Barrierefreier Ausbau der Freybergvilla kostet rund eine Million Euro

"Das nächste Millionengrab"

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Ein behindertengerechter Ausbau der alten Freybergvilla ist aus finanziellen Gründen nicht machbar.

Füssen – Rückschlag für die Lebenshilfe Ostallgäu auf der Suche nach neuen Räumlickeiten: Weil die Sanierung und der komplett behindertengerechte Ausbau der alten Freyberg-Villa die Stadt fast eine Million Euro kosten würde, hat der Stadtrat dem Umbau am Dienstagabend nicht zugestimmt.

Stattdessen soll nun nach anderen Möglichkeiten gesucht werden, wo die verschiedenen Einrichtungen des Vereins in Füssen untergebracht werden könnten. 

Da machten einige Stadträte am Dienstagabend große Augen: Bis zu einer Million Euro soll die Sanierung und der barrierefreie Ausbau der alten Freybergvilla kosten. Dort will die Lebenshilfe Ostallgäu Frühförderung und Wohngruppen einrichten – und müsste das Haus für etwa 35 Jahre mieten, bis sich die Kosten im besten Fall amortisiert haben.

Den Stadträten war das vor dem Hintergrund leerer Kassen aber zu riskant. Auf Vorschlag von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) soll nun geprüft werden, ob die Einrichtungen der Lebenhilfe nicht woanders in Füssen untergebracht werden können.

Ins Gespräch brachte er in diesem Zusammenhang den geplanten neuen Kindergarten in der Dr.-Enzinger-Straße für die Frühförderung und für die geplante Wohngruppe die Ziegelwies. Stadtrat Dr. Metzger (BfF) wies außerdem darauf hin, dass demnächst eine Arztpraxis frei werde. Auch diese könnte für die Lebenshilfe ins Auge gefasst werden.

 „Wir wollen weitere Wohnplätze schaffen“, hatte Wolfgang Neumayer, zweiter Vorsitzender der Lebenshilfe Ostallgäu, den Stadträten zuvor erklärt. So soll nach den derzeitigen Plänen des Architekten Engelbert Lochbihler im ersten Stock der Villa die sogenannte Frühförderung (eine therapeutische Praxis) untergebracht werden. Im zweiten Geschoss sind vier barrierefreie Zimmer für die Wohngruppe vorgesehen. 

Dafür müssten unter anderem ein Behinderten-Plattformlift eingebaut werden, die Türen müssten verbreitert werden und die Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Räumen müssten geebnet werden. Dazu kommt noch der Einbau einer behindertengerechten Dusche. „Wir wollen eine inklusive Wohngruppe machen und ein festes Team installieren“, so Neumayer. Derzeit würden rund 80 Kinder aus Füssen und dem Umland in der Frühförderung betreut. Provisorische Unterkunft seien die Wertachtal-Werkstätten. 

Explodierende Kosten

Doch die angestrebte Barrierefreiheit lässt die Kosten im wahrsten Sinne des Wortes durch die Decke schießen. Denn wie Lochbihler den Stadträten erläuterte, seien deshalb auch wesentlich höhere Anforderungen an Statik, Brandschutz, Raumakustik und den baulichen Zustand der Räume zu erfüllen. 

Und um den steht es nicht zum besten, wie Untersuchungen des Gebäudes ergeben hätten. „Die Wände können keinesfalls im jetzigen Zustand bleiben und müssen statisch so ertüchtigt werden, dass eine sichere Abtragung der vorhandenen und zusätzlich entstehenden Lasten gewährleistet ist“, so der Planer.

 Erschwert werde die Situation noch durch erhebliche Auflagen des Denkmalschutzes. So fordere das Denkmalamt unter anderem statt des ursprünglich geplanten Linoleum-Bodens Vollholzdielen mit mindestens 18 Zentimetern Breite. „Das führt natürlich alles zu Mehrkosten“, betonte Lochbihler. 

Angesichts dieser Informationen war sich die Mehrheit der Stadträte schnell einig: „Für die geplante Nutzung ist das das falsche Objekt“, fasste Magnus Peresson (UBL) die Meinungen zusammen. Andreas Ullrich (FWF) befürchtete „das nächste Millionengrab“ und vonseiten der CSU-Fraktion und Dr. Martin Metzger (BfF) wurde sogar der Verkauf der Freybergvilla ins Gespräch gebracht. „Ich möchte den Verkauf des Gebäudes prüfen lassen“, forderte CSU-Vorsitzender Peter Hartung. Denn niemand wisse derzeit, was in den kommenden Jahren noch an Arbeiten und Ausgaben anstehe. 

Metzger schlug ebenfalls den Verkauf des Gebäudes und einen Neubau für die Lebenshilfe vor. Das, so entgegnete Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU), sei aber nicht Aufgabe der Stadt. 

Deckwerth dafür

Auch Neumayer äußerte sich überrascht und zeigte Verständnis für die Reaktionen der Ratsmitglieder: „Wir sind bei den Zahlen auch aus allen Wolken gefallen“, sagte er. Er schränkte zwar ein, dass ein komplett barrierefreier Ausbau des Obergeschosses nicht unbedingt notwendig sei. Bürgermeister Iacob stellte aber die Frage, ob es sinnvoll sei, ein Gebäude für die Lebenshilfe nicht komplett behindertengerecht auszubauen. 

SPD-Stadträtin Ilone Deckwerth sprach sich hingegen für das Projekt aus. „Ich weiß nicht, wo das Problem sein soll, wenn ich die Chance haben, Leuten zu helfen die auf Wohnungssuche sind“, sagte Deckwerth. Hier gehe es um einen sozialen Auftrag der Stadt. Da sei es egal, ob es 35 Jahre dauern werde, bis sich die Ausgaben amortisieren. 

Dopfer warnt

Herbert Dopfer (Füssen Land) erinnerte hingegen an die verschiedenen teuren Beschlüsse des Gremiums in diesem Jahr und stellte die Frage in den Raum, ob die Stadt sich die Investition denn überhaupt leisten könne. „Wir planen und kaufen, ohne dass wir mit dem Haushalt überhaupt schon angefangen haben“, kritisierte er. 

Die Lebenshilfe hat nun allerdings ein Problem: „Wir haben nichts anderes gesucht“, so stellvertretender Vorsitzender Neumayer. Bereits im November 2014 hatte der Stadtrat eine Sanierung der Villa beschlossen, da seinerzeit die Montessorischule dort einziehen wollte. Damals war allerdings geplant, dass in den beiden Obergeschossen lediglich normale Wohnungen eingerichtet werden.

Matthias Matz

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