Bei Typisierungsaktion in Lechbruck werden Stammzellenspender für 15-Jährigen gesucht

Fast 100 wollen helfen

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Es dauert nur Sekunden, bis das Proberöhrchen gefüllt ist. Ein kleiner Pieks für Heike Seelos, vielleicht die ersehnte Hilfe für den 15-Jährigen oder irgendeinen anderen erkrankten Menschen auf diesem Planeten.

Lechbruck – Fast 100 Freiwillige haben jetzt an der Typisierungsaktion in der Lechbrucker Mutter-Kind-Klinik „Königshof“ mitgemacht. Ansporn für viele war die Hoffnung, ein Leben retten zu können.

Bei dem 15-jährigen Sohn einer Mitarbeiterin des „Königshofs“ war Leukämie diagnostiziert worden. Was Klinikleiterin Heidi Zink veranlasste, einen möglichen Knochenmarksspender zu finden, mit dessen Hilfe bzw. dessen Stammzellenspende die Krankheit bekämpft werden kann.

 Innerhalb von Tagen sei die gesamte Familienplanung umgestoßen worden, erzählt die Mutter des 15-Jährigen. Aber nicht nur die ihres Sohnes, sondern auch seiner Geschwister und der Eltern. Sie selbst, Mitarbeiterin in der Königsklinik, sei zur Krankenschwester geworden, die Wohnung erinnere derzeit an eine Krankenstation, erzählt sie. Das permanente Händewaschen sei zur Pflichtübung geworden. 

Ins Kino gehen, sich mit Freunden treffen, bummeln oder in die Schule gehen – alles tabu. Denn der kleinste Infekt würde alle bisherigen Bemühungen obsolet werden lassen, der junge Mann müsste sofort zurück in die stationäre Behandlung. Auch die Bewerbungsgespräche für eine Lehre – der 15-Jährige will CNC-Dreher und Fräser werden – mussten nach der Diagnose im Sommer vorläufig abgesagt werden. 

Schlapp und müde fühlte sich ihr Sohn. So begann das Drama im Sommer, erinnert sich die Mutter. Zuerst habe man auf einen Muskelkater getippt, die Hitze verantwortlich gemacht für den Zustand. Bis der 15-Jährige zum Arzt ging und sich untersuchen ließ. Leukämie, gemeinhin als Blutkrebs bekannt, lautet die Diagnose. Leukämie ist eine Erkrankung, bei der die blutbildenden Zellen im Rückenmark angegriffen werden. Deshalb werden Spender gesucht, deren gesunde Stammzellen dem geschwächten Organismus auf die Beine helfen und unterstützen sollen, wieder Blut zu bilden – vor allem die wichtigen Bestandteile die etwa für den Sauerstofftransport zuständig sind. 

Spontane Hilfsaktion 

Nachdem die Mutter sich ihrer Chefin Heidi Zink anvertraut hatte, beschloss diese spontan, dass die Klinik helfen und einen möglichen Stammzellenspender suchen werde. Nach Rücksprache mit der Deutschen Stammzellenspenderkartei DKMS startete sie schließlich einen allgemeinen Aufruf. Denn je mehr Freiwillige kommen, desto größer sind die Chancen, das passende Genom zu finden. Oder wie es Dr. Michael Christmann formulier: „Es ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen und je mehr Nadeln wir finden, desto größer ist die Chance, den passenden Spender zu finden“. 

Um die 60 Spender meldeten sich nach dem Aufruf spontan, letztlich kamen fast 100 in die Lechbrucker Königsklinik, um sich typisieren zu lassen. Dass unter diesen 100 allerdings der richtige Spender für den 15-Jährigen dabei ist, sei in etwa wie ein Sechser im Lotto, meinte Dr. Christmann. 

Eventuell aber findet sich ein Spender für einen anderen Erkrankten, sei es in Japan, Australien oder Kanada. Wer in die Königsklinik kam, wie etwa die Bernbeurer Nicole Winkl, Eva Echtler und die Geschwister Elisabeth und Matthias Huber aus Bernbeuren, wurde schon von den Mitarbeitern erwartet. Diese halfen zunächst die Formalitäten zu erledigen. Neben einem Fragebogen gab es auch ein Beratungsgespräch, denn nicht jeder ist geeignet. 

Klare Vorgaben 

So muss der Spender zwischen 18 und 55 Jahre alt sein und darf zuvor noch nie eine Fremdblutspende erhalten haben. 

Auch wenn er gerade mit Antibiotika behandelt wird, ist eine Typisierung ausgeschlossen, erklärte Christmann. Probleme, die es bei dem Quartett nicht gab, weshalb es kurz darauf auch schon zur Blutentnahme ging. Nicht mal eine Minute habe die Prozedur gedauert, erinnert sich Elisabeth Huber, die sich mit Eva Echtler darin einig ist, dass sie hier vielleicht ein Leben retten können. Sie wissen auch, was auf sie zukommt, wenn sich ihre Stammzellen als geeignet herausstellen würden. 

Als recht undramatisch beschreibt Christmann die Entnahme der Stammzellen. Man könne das mit einer Dialyse vergleichen. „An einen Arm wird das Blut entnommen, gewaschen, also die nötigen Stammzellen heraus gefiltert. Und dann läuft das Blut im anderen Arm zurück“, beschreibt der Allgemeinmediziner die Prozedur, die rund vier bis fünf Stunden dauert. Früher musste tatsächlich Knochenmark aus dem Becken entnommen werden, das ist nun vorbei. Vielfältige Hilfe Der 15-Jährige muss derzeit deutlich mehr Kraft aufbringen. 

Eine unbeschreibliche Kraft, wie seine Mutter beinahe bewundernd meint. Etwa für die fast tägliche Chemotherapie, mit der er behandelt wird. Derzeit sei sein Zustand stabil, was sich allerdings jederzeit wieder ändern könne. „Das kann morgen schon anders ausschauen“, erzählt sie. Auch der Förderkreis für tumor- und leukämiekranke Kinder am Klinikum Ulm, der dem Jungen den Schulunterricht während der Behandlung ermöglicht hat und auch dafür sorgt, dass Eltern und Geschwister in der Nähe des Patienten übernachten können, habe ihr sehr viel geholfen. 

Nicht zuletzt ist das auch die Johannesbad-Gruppe, zu der die Kurklinik gehört. Deren Vorstandsmitglied Dr. York Dhein hatte zugesagt, die Kosten für die Typisierungsaktion – auch die DKMS finanziert sich rein über Spenden – zu übernehmen.

Oliver Sommer

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