"Mehr Wasser wäre besser"

Vermutlich hatte die Hotelchefin versucht, sich über die Tiefgarage vor dem Rauch zu retten. Hier fand sie der Suchtrupp bewusstlos in einem der Golfwagen. Foto: Sommer

Lechbruck – „Wie bringen wir das Wasser her?“, das war die zentrale Frage bei der ersten Übung dieser Art im erweiterten Golfhotel Gsteig in Lechbruck. Sechs Feuerwehren, je drei aus dem Ostallgäu und dem Landkreis Weilheim-Schongau, probten am vergangenen Wochenende den Ernstfall.

Gegen 16 Uhr löste die Brandmeldeanlage im neuen, erweiterten Golfhotel Feueralarm aus. Auch die Hotelchefin hatte, vermutlich kurz bevor sie ohnmächtig wurde, noch einen Notruf gesendet. So trafen innerhalb einer Viertelstunde die Feuerwehren aus Lechbruck, Prem, Steingaden, Roßhaupten und Urspring ein. Als letztes Fahrzeug, allerdings auch mit dem längsten Anmarschweg, die Drehleiter der Wehr aus Füssen. Dazu noch Landwirte mit ihren Traktoren und angehängten Fasswagen - das Rückgrat der Verteidigung gegen das Feuer bei Objekten, die außerhalb der zentralen Wasserversorgung liegen. Darum ging es auch bei dieser ersten Feuerwehrübung im Golfhotel Gsteig, seitdem der Hotelanbau fertig ist: Wie weit kommt man mit dem Hydranten vor Ort und wie viele Fasswagen, in denen die Bauern normalerweise Gülle transportieren, braucht man, um einen Kreislauf aufzubauen und eine konstante Wasserversorgung sicherzustellen? 

So bauten die Floriansjünger, rund 70 nahmen an der Übung teil, zuallererst einen Wasserentnahmepunkt auf, an dem die Fasswagen ihre Ladung, im Schnitt um die 12.000 Liter Wasser, abgaben. Mit Hilfe des Logistikfahrzeuges der Stützpunktfeuerwehr in Steingaden wurden dann mehrere Wasserleitungen hinauf zum Hotel verlegt, unterbrochen von zwei Tragkraftspritzen, die immer wieder den Druck auf den Leitungen erhöhten. Schließlich habe man noch ein halbes Bar Eingangsdruck gehabt, so Kreisbrandmeister Robert Unterreiner, der die Übung beobachtete. Genug, um mehrere Löschangriffe am und im Haus vorzunehmen. Aber auch, um die neuen Lechbrucker Wasserschilde auszuprobieren. Vor fast genau einem Jahr hätte man diese beim Sägewerksbrand in der Lusse gut brauchen können, damals wurde mehrere Löschfahrzeuge durch die enorme Hitze beschädigt. Nach dieser Erfahrung hatte die Lechbrucker Wehr, die diesmal die Einsatzleitung inne hatte, beschlossen, die Wasserschilde zu beschaffen. 

Währenddessen rückten Atemschutzträger in das Hotelgebäude vor, um vermisste Personen zu suchen. Auch Hotelchefin Manuela Kurpjuweit spielte Opfer und lag bewusstlos in der Garage für die Golfwagen. Wo sie der Suchtrupp fand und mit Hilfe eines Rettungstuches ins Freie brachte. Es sei eine ungewohnte Perspektive, gestand die frühere Gemeinderätin. So mussten die Feuerwehrmänner durch einen teils noch mit Baumaterial verstellten Gang laufen und dabei die Verletzte durch recht beengte Verhältnisse nach draußen bringen. Doch genau darum gehe es bei der Übung, so Kurpjuweit, um die Ortskenntnisse der Feuerwehr, darum, unter welchen Bedingungen man Arbeiten müsse, aber auch um das Zusammenspiel der Kräfte mit dem Personal. So wisse jeder im Hotel, so die Chefin weiter, was er im Falle eines Brandes zu tun habe. Etwa den Gashaupthahn abdrehen. 

Eine weitere Gefahrenquelle gibt es aber schon lange nicht mehr in den Hotels: Chlorgas für den Swimmingpool. Glücklicherweise nutze man dafür Flockungsmittel, erklärte Hotelchefin Kurpjuweit. Das giftige Gas stellt bei Brände eine erhebliche Gefahr für die Retter dar. So aber konnten die Atemschutzgeräteträger drei vermisste Personen an den Sanitäter übergeben, ein ehrenamtlicher Wasserretter, der bei der Feuerwehr in Roßhaupten mit in den Einsatz geht. Im Ernstfall hätte er vermutlich, so Rainer Grauer, Knochenbrüche und Frakturen behandeln müssen, vor allem aber Rauchgasvergiftungen. Die Intoxikation von Kohlenmonoxid führt zu Bewusstlosigkeit, kommt die Hilfe nicht schnell genug, ersticken die Opfer im Feuer. 

Gelungene Feuerprobe 

Aus Sicht der Einsatzleitung eine gelungene Feuerprobe am Golfhotel. „Zum Anfangen reicht es“, so Unterreiner bei der Nachbesprechung. „Aber mehr Wasser wäre besser“. Ein benachbarter Teich soll immerhin zum Löschwasserteich ausgebaut werden, so die Information. Optimal aus Unterreiners Sicht war die Zusammenarbeit der Wehren. Schon bevor die integrierten Leitstellen automatisch das nächstgelegene Fahrzeug alarmierten, habe die bezirksübergreifende Alarmierung funktioniert, so der Kreisbrandmeister. Gerade in Lechbruck bringe es nichts, auf Fahrzeuge aus Roßhaupten zu warten, wenn in Steingaden entsprechendes Material zur Verfügung steht. Im Ernstfall, das hatte der Brand in der Lusse gezeigt, werden die Rettungskräfte bis aus Füssen, Kaufbeuren, Schongau oder Weilheim alarmiert. gau

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