30 Jahre nach Olympiasieg: Ex-Skirennläuferin Sigrid Wolf spricht über ihren Erfolg

"In Calgary hat alles gepasst"

+
Ex-Skirennläuferin Sigrid Wolf aus Elbigenalp mit ihrer Goldmedaille.

Elbigenalp – Heute jährt sich zum 30. Mal Sigrid Wolfs Erfolg bei den Olympischen Winterspielen in Calgary 1988. Für den Österreichischen Skiverband holte die Ex-Skirennläuferin Gold im Super G. Über ihre Erinnerungen von damals und über das „Leben danach” hat sie jetzt mit dem Kreisbote gesprochen.

Welche Erinnerungen werden wach, wenn Sie an die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary zurückdenken? 


Wolf: „Es war eine tolle Erfahrung für mich die mittlerweile schon 30 Jahre zurück liegt. Trotzdem blicke ich noch mit viel Freude auf die damaligen Geschehnisse. Ich bin mit einem tollen Gefühl und viel Selbstbewusstsein in Calgary angereist. Die Saison davor hatte ich durchwegs brauchbare Ergebnisse. Dies gab mir viel Zuversicht. Aber auch das ganze Drumherum, das olympische Dorf und auch sich mit Athleten aus anderen Sportarten zu treffen war ein Erlebnis. Da ich mich das Jahr davor nicht für die Winterspiele qualifiziert hatte, war 1988 DAS Highlight für mich. Meine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen in Calgary wurde mit Gold belohnt.” 

Nun war der Super G ja ebenfalls ab dem Jahr 1988 eine neue Disziplin im alpinen Skirennsport. Wie hat Ihnen der Parcours zwischen Riesentorlauf und Abfahrt gelegen? 

Wolf: „Für mich wurde der Super G anscheinend erfunden. Das sage ich heute noch. Ich habe mich bei diesem Lauf und auch generell beim Super G sehr wohl gefühlt. In Calgary hat einfach alles gepasst – da war das Glück auf meiner Seite.” 

Wie fühlt es sich an bei den Olympischen Winterspielen als erste auf dem Podest zu stehen? 

Wolf: „Eine olympische Medaille, vor allem Gold zu gewinnen, ist der größte Titel den ein Athlet erreichen kann. Du hast eine Vorbereitungszeit von vier Jahren und rufst Deine Leistung auf den Punkt ab. Und: Du hast nur eine Chance. Es hat einfach alles gepasst. Das Material, die Rahmenbedingungen und natürlich auch meine Form.” 

Sie hatten ja an mehreren Disziplinen teilgenommen. Wie waren da Ihre Ergebnisse? 

Wolf: „Ja, es stand noch der Riesentorlauf und die Abfahrt auf dem Programm. Leider bin ich damals bei beiden ausgeschieden. Aber der Super G führte mich zum Gold – und das war dann unterm Strich für mich das Wichtigste.” 

Wer waren damals ihre absoluten Konkurrentinnen? 

Wolf: „Michaela Figini, Anita Wachter und Carin Percy. Sie hatten jedoch beim Super G gegen mich keine Chance. Zwar schafften es zwei von Ihnen aufs Podest – zum Sieg hatte es für sie aber nicht gereicht.” 

Von Platz 60 aufs Podest 

Wie hat Ihre Karriere damals begonnen? 

Wolf: „Gestartet bin ich 1981 bei meinem ersten Weltcuprennen mit einer kleinen Sensation. Es war die Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm. Mit der Startnummer 60 fuhr ich aufs Podest und wurde Dritte. Und das im eigenen Land. Ein Wahnsinns-Erlebnis. Die darauffolgenden Saisonen waren eher durchwachsen. Im Frühjahr 1986 erlitt ich einen Kreuzbandriss. Ich kämpfte mich aber durch harte und effiziente Arbeit zurück und gewann so dann 1987 mein erstes Weltcuprennen. Dann stellte sich der Erfolg ein. Dieser wurde 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary mit der Goldmedaille belohnt.”

In Ihrer Karriere war auch die Rede von einer „Stecknadelaffäre“. Was hatte dies auf sich? 

Wolf: „Beim Super G in Lech am Arlberg 1988, der dorthin verlegt wurde, gab es keine original Startnummern. Unser Trainer befestigte sie mit Stecknadeln damit sie besser hielten. Da dies aber nicht den Statuten entsprach, wurden daraufhin alle österreichischen Läuferinnen disqualifiziert. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich das Rennen gewonnen. Das war schon bitter.” 

Welche Auszeichnungen haben Sie in Ihrer Laufbahn noch bekommen? 

Wolf: „In den Saisonen 1986/87 und 1987/88 wurde ich zur österreichischen Sportlerin des Jahres gekürt.” 1991 haben Sie dann Ihr Karriere beendet. Was war der Grund dafür? Wolf: „Ich hatte mich 1991 nochmals ziemlich verletzt. Die ganze Saison über hatte ich schon damit gekämpft und die Erfolge blieben aus. So reifte der Gedanke die Karriere zu beenden. Es war an der Stelle dann das Beste für mich.” 

Wie ging es nach Ihrer Karriere weiter? 

Wolf: „1988 habe ich meinen heutigen Ehemann Andreas Perl kennengelernt. Mit ihm zusammen gründete ich eine Familie. Die erste Tochter von zweien kam dann 1993 zur Welt. Dazu kam auch ein schönes Eigenheim in dem ich 1996 mein eigenes Fitnessstudio eröffnet habe. Es macht ziemlichen Spaß und es können auch Kurse bei mir gebucht werden.” 

Wie sieht Ihr Alltag heute aus? Welche Rolle spielt Sport heute noch in Ihrem Leben? 

Wolf: „Auf alle Fälle eine große. Im Winter gehe ich gerne Schneeschuhwandern oder Skitouren und im Sommer steht Bergwandern oder Mountainbiken auf dem Programm. Da kommt der Naturmensch zum Vorschein. Durch die wunderbaren Skigebiete die ich ,vor der Haustür' habe genieße ich ein entspanntes und stressfreies Skifahren. Ja, auch das bereitet mir noch viel Spaß. Vor sechs Jahren habe ich die Prüfung zur Kräuterpädagogin gemacht. Auch das ist mittlerweile ein großes Hobby von mir. In Sachen Kräuter bin ich für den Tourismusverband sehr engagiert und zeige den Gästen gerne auf meinen Kräuterwanderungen im Sommer die Vielfalt der besonderen Kräuterarten im Lechtal.” 

Um noch einmal auf Ihre Goldmedaille 1988 zurückzukommen. Welch edlen Platz hat sie bei Ihnen zuhause bekommen? 

Wolf: „Zuerst war sie die längste Zeit im Pokalraum. Da sie dort aber nicht sicher genug war, dachte ich mir, ich lege sie zu mir ins Nachtkästchen. Als die Wunderkammer in Elbigenalp eröffnete, wurde ich gefragt, ob ich die Medaille an einen dafür vorgesehenen Ehrenplatz ausstellen möchte. Und seitdem ist sie dort für die Öffentlichkeit zugänglich und zu besichtigen.” 

Wecker für Olympia stellen 

Derzeit finden die Olympischen Winterspiele in Südkorea, in Pyeongchang, statt. Wirst Sie diese ansehen? 

Wolf: „Auf alle Fälle werde ich, trotz der Zeitverschiebung von acht Stunden, alle für mich wichtigen Wettkämpfe live am Bildschirm verfolgen. Der Wecker steht schon bereit. Ich drücke dem gesamten Österreichischen Team im Ski Alpin und auch allen anderen Athleten die Daumen! Auf dass die Besten gewinnen!”

Christine Eberl

Auch interessant

Meistgelesen

Wird der Forggensee heuer aufgestaut oder nicht?
Wird der Forggensee heuer aufgestaut oder nicht?
Füssener Bahnhof: Ausschuss genehmigt Abweichungen
Füssener Bahnhof: Ausschuss genehmigt Abweichungen
Füssen: Ermittlungen gegen Eritreer
Füssen: Ermittlungen gegen Eritreer
"Wo ist Lucki aus dem Fernsehen?" 
"Wo ist Lucki aus dem Fernsehen?" 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.