Busfahrer der RVA werden im richtigen Umgang mit Rollstuhlfahrern geschult

Erst fragen, dann schieben

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In fünf Jahren sind die Fahrzeugführer dazu verpflichtet, an fünf Schulungen zu jeweils acht Stunden teilzunehmen. Unter Leitung des Dozenten Michael Merz (rechts) im Auftrag von DB-Training geht es am Samstag bei der RVA auf dem Betriebsgelände in Füssen-West um sichere Beförderung von Fahrgästen mit Handicap.

Füssen – Unternehmen und Kommunen haben in den vergangenen Jahren viel dafür unternommen, dass Menschen mit Handicap dank des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPVK) mobil bleiben können.

Das ist auch bei der Regionalverkehrs Allgäu GmbH der Fall. Wie am vergangenen Samstag gezeigt wurde, konzentriert sich die RVA in ihrem Service für Fahrgäste im Rollstuhl nicht nur auf technische Lösungen, die Menschen mit einer körperlichen Behinderung den Einsteig ins Fahrzeug enorm erleichtern. 

Wie Dozent Michael Merz aus dem badischen Gaggenau als Leiter einer Weiterbildung für Busfahrer im Schulungsraum und auf dem Gelände des Füssener RVA-Betriebshof, Moosangerweg vor den 16 Teilnehmern betonte, sei es beim Kontakt mit dem Fahrgast wichtig zu fragen, ob und wie man ihm beim Einsteigen helfen könne. „Denn eine Mobilitätseinschränkung kann sehr unterschiedliche Ursachen haben.“ 

Rollifahrer sei nicht gleich Rollifahrer, betonte Merz. „Aber die Menschen mit Behinderung wissen natürlich immer am besten, welche Hilfe jeweils angebracht ist.“ 

Erst fragen, dann schieben – nur in dieser Reihenfolge sei der Service professionell. Einen Rollstuhl sofort von hinten anzupacken und zu versuchen, ihn mit voller Kraft durch die hintere Bustüre zu schieben, wäre weder ein korrektes, noch ein höfliches Verhalten. „Fünf Sekunden Zeit reichen meist aus, um mit dem behinderten Fahrgast das Vorgehen abzusprechen“, gab Merz den Fahrzeugführern mit auf den Weg. 

Den Busfahrern und den Fahrgästen in der Region kommt bei der ganzen Thematik ein längst gängiger Bustyp zugute: Er hat eine ausklappbare Rampe. Der so genannte Niederflurbus wurde entwickelt, um den Standardbus abzulösen. Standardbusse mit Treppenstufen an den Türen sind – wie zu hören war – aus dem RVA-Fuhrpark so gut wie verschwunden. 

Solche Busse hatten es dem Fahrgast noch richtig schwer gemacht, mit Rollstuhl oder Kinderwagen ein- und auszusteigen. Der Niederflurbus besitzt dagegen weder im Gang noch an den Türen Stufen, aber eine per Hand ganz leicht ausklappbare Rampe. Zugelassen ist die Niedrigflurbus-Rampe bis zu maximal 350 Kilo. 

Auf Nachfrage des Kreisbote wies der Schulungsleiter auf das hohe Gewicht von elektrischen Rollis hin. Bei bestimmten Modellen solcher Fahrzeuge kann die Einstiegsseite zusätzlich abgesenkt werden. Ist die Bushaltestelle außerdem mit einem hohen Bordstein ausgestattet, steigen Fahrgäste bequem fast ebenerdig ein. 

„Die Menschen mit Mobilitätseinschränkung stellen eine bedeutende Kundengruppe dar“, unterstrich Schulungsleiter Merz. „Auf ihre speziellen Bedürfnisse gehen wir bitte sehr sensibel ein. Wir begegnen jedem Fahrgast freundlich und mit Respekt!“ 

Praktische Übungen

Mit einem Niederflurbus fuhr die Gruppe vom Betriebshof der RVA in Füssen-West anschließend in die Altstadt. Das – noch zu gestaltende – Bahnhofs-Areal war die zweite Schulungsstation. Wie vor Ort aus dem Kreis der Fahrer zu hören war, dient die vor wenigen Tagen ausgeschilderte Haltestelle am Gebäudeausgang in Richtung Freyberg-Park „sehr gut“ dazu, Fahrgäste im Rollstuhl einsteigen zu lassen. Auf Seite des Freyberg-Parks, wo derzeit schon viele Busse abfahren, werden von den Fahrern allerdings Verhältnisse kritisiert. 

Kritik ernteten am Bahnhofsgebäude auch diejenigen Autofahrer, die kurzzeitig an der Bushaltestelle parken. Als wäre das oft beobachtete verkehrswidrige Verhalten mit typischem Beispiel zu beweisen, fuhr vor den Augen der Schulungsgruppe ein Wagen mit Füssener Kennzeichen die Haltestelle an. 

Dozent Merz, der im Auftrag von DB Training bundesweit für die fachmännische Beratung von Fahrzeugführern zuständig ist, ließ den Umgang mit Rollstühlen auch hier üben. Ein leichtes Kippen des Rollis an der Rampe erleichtere die Aufgabe und schone den Rücken. Ein solcher kleiner Kniff mache es dem Fahrer möglich, auch schwergewichtige Personen sicher in den Bus zu schieben. 

Obwohl im Businneren Platz fürs notwendige Wendemanöver ist, passierte es einige Male, dass die Füße der transportierten Person im Rahmen der Übungen ein leichtes Anstoßen aushalten mussten. 

Der Zeit voraus

„Zu mehr Vorsicht!“, wenn der Rolli seinen Abstellplatz finden soll, riet Dozent Merz, der das Verhalten der Busfahrer bei ihrer Aufgabe beobachtet hatte. 

Für die RVA als Mobilitätsanbieter im ÖPNV sei es „sowohl Aufgabe als auch gesetzliche Vorgabe, alles dafür zu tun, um jeden ihrer Fahrgäste sicher befördern zu können“, so der Dozent. „Frühjahr 2018 kommt ein neues Gesetz“, so Experte Michael Merz gegenüber dem Kreisbote. „Wir sind unserer Zeit voraus, denn die dann verbindlich geltenden gesetzlichen Vorgaben erfüllen wir heute schon komplett.“

Chris Friedrich

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