Seeg will Honigdorf werden

„Wir brauchen neue Initiativen“, stellte vor einem Jahr nicht nur Erich Ordner, Vorsitzender des Seeger Tourismusvereins, fest. Die Idee „Honigdorf“ als Alleinstellungsmerkmal war geboren. Nach Fertigstellung der A7 hat Ordner viele Gespräche mit Imkern geführt – in Seeg sind es derzeit neun – die ein Projekt „Honigdorf“ unterstützen.

Bei der abendlichen Infoveranstaltung vergangene Woche im Gemeindehaus waren über 60 interessierte Bürger gekommen, um die Vorschläge zu den angedachten Werbematerialien, einer Schauimkerei, Vorführungen, einem Dorfrundweg, Imkerlehrpfad und Kinderspielplatz zu hören. Auch stellte Sandra Dopfer von der Tourist Information an diesem Abend ein eigenes Logo vor. Erich Ordner „möchte alle ins Boot holen“. An dem Projekt „Honigdorf Seeg“ können alle mitmachen: Handel, Gewerbe, Blumenfreunde, Landwirte, Gastronomen und Privatpersonen. Die Imkerei hat in Seeg eine lange Tradition. Bereits vor 100 Jahren wurde der Imkerverein gegründet, der zurzeit zirka 50 Mitglieder hat. EU-Gelder beantragen Wer sich bereit erklärt, eine Partnerschaft mit dem Tourismusverein als Initiator unter der Federführung der Gemeinde, einzugehen, der erhält zusätzliche Werbemöglichkeiten. Muster für einen Flyer lagen an diesem Abend bereit. Eine Vielzahl von Produkten aus Honig wurde vorgestellt. Vom Honig-Haarshampoo, Honiggebäck, Wachskerzen, Propolis, Gelee Royal bis zum Honigsekt ist die angebotene Palette des Wohlfühlproduktes Honig groß. Erich Ordner, der schon seit Jahren seinen Gästen mit kleinen Honiggläsern den Abschied versüßt, bestätigte „dass diese Geste nachhaltig wirkt“. Für die Partner des „Honigdorfes“ werden entsprechende Schilder für das Haus oder Geschäft angebracht, besteht die Möglichkeit auf Messen zu werben, auch in der Imkerzeitschrift „denn Imker sind ein reiselustiges Volk“, wie Eckard Radke betonte. Bürgermeister Manfred Rinderle sieht in diesem Projekt die Möglichkeit, Seeg mit einem Alleinstellungsmerkmal hervorzuheben. „Honigdörfer gibt es selten“, so der Rathauschef, der versicherte, dass im Haushaltsplan für 2012 für das Projekt 30 000 Euro vorgesehen seien und man auch darüber nachdenke, Gelder aus dem Leader-Programm zu beantragen. Eckard Radke, Chef des Bezirksverbands der Imker, sagte seine volle Unterstützung bei diesem Vorhaben zu und appellierte auch an die Landwirte, „Futterwiesen“ für die Bienen zu pflegen. Sensibles Ökosystem Auch für Johann Fischer, Fachberater für Bienenzucht in Schwaben, ist es ein Anliegen, dass das sensible Ökosystem, bei dem die Bienen eine tragende Rolle spielen, weiter gestärkt wird. Nach Schätzungen der Universität Hohenheim beträgt der Wert der Bestäubung weltweit 70 bis 100 Milliarden Euro. Die Bienen erwirtschaften allein in Deutschland 2,5 Miliarden Euro auf Obstplantagen, Rapsfeldern und in vielen anderen Kulturen, nicht eingerechnet ihr segensreiches Tun bei den Wildkräutern. Christof Langhof, selbst Imker, regte an, einen Schulungsraum zu installieren sowie einen Lehr-Imkerstand, anhand dessen interessierten Gästen das Wissen um die Bienen vermittelt werden könne. Der neue Spielplatz sollte in das Vorhaben „Honigdorf“ mit einbezogen werden. Im Heimatmuseum Seeg ist die Imkerei schon lange präsent. Vier Imker führen die Gäste im Sommer auf den Spuren dieses vielseitigen Nutztieres durch Seeg. Ab sofort gibt es bei den Seeger Blumenhändlern, Blumenhaus Lotter, La Flora und Vevi Guggemoos, den „flotten Bienenkasten“. Dabei handelt es sich um ein Sortiment von verschiedenen Blumen und Kräutern, die zu den nektar- und pollenspendenden Arten gehören und deshalb auch für die Bienen eine wertvolle Nahrungsquelle sind. Die Seeger Blumengeschäfte haben alle Arten vorrätig und beraten auch gerne anhand der Musterkästen.

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