Zeitzeugen sprechen zum Forggensee

Erinnerungen

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Berta Rock (v.r.), Walter Sauer, Johann Schwarzenbach, Dr. Andrea Zinnecker und EWR-Direktor Klaus Schmitzer während der Podiumsdiskussion „60 Jahre Forggensee – Zeitzeugen der versunkenen Orte erzählen“.

Schwangau – Mehr als 350 Zuhörer waren am Samstagabend ins Schwangauer Schlossbrauhaus zur Podiumsdiskussion „60 Jahre Forggensee – Zeitzeugen der versunkenen Orte erzählen“ gekommen. Bürgermeister Stefan Rinke begrüßte dazu auch die Bürgermeister der „See-Gemeinden“, die ebenfalls gekommen waren.

Sechs Zeitzeugen, damals Kinder, hatten sich bereit erklärt, am Samstagabend auf dem Podium an einem „runden Tisch“ Platz zu nehmen. Moderiert von BR-Moderatorin Dr. Andrea Zinnecker erzählten Walter Sauer, Georg Grieser, Johann Schwarzenbach, Josef Schwarz, Claudia Heilrath und Berta Rock, die vor zwei Jahren wieder von Landsberg zurück an die Ufer des Forggensees gekommen war, aus vergangenen Zeiten. 

Mit ihren Enkeln sei sie, Tochter des ehemaligen Stegwirts, ihren alten Schulweg abgegangen und auch vor zwei Jahren zum ersten Mal mit dem Schiff über den Forggensee gefahren. „Des war ned so schlimm. Aber als im Frühjahr das Wasser zurück in den See kam und die Fundamente alter Häuser wieder versenkte scho“, schauderte es ihr. Vom Wildern der Väter in den Lechauen, dem Schwarzfischen im Lech und dem harten, einfachen Leben ohne Maschinen, den langen Schulwegen und von den blühenden Auen unter dem Forggensee erzählten sie – auch von der beklemmenden Stimmung, als die Eltern schließlich um ihr Land, ihre Vertreibung fürchteten. 

"Krönender Abschluss" 

Die „Podiumsdiskussion sei der letzte Teil und krönender Abschluss der Geburtstags-Triologie zu 60 Jahren Forggensee“, so Bürgermeister Stefan Rinke, der sich in seinem Kurzvortrag mit der Energie-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik damals und heute auseinandersetzte. „Mit dem Forggensee hat die Energiewende bei uns schon vor 60 Jahren begonnen, lange bevor das erste Atomkraftwerk ans Netz gegangen ist“. 

Die heutige Energiewende sei durch das Ökologie-Bewusstsein der Menschen möglich geworden, das es in der Nachkriegszeit so noch nicht gab: „Heute würde der Forggensee nicht mehr gebaut werden!“ Der Widerstand aus der Bevölkerung wäre um ein Vielfaches größer, ist Rinke überzeugt. Deutlicher sagte Magnus Peresson anschließend, dass der erhebliche Widerstand, den Karl Singer und betroffene Bürger damals leisteten, nicht vergleichbar mit heute sein konnte, denn: „In den Ämtern und Stellen saßen noch die alten Nazis, vor denen man noch immer Angst hatte.“ Und er machte klar, dass „die Erde, der Boden für die hier lebenden Menschen immer heilig gewesen sei. 

Das Wasser hatte man gefürchtet, es nahm nur! Man stelle sich vor: Die Menschen verloren alles ausgerechnet an das, was man seit Jahrhunderten am meisten fürchtete und bekämpfte – ans Wasser!“ Fotos aus dem Buch „Der Forggensee – Bilder aus einer versunkenen Welt“, dem zweiten Teil der Triologie, untermalten die Beiträge der drei Festredner. So begleiteten beeindruckende Bilder und Karten des gesamten südlichen Ostallgäus aus der Eiszeit den aufklärenden Beitrag von Peter Nasemann, dass die „fruchtbare und mit Seen gesegnete Erde“ um die Königsschlösser der Eiszeit zu verdanken sei. „In Grönland gibt es heute einen Teil, der ganz genauso aussieht wie vor 20.000 Jahren unser Landstrich.“ 

Tief beeindruckt von dem Gehörten, besuchten viele Zuhörer nach der Podiumsdiskussion noch die Ausstellung im Schwangauer Schlossbrauhaus, die bis Mitternacht geöffnet war. Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ und erster Teil der Geburtstags-Triologie wurde seit dem 3. Oktober von insgesamt über 1600 Interessierten besucht. Sie ist nun wieder geschlossen.

Johanna Lang

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