Einsame Versprechen

Seit Montag dürfen wieder mehr Gäste zu Trauungen kommen

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Anlaufstelle für Heiratswillige in Füssen: Auch in der Lechstadt dürfen seit Montag wieder Hochzeiten mit mehr Menschen zelebriert werden.

Füssen/Pfronten/Seeg – Es sollte der schönste Tag im Leben werden. Doch die Corona-Pandemie machte vielen Paaren einen Strich durch die Rechnung. Geheiratet wurde während der Krise aber trotzdem: im kleinen Kreis, der häufig nur aus dem Brautpaar und dem Standesbeamten bestand.

„Auf die Welt kommen, sterben und heiraten geht immer“, , kommentiert Kuhn die Trauungen, die im Standesamt Füssen auch während der Corona-Krise über die Bühne gingen. Während die Beschränkungen der Gäste, die bei einer Hochzeitszeremonie im historischen Trausaal, im Colloquium oder im Kaisersaal dabei sein dürfen, schon am 11. Mai gelockert wurden, ist seit vergangenem Montag noch mehr erlaubt. Demnach sind jetzt wieder größere Familienfeiern mit maximal 50 Personen in Innenräumen und 100 im Freien erlaubt. 

Im Großen Sitzungssaal der Stadt Füssen dürfen nun 15 und im Colloquium sowie dem Kaisersaal 50 Menschen bei einer standesamtlichen Eheschließung dabei sein. Nicht möglich ist das jedoch beim Standesamt Seeg. Da der dortige Trauraum zu klein ist, dürfen die Zeremonie dort nach Auskunft der Seeger Standesamtsleiterin Sabine Dürr „höchstens zehn Personen“ verfolgen. Diese müssen genau wie in Füssen und Pfronten weiterhin den vorgeschriebenen Abstand voneinander einhalten. 

In Pfronten dürfen allerdings „bis maximal 20 Menschen“ im Rathaus beziehungsweise der Bauernstube des Heimathauses sowie im Eiskeller einer Trauung beiwohnen, betont Amtsleiter Engelbert Guggemos. Für die laut Guggemos eher seltenen Hochzeitsfeiern im größeren Rahmen steht in Pfronten das Haus des Gastes zur Verfügung, in dessen Saal bis zu 50 Besucher Platz haben. 

Erheblich weniger Hochzeiten

Nach Angaben des Standesamtsleiters hat man auch in Pfronten während des scharfen Lockdowns „immer Hochzeiten gehabt“. In dieser Zeit seien aber in der 13-Dörfer-Gemeinde auch einige „auf Abruf“ und in Seeg bereits aufs kommende Jahr verschoben worden. Bis zur Corona-Krise fanden in diesem Jahr dort schon rund zehn Hochzeiten statt. Und weitere Paare wollen sich heuer noch das Ja-Wort geben. Dennoch würden in diesem Jahr „erheblich weniger“ als die normalerweise 90 bis 100 Hochzeiten pro Jahr über die Bühne gehen, informiert Dürr. 

Dieses Problem hat Stefan Kuhn in Füssen nicht, der zwar von „knapp einer Handvoll“ ganz ausgefallener Hochzeiten in der Zeit des Lockdowns spricht. Viele seien jedoch auf Juli, August oder September diesen Jahres verlegt worden. Deshalb rechnet der stellvertretende Standesamtsleiter auch für 2020 mit „etwa 240 Hochzeiten“, wie sie in Füssen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt vonstatten gegangen seien. 

Ganz anders sieht die Lage bei Uli Pickl aus. Schließlich bricht dem Gastronom und Betreiber des „Haus Hopfensee“ in diesem Jahr fast die Hälfte des Umsatzes weg. Dafür sorgen auch Hochzeiten. Von den „normal 18 bis 20 Hochzeitsfeiern“, die der Wirt sonst pro Jahr in seinem Haus beherbergt, fallen heuer „bis auf zwei“ alle aus. Aufgrund der Pandemie habe er 2020 „noch keine Hochzeit gehabt“, erzählt Pickl. „Hochzeiten machen ungefähr ein Drittel des Umsatzes aus.“ 

Für 2021 fast ausgebucht 

Für das kommende Jahr sieht es aber erheblich besser aus. Was Hochzeitsfeiern angehe sei „schon fast alles voll ausgebucht“. Wer also 2021 noch einen Termin für eine Feier im „Haus Hopfensee“ haben will, muss sich beeilen. 

Dann hat wohl auch der Füssener Fotograf Peter Samer wieder mehr mit Hochzeiten zu tun. Denn heuer habe er „lediglich eine während Corona“ fotografisch begleitet, wie er erklärt. Wie Gastronom Pickl freut er sich über die neuen Lockerungen. Schließlich macht Covid-19 auch ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Immerhin stellen Hochzeitsfeiern mit rund 40 Prozent „einen wichtigen Umsatz“ dar, informiert der Fotograf. Vor allem das Ausbleiben von US-Amerikanern, Engländern und Australiern, die etwa die Hälfte seiner Hochzeitskunden ausmachen, bedeuten einen herben Einkommensverlust für ihn. 

lex

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