Aufklärung aus der Luft

Soldaten aus der Füssener Kaserne operieren im Einsatz mit einer speziellen Drohne

Soldaten, Drohne, YAK
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Zu den Aufklärern gehört die Drohne namens LUNA, die mit einem Transportfahrzeug „YAK“ hochmobil ist und flexibel eingesetzt werden kann.
Start der Drohne zu einer Aufklärungsmission.  Soldaten.
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Start der Drohne zu einer Aufklärungsmission. Sie wird über ein gegen den Wind gerichtetes Katapult gestartet.
Bundeswehr Einsatz MINUSMA Drohne
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Das gesamte System für den Betrieb der LUNA wird zum Einsatzort mitgenommen.
Belgische Soldaten mit Drohne
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Der belgische Multi-Sensor-Zug kann mit seinen Drohnen, genannt RAVEN, ebenfalls aus der Luft aufklären.
Soldaten, Fennek, Einsatz MINUSMA
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Die Aufklärungsspezialisten aus der Kaserne in Füssen mit ihren Spähwagen Fennek.

Füssen/Gao – Ein halbes Jahr lang stellen in der Allgäu-Kaserne beheimateten Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 den Einsatz im afrikanischen Mali (wir berichteten mehrfach). Die Aufklärungsspezialisten vom Bundeswehrstandort in Füssen operieren in der Weite Malis mit den für sie typischen Fahrzeugen namens Fennek. Doch diese Spähtrupps sind nicht alleine. Unterstützung erhalten sie zum einen von Soldaten anderer Nationen, Aufklärung aus der Luft mit Drohnen sowie der Kontaktaufnahme mit den Einheimischen und von weiteren Spezialisten aus den eigenen Reihen.

Die deutsche Beteiligung an der United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali (MINUSMA) dient der Stabilisierung des Landes. Die gemischte Aufklärungskompanie des dort mittlerweile 15./16. Deutschen Einsatzkontingents verfügt über weitere, besondere Fähigkeiten: mit der Luftgestützten Unbemannten Nahaufklärungsausstattung, einer Drohne namens LUNA, kann der dafür zuständige Zug bei Tag und Nacht Video-, Infrarotfilme und Standbilder in Echtzeit bereitstellen. Spezialisten für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (CIMIC) und ein belgischer Aufklärungszug ergänzen das Leistungsspektrum. Diese Beiträge sind wichtig zur Verdichtung des Lagebildes und liefern Antworten bei speziellen Anfragen.

Für den effizienten Betrieb von LUNA sind in Gao über 20 Spezialisten der 4. Kompanie des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 aus Füssen im Einsatz. Wenn sie einen Aufklärungsauftrag bekommen, bedeutet das, Operationsziele zu planen, die Ziele zu überfliegen und mit den Sensoren die Ereignisse am Boden zu erfassen. Die Auswertung der Daten erfolgt dann am Boden.

Aufträge für die LUNA lassen sich in zwei wesentliche Kategorien unterteilen. Zum einen „Intel-Driven“, das ist die klassische Aufklärung von vordefinierten Zielen, und zum anderen „Force-Driven“, die direkte Unterstützung für eigene Kräfte. So wird unter anderem das Vorgehen der eigenen Truppe überwacht, um diese vor unvorhergesehenen Situationen zu schützen. Auf Grundlage der Aufklärung vor den eigenen Kräften können Operationen konkreter geplant werden. Die Soldatinnen und Soldaten der Fluggerätbediengruppe sind für Start und Landung der LUNA sowie der Sicherung des Start- beziehungsweise Landeplatzes zuständig. Die entsprechende Einsatzgruppe betreibt die Bodenkontrollstation und führt den Flug durch. Neben den Drohnensteuerern findet sich hier der Zugführer als gesamtverantwortlicher Flugdienstleiter wieder.

Flugstart über ein Katapult

Das Fluggerät wird über ein Katapult gestartet. Das Katapult, die Fluggeräte sowie die Bodenkontrollstation werden auf dem Gefechtsfahrzeug „YAK“ transportiert. Das macht das System mobil und im Einsatzraum flexibel einsetzbar. LUNA kann ausdauernd bis zu fünf Stunden fliegen. Das ermöglicht eine weitreichende Aufklärung. Nach der Landung wird das Fluggerät wieder zerlegt, verstaut und das nächste vorbereitet. Die Vor- und Nachbereitung des Fluggerätes sowie nötige Reparaturen übernimmt die Instandsetzungsgruppe.

Die militärische und zivile Seite

Die Soldaten von CIMIC sind kein regulärer Teil von Aufklärungskräften. Dennoch agieren sie als Sensor der Kompanie im zivilen Umfeld. Sie sprechen mit der Bevölkerung, Vertretern der lokalen Administration und pflegen Kontakte zu Nicht-Regierungsorganisationen und internationalen Organisationen. Militärische und zivile Seite beeinflussen sich im Einsatz gegenseitig. Es ist notwendig, die Probleme und Bedürfnisse der Bevölkerung zu kennen. Im Rahmen der Operationsführung können dann die eigenen Maßnahmen angepasst, aber auch in Zusammenarbeit mit Organisationen Projekte zur Verbesserung der zivilen Situation veranlasst werden. Ziel dieses vernetzten Ansatzes ist, ein gutes Verhältnis zwischen der Bevölkerung und den Streitkräften aufzubauen und zu festigen. Sie tragen damit wesentlich zum Schutz der eigenen Kräfte bei.

Weitere Besonderheit der gemischten Aufklärungskompanie ist die Multinationalität. Zum Beispiel ist ein belgischer Multi-Sensor-Zug in die Einheit integriert. Er vereint die Fähigkeiten der Kompanie im Kleinen: bodengebundene und technische Aufklärung durch eine kleinere Drohne, genannt RAVEN, und ein mobiles Radar zur Erkennung von Bewegungen im direkten Umfeld. Der Zug geht stets geschlossen in die Missionen, kann aber auch gemeinsam mit den anderen Sensoren der Kompanie eingesetzt werden. Der belgische Zugführer arbeitet autark und trägt Verantwortung dafür, dass die benötigten Informationen gewonnen werden.

Alle Operationen – von der Planung über die Durchführung bis zur Verarbeitung der gewonnenen Informationen – werden, wieder im Camp Castor, durch die Zelle Verarbeitung der Informationen und Auswertung fachkundig begleitet. Im Gegensatz zu den Aufklärern aus Füssen, sammelt der belgische Multi-Sensor-Zug eher Informationen über die Lage der Zivilbevölkerung.

Mehr Bilder zum Einsatz gibt es unter www.kreisbote.de.

sh/PAO

Rubriklistenbild: © Bundeswehr/PAO MINUSMA

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