Rund um die Weißenseer Kirche soll 2018 saniert werden

"Ein Schmuckstück"

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Malerisches Ensemble: Das Umfeld der Weißenseer Kirche soll umgestaltet werden. Dadurch soll dort eine Art Ortszentrum entstehen.

Füssen – Es ist noch keine hundert Jahre her, da versuchten Architekten in ganz Bayern den malerischen Pfarrhof von Weißensee nachzubilden oder seine Gestaltung in ihre Arbeit einfließen zu lassen.

Doch der einstige Glanz des Ensembles ist längst verblasst. Deshalb wollen die zuständige Pfarrei St. Walburga und die Stadt Füssen nun den umgekehrten Weg gehen und das Umfeld der Weißenseer Kirche umgestalten. Den Weg dafür hat der Stadtrat am Dienstagabend im wahrsten Sinne des Wortes frei gemacht: Einstimmig sprach er sich zum einen dafür aus, ein Stück städtischen Wegs unter die Bauträgerschaft der Pfarrei zu stellen. Zum anderen beschloss er einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 40.000 Euro. 

Der Ursprung der Planungen für die Umgestaltung des Umfelds der Weißenseer Kirche reicht einige Jahre zurück. So ergab eine Analyse bereits 2012, dass sich alle Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur wie Tourist-Information, Freibad, Feuerwehrhaus, Turnhalle oder Schützenhaus zu weit verstreut im Ortsteil befinden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es zum Ärger der Weißenseer ebenfalls kaum noch welche (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Kurz: Ein Zentrum oder Ortsmitte für den Ortsteil fehlt. Dem will die Pfarrei St. Walburga bereits seit geraumer Zeit entgegenwirken und rund um die Kirche mit Mesnerhaus, Pfarrhaus und Friedhof eine „dörfliche, geistige und kulturelle Mitte“ schaffen. So sind derzeit Freiflächen für Veranstaltungen, ein Pfarrstadl, neu gestaltete Außenanlagen am Pfarrhaus, die Sanierung des Zugangs zum Friedhof und eine stellenweise neue Wegführung geplant, wie der Eisenberger Planer Cornelius Wintergerst den Stadträten erläuterte. „Das ganze Gebiet ist ein wertvoller Raum“, sagte der Ingenieur. Allerdings führe insbesondere der Pfarrhof derzeit „ein unwürdiges Dasein“.

Hohe Förderung

Die geplanten Maßnahmen sind Wintergerst zufolge mit dem Amt für Ländliche Entwicklung abgestimmt. Dieses werde das Projekt im Rahmen einer sogenannten einfachen Dorferneuerung auch finanziell fördern. Voraussetzung dafür sei, dass die Kirche ein städtisches Grundstück in die Baumaßnahme mit einbeziehen darf, um dort eine Kurve des Weges zu erweitern und diesen ein Stück von der Pumpstation abzurücken. Die Förderung sei bereits von der Stadt Füssen beantragt worden – und aus Sicht der Stadtverwaltung „das bestmögliche Resultat“ erzielt worden, wie es aus dem Bauamt heißt. 

Die Gesamtkosten für das Vorhaben werden sich voraussichtlich auf etwas über 400.000 Euro belaufen. Problem Radfahrer Darüber hinaus bietet die Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung den Vorteil, dass sie gleichzeitig die öffentliche Nutzung der Wege auf dem Areal sicher stellt. Demnach soll der Weißensee-Uferweg als beschränkt-öffentlicher Weg für Fußgänger und Radverkehr gewidmet werden, während der Weg „Am Pfarrhof“ als Eigentümerweg ausgewiesen werden soll. 

Da sowohl die Kirche als auch die Stadtverwaltung ein großes Interesse daran haben, dass der geplante Ruhebereich auch beachtet und respektiert wird, sollen Pfosten oder Schwellen sowie Schilder im und am Geh- und Radweg vor allem Radfahrer darauf hinweisen und bremsen. „Durch diese Maßnahme erhofft sich die Kirchengemeinde, dass der Ruhebereich besser respektiert wird und unerwünschte Nutzungen unterlassen werden.“ 

Zusage gilt

Stadtrat Magnus Peresson (UBL) warnte angesichts der Pläne und der Einmaligkeit des Bauensembles davor, zu viel machen zu wollen. „Ein geistliches Zentrum darf kein Rummelplatz werden“, sagte er. „Bitte rückführen auf das, was einmal war!“ CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp äußerte dagegen Bedenken wegen der von der Stadt aufzubringenden 40.000 Euro. „Unser Haushalt ist immer noch äußerst angespannt“, mahnte Hipp. Auch sein Fraktionskollege Dr. Christoph Böhm bat um Zurückhaltung. 

Zunächst sollte seiner Ansicht nach geklärt werden, was denn die geplanten Sanierungen des Weißenseer Strandbads und des Gemeindehauses kosten werden. „Ich hätte mir gewünscht, die Pfarrgemeinde hätte ein bisschen kleiner geplant“, so Böhm. Stadtrat Herbert Dopfer (Füssen-Land) erinnerte daran, dass der 40.000-Euro-Zuschuss durch die Stadt bereits vor Jahren vom Stadtrat beschlossen worden sei. Dazu müsse man nun stehen. 

Das forderte auch sein Fraktionskollege Christian Schneider aus Weißensee. Außerdem ist der Zuschuss der Stadt Füssen in Höhe von etwa zehn Prozent der Gesamtkosten Voraussetzung für eine Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung. Wolfgang Bader (SPD) verwies dagegen auf die Bedeutung, die Kirchen noch immer hätten. „Hier im Allgäu ist für viele Menschen die Kirche schon noch das Zentrum“, sagte er. „Man kann dort ein Schmuckstück schaffen!“ Auch Dr. Anni Derday (FW) sprach sich dafür aus, das Vorhaben nun endlich in Angriff zu nehmen: „Ich werde zustimmen, denn wir kriegen eine Maßnahme in der Wertigkeit von 500.000!“ 

Ein Argument, das offenbar überzeugte: Sowohl für die Übertretung des Wegstücks an die Pfarrei als auch die Förderung des Projekts mit 40.000 Euro stimmte das Gremium einstimmig.

Matthias Matz

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