Zahlreiche namhafte Politiker nehmen an der Debatte teil

"Vergessen Sie den Umweltschutz!"

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Groß ist das Interesse der Bürger am Montagabend an der Diskussion im Seeger Gemeinezentrum. Dazu kommt ein namhaft besetztes Podium.

Seeg – Beim Thema Energie scheiden sich die Geister und diskutiert wird viel, wie die Versorgung, vor allem mit Strom, in der Zukunft aussehen könnte. Seeg bildet dabei keine Ausnahme, auch wenn man dort genaue Vorstellungen hat, wohin die Reise gehen soll.

Nicht zuletzt dank der Erdgasleitung, die sich dem Honigdorf nähert, wird das Thema Regionalenergie – erneuerbar und nachhaltig, vor allem aber dezentral – groß beschrieben. Wie groß das Interesse ist, bewies am Montagabend einen Podiumsdiskussion mit namhaften Politikern. „Jeder sollte sich selbst Gedanken machen über eine nachhaltige Versorgung“, gab Manfred Berktold den Diskutierenden mit auf den Weg. 

Wobei der Seeger Bürgermeister mit dem „Bürgerforum“ und dem „Arbeitskreis Energie“ viele Fachleute hinter sich weiß, die das Thema in Seeg hochhalten. Nicht zuletzt sie waren es auch, die zu der Diskussion mit dem Thema „Energie von hier – Erzeugen und Verbrauchen“ eingeladen hatten. 

Ging es in einem ähnlichen Treffen im vergangenen November noch um die Habenseite, so wollten Ulrich Schaaf und seine Mitstreiter diesmal wissen, wie der Weg zu einer Regionalen Energieversorgung aussehen könnte. Energie sei ein wichtiges Thema für mittlerweile jede Kommune, nicht zuletzt wegen der steigenden Kosten dafür, aber auch im Zusammenhang mit der voranschreitenden Entwicklung auf diesem Gebiet und dem so genannten Klimawandel.

Ein Aspekt, den auch Dr. Georg Nüßlein in seinem Vortrag aufgriff. Nüßlein ist CSU-Bundestagsabgeordneter und Fraktionssprecher, daneben war er auch wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe. Unter anderem erinnerte der Christsoziale an die Anfänge der Erneuerbaren Energien, vor allem des entsprechenden Gesetzes (EEG) und wie man seinerzeit auch Privatverbraucher und Stadtwerke miteinbezogen hat. Daher verfolge er die Ansätze in Seeg mit Interesse und sehe diese sehr positiv, so der Krumbacher. 

Verzicht ändert nichts

Nüßlein mahnte aber auch, dass die „Energiewende“ technisch und technologisch getrieben sein müsse. „Vergessen Sie den Umweltschutz!“, forderte er seine Zuhörer auf, „das funktioniert nicht“. 

Allein der Verzicht werde nichts verändern, noch dazu könne man nicht anderen vorenthalten, was in Deutschland lange für selbstverständlich angesehen wurde. Auch könne die Politik nicht die Technologie von morgen bestimmen, nicht einmal die Ziele formulieren, wohin die Reise gehen soll. Politiker könnten allenfalls den Rahmen vorgeben, innerhalb dessen man ein Ziel erreichen könne. 

Dann sei es aber an den Menschen, diesen Rahmen zu füllen, betonte der CSU-Abgeordnete. Mit Blick auf den Anteil der Erneuerbaren Energien, heute noch bei 38 Prozent, im Jahr 2030 bei geplanten 65 Prozent laut den Vorgaben, mahnte Nüßlein, dass man hier nachhaltig arbeiten müssen. „Wir können nicht einfach den fehlenden Strom im Ausland kaufen!“, warnte er mit Blick auf die Entwicklung bei Kohle und Atomstrom. Und die Verbraucher müssten zu wettbewerbsfähigen Preisen an Energie kommen. Auch bringe es wenig, nur die Standards zu verschärfen, etwa bei Emissionen. „Wir brauchen die Energiewende und eine florierende Industrie“. Das gehe aber nur mit Technik vor Ort, dann sei das auch machbar. 

Die Bürger mitnehmen 

Dass hierbei der Bürger eine nicht unerhebliche Rolle spielt, darauf kam Thomas Pollakowski zu sprechen. Pollakowski ist vom Bündnis Bürgerenergie Bayern (BBB) und hatte so genannte Best Practice Beispiele im Gepäck, also Beispiele, wo sich die BBB engagiert und gemeinsam mit den Bürgern für diese Energie erzeugt, verteilt, Netze aufbaut und zum Vorteil der Bürger agiert. Als einen Erfolgsfaktoren seines Bündnisses sah Pollakowski den Umstand an, dass man die Bürger mit einbinde, informiere und mit ihnen gemeinsam plane. 

Als letzter der drei Redner zeigte Ulrich Schaaf nochmals die Schritte auf, die Seeg bereits getan hat auf dem Weg zur Bürgerenergie und skizzierte, wohin die Reise gehen könnte. Man dürfe sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, so Schaaf, der gemeinsam mit Nüßlein, Pollakowski, dem Betreiber des Nahwärmenetzes in Seeg sowie eines Verteters des Stromversorgers EWR zu den Diskutierenden auf der Bühne gehörte. 

Interessant war, nicht nur innerhalb der Diskussion, zu sehen, dass Politiker wie der Kaufbeurer Bundestagsageordnete Stephan Stracke (CSU) erstaunt waren, dass sich so viele Leute für das Thema interessieren, wie der Besuch im Seeger Gemeindezentrum zeigte. Vor allem, so scheint es, trifft das Thema, abseits von Elektromobilität und Kohleausstieg, den Nerv der Bevölkerung. So war eines der Themen in der Diskusion, wie PV-Anlagen auch nach der ausgelaufenen Förderung genutzt werden können. 

Auch der Punkt, wie Häuser energieeffizienter gemacht werden können, wurde angesprochen. Vor allem aber ging es um den Aspekt, ob es sinnvoll ist, dass sich auch kleine Orte wie Seeg selbst mit dem Thema beschäftigen. Vorgesehen ist, dass eine „Zukunftskonferenz Regionale Energiewende“ Anfang Februar (5. und 6. Februar) im Gasthof „Laupheimer“ in Günz (Unterallgäu) zu diesem Thema stattfinden soll.

gau

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