Offen für den Wandel

Sieger des Architektenwettbewerbs für das neue Füssener Begegnungszentrum steht fest

Ihre Zeit läuft ab: die katholische Pfarrkirche „Zu den Acht Seligkeiten“ in Füssen-West wird abgerissen, voraussichtlich schon im Frühjahr 2021.

Füssen – Aus Zwei wird Eins: Die katholischen Kirchenstiftung „Zu den Acht Seligkeiten“ und der Stadt Füssen präsentieren am vergangenen Freitag die Ergebnisse des von ihnen ausgelobten Architekturwettbewerbs.

Dieser hat das Ziel, im Stadtteil West ein einzigartiges Begegnungszentrum zu schaffen, das die Generationen zusammen führt. Dafür müssen die stark sanierungsbedürftigen Gebäude der Kindertagesstätte St. Gabriel und der ihr benachbarten 1963 geweihten modernen Pfarrkirche „Zu den Acht Seligkeiten“ bekanntlich einer Neubauanlage weichen. 

Abbruch heiße Aufbruch, verkündet Stadtpfarrer Frank Deuring und betont weiter: „Kirche besteht nicht aus Beton oder Ziegelsteinen, sondern aus Menschen.“ Es war eine große Besucherschar, die am Freitag in der ansonsten immer fast leer wirkenden großen Kirche in Füssen-West den nächsten Schritt in die Zukunft miterleben wollte. 

Das Stuttgarter Architekturbüro Harris + Kurle hatte als Wettbewerbssieger einen das Preisgericht überzeugenden Entwurf vorgelegt, der am besten der Vorgabe entsprach, Kita und Kirche in sinnvoller Beziehung zueinander zu setzen. Die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ ist der jüngste Sakralbau der Pfarreiengemeinschaft Füssen.

In der Nähe des auch heutzutage noch modern wirkenden imposanten Kirchenbaus im Westen der Stadt befindet sich der Katholische Kindergarten St. Gabriel. Längst steht es fest: das Stadtbild in Füssen-West wird sich in den nächsten Jahren total verändern. Beide Gebäude werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. 

Präsentieren den Sieger-Entwurf: Landschaftsarchitekt Frank Jetter (links) und Volker Kurle aus dem Architekturbüro Harris + Kurle aus Stuttgart. Mit den Architekten freuen sich Stadtpfarrer Frank Deuring (2. v.l.) und Bürgermeister Paul Iacob über einen überzeugenden Entwurf für das künftige katholische Begegnungszentrum in Füssen-West.

Wie diese aussehen sollen, wurde im Rahmen eines Wettbewerbs ermittelt, aus dem das Stuttgarter Architekturbüro Harris + Kurle als Sieger hervorgegangen ist. In einer musikalisch live umrahmten Feierstunde in der Stadtpfarrkirche „Zu den Acht Seligkeiten“ wurden jetzt erstmals die von der Fachjury bei Rundgängen beurteilten Entwürfe präsentiert. In dem von der Stadt Füssen und der Kirchenstiftung „Zu den Acht Seligkeiten“ gemeinsam ausgeschriebenen Wettbewerb waren 14 Teilnehmer übrig geblieben. 

Das Preisgericht, bestehend aus sieben Mitgliedern, konnte letztlich eine Anerkennung und zwei Platzierungen hinter dem Gewinner bekannt geben, der sich mit dem ebenfalls in Stuttgart ansässigen Landschaftsarchitekten Jetter als Partner im Wettbewerb durchsetzen konnte. 

Das pastorale Begegnungszentrum, so sieht es der Siegerentwurf vor, bietet der Gemeinde künftig eine Kirche mit rund 100 Sitzplätzen. Für Veranstaltungen die einen größeren Andrang erwarten lassen, kann der Kirchenraum mit dem angrenzenden Saal und gegebenenfalls dem Foyer auf 300 Plätze erweitert werden. Vorgesehen sind mehrere Gruppenräume. Das Pfarrbüro hat genug Platz.

Gemeinsamer Weg

Monika Beltinger erläuterte das Vorgehen beim Wettbewerb. Die Diplom-Ingenieurin, Fachrichtung Architektur, gilt als erfahrene Expertin. Weitere Erläuterungen gab Thomas Meusburger, Architekt beim Kemptener Architekturbüro F64 und ständiger Fachpreisrichter. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) betonte, es sei „wichtig, für den Wandel offen zu sein“. Iacob, der im Rückblick auf das angelaufene Großprojekt die gute Zusammenarbeit mit der Pfarreiengemeinschaft betonte, forderte die Zuhörer dazu auf: „Begleiten Sie uns auf diesem Weg nach vorne“. Ein erster Schritt könnte die Besichtigung der aufgebauten Ausstellung vor Ort sein. 

Auch den Betrachtern, die sich normalerweise nicht mit architektonischen Entwürfen befassen, macht die Schau eines deutlich: es werden künftig nicht einfach nur die Kirche und die Kita, die derzeit räumlich voneinander getrennt sind, durch Neubauten ersetzt. 

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Stadtrat hat sich die Pfarreiengemeinschaft ein Begegnungszentrum gewünscht, das allen Menschen offen stehen soll. Erwartet wird, dass die Abrissarbeiten im Frühjahr 2021 beginnen. Wann das Begegnungszentrum schließlich eröffnet werden kann, darauf hatte aber noch keiner der Verantwortlichen eine Antwort.

Die Vorfreude aber wächst indes: Kindergartenleiterin Sibylle Berktold, die dem nicht stimmberechtigten Beirat aus Sachverständigen angehörte, betonte auf Nachfrage: „Wir werden viel Licht haben. Der Siegerentwurf berücksichtigt, dass unsere Räume durch die Glasfront angenehm hell sind.“ Pfarrer Deuring sah das ähnlich: Hier werde sich das Erzieher-Team „bald wohlfühlen“. 

Die Entscheidung, in einer Zeit, in denen historische Kapellen als Kulturgüter erhalten werden, tatsächlich eine moderne Pfarrkirche mit der Abrissbirne völlig zerstören zu lassen, fiel nach eingehenden Diskussionen. Pfarrer Deuring steht dabei weiterhin im Brennpunkt. Es wird erwartet, dass er sich dazu erklärt „Viele Menschen fragen mich, warum es zum Abriss der Kirche kommen muss“, berichtet er. 

Hintergrund sei, dass „unser Kindergarten St. Gabriel grundsaniert werden müsste“. Als „wesentlicher Geldgeber“ habe der Bezirk Schwaben jedoch den Antrag für eine Grundsanierung abgelehnt, „da diese teurer als ein Neubau wäre“. Die Pfarrkirche „Zu den Acht Seligkeiten“ sei ebenfalls in die Jahre gekommen, was enorm kostspielige Maßnahmen nach sich ziehen wird, würde man notwendige Arbeiten in Auftrag geben. 

Weniger Gläubige

Doch es geht nicht allein darum, sich anfallende hohe Kosten einzusparen. Es kommt hinzu, was jeden Sonntag im Kirchenraum ganz offensichtlich ist: „Leider ist der Gottesdienstbesuch so weit zusammen geschrumpft , dass wir uns in der großen Kirche verlieren.“ Daraus resultierte die beinahe rhetorische Frage: Sollte Füssen in eine fast leere Kirche investieren? 

Die Antwort aus dem Pfarramt lautet: der Abbruch wird als Aufbruch verstanden. Deuring sagt: „Der Neubau eines Kindergartens und eines Begegnungszentrum stellt für uns eine große Chance dar.“ Ein heutiger Rückblick auf die Pfarrkirche „Zu den Acht Seligkeiten“ zeigt: Zwischen dem ersten Spatenstich am 2. April 1963 und der feierlichen Einweihung durch den Augsburger Bischof Dr. Josef Stimpfle am 26. März 1966 lagen fast drei Jahre Bauzeit. 

Die Verantwortlichen hoffen mit den miteinander in enger Verbindung stehenden Neubauten der Kindertagesstätte West und dem pastoralen Begegnungszentrum recht zügig voranzukommen. Eine Voraussetzung dafür wird sein, ob der Abriss tatsächlich im Frühjahr 2021 erfolgen kann. Mit der Entscheidung beim Architekturwettbewerb ist ein weiterer großer Schritt erfolgt.

Am vergangenen Freitag mit dabei waren auch zahlreiche Besucher aus der Füssener Kommunalpolitik und der heimischen Kulturszene. Inmitten des Publikums hatte verschiedene kirchliche Prominenz aus Augsburg Platz ebenfalls genommen: Monsignore Harald Heinrich, Domkapitular und Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, der Finanzdirektor Jerome-Oliver Quella und Domvikar Martin Riß.

cf

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