdgeschoss für die Krippe und im ersten Stock für den Kindergarten vor. Die Dusche soll eine regelrechte „Erlebnisdusche“ zum Planschen werden. Brandschutzbestimmungen machen im ersten Stock einen Fluchtbalkon nötig. Vollendete Tatsachen? Die Position des Wickelraums missfiel der 2. Bürgermeisterin Uschi Lax (CSU), selbst Kindergartenleiterin. Sie würde abgetrennte Wickelecken in jedem Gruppenraum bevorzugen. Das sei jedoch problematisch, weil die Kinder in den Räumen auch essen, so Fröchtenicht. Die Planung, so Iacob, sei zwar noch nicht endgültig fertig, aber doch so weit gediehen, dass sie dem Förderantrag an die Regierung beigelegt werden könne. An diesem Punkt stießen sich einige Räte. Dr. Anna Derday (FW) und Dr. Martin Metzger (BFF) störten sich daran, den endgültigen Plan vor der Sitzung nicht zu Gesicht bekommen zu haben. Metzger störte sich zudem daran, dass die Kosten für die Eltern noch nicht abschätzbar seien. „Ich glaube nicht, das ich zustimmen kann ohne Kostenneutralität für die Nutzer“, erklärte Metzger. Er kritisierte auch, warum nie ein Modell diskutiert wurde, das einen Neubau nur für die Krippe vorsah und den Kindergarten dort lässt, wo er ist. Auch bei der Entscheidung nach der Trägerschaft sahen sich einige Räte der Wahl beraubt – stand doch nur die AWO zur Debatte. „Wenn alle Fragen schon geklärt sind, warum sitzen wir hier und diskutieren noch“, meinte Stadtrat Klaus Keller (FW). Ihm stellte sich die Frage, inwieweit die Planung nach der Abstimmung noch veränderbar sei. Pause tat gut „Wenn wir hier etwas auf den Weg bringen, dann haben wir es fachlich geprüft“, verteidigte Iacob die Vorgehensweise. Unverständnis ernteten die Zweifler von Seiten der CSU-Fraktion. „Das muss jetzt aufhören, dass hier so getan wird, als würde immer nur Unfug geredet“, meinte Stadtrat Dr. Hans-Martin Beyer. Stadtrat Günther Knauss (Bürgerblock) fürchtete gar eine Blamage vor den zahlreich erschienenen Zuhörern. So entbrannte ein regelrechter Streit zwischen beiden Lagern, dem die Diskussionspause vor der Abstimmung sichtlich gut tat, da auch hier Räte verschiedener Fraktionen die Köpfe zusammensteckten. Was die Räte letztendlich dazu bewegte, die Planung doch noch abzusegnen, war die Tatsache, dass die AWO ihre Million nur vorschießt, wenn sie auch die Trägerschaft übernimmt, wie Eberhard Gulden, Vorsitzender der AWO Schaben, erklärte. Darüber wurden sich die meisten Räte schließlich einig, denn Zweifel an der Kompetenz der Arbeiterwohlfahrt wurden nicht laut. Die AWO betreibt in Füssen bereits den Kinderhort. Iacob machte allerdings klar: gebaut wird nur, was auch gefördert wird. Verschiedene Vorschläge der Fraktionen hat die Verwaltung mit eingearbeitet, unter anderem den nach einem Lift. Wenn die Regierung da nicht fördere, werde zunächst nur der Schacht gebaut. Der Lift würde dann später folgen.

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