Von der Revolution zur Restaurierung

100 Jahre Bayerische Schlösserverwaltung: Experten blicken hinter die Kulissen von Schloss Neuschwanstein

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Schlossführer Stefan Krebentitscher erklärt den Besuchern im Thronsaal von Schloss Neuschwanstein die Bedeutung der Wandgemälde und die Bautechnik.
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Schlossführer Stefan Krebentitscher erklärt den Besuchern im Thronsaal von Schloss Neuschwanstein die Bedeutung der Wandgemälde und die Bautechnik.
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Schlossführer Stefan Krebentitscher erklärt den Besuchern im Thronsaal von Schloss Neuschwanstein die Bedeutung der Wandgemälde und die Bautechnik.

Hohenschwangau – Vor 100 Jahren rollte eine Welle der Empörung durch Deutschland: 1918 waren die Menschen kriegsmüde, Aufstände und Revolutionen folgten, bis Deutschland schließlich am 9. November 1918 zur Republik ausgerufen wurde.

Bereits zwei Tage zuvor wurde Bayern zum Freistaat erklärt und König Ludwig III. musste aus München fliehen. Doch wie wirkte sich die Münchner Revolution auf Schloss Neuschwanstein aus? Das wollte am vergangenen Donnerstag die Bayerische Schlösserverwaltung zu ihrem 100. Jubiläum bei der Sonderführung „Von der Revolution zur Restaurierung“ durch das Märchenschloss klären. Um die 50.000 Arbeiter strömten am 7. November 1918 auf die Theresienwiese in München, um für ein sofortiges Kriegsende zu demonstrieren. 

Die Arbeiterparteien und die Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen. „Sie hatten aber keine Umsturz-Absicht“, erklärte Dr. Uwe Schatz, Museumsdirektor der Bayerischen Schlösserverwaltung. Und doch sollte am Ende des Tages die Monarchie in Bayern vorbei sein. Denn eine kleine Gruppe marschierte los und gewann die kriegsmüden Soldaten in der bayerischen Hauptstadt für sich. Zusammen besetzten sie die Behörden. „Es waren wenige Leute mit einem gewaltigen Effekt“, so Schatz. 

Führender Kopf dabei war Kurt Eisner. „Ein Sozialist, nicht Bolschewist“, unterstrich der Museumsdirektor. So kam es zu einem Umsturz mit „demokratischen Verhältnissen.“ Heißt: Die gesamte Verwaltung wurde übernommen, so dass die Infrastruktur erhalten blieb. Die Folge: „Es gab keine Plünderungen in München.“ 

Und auch der König blieb verschont. Ludwig III. unternahm am späten Vormittag gerade seinen üblichen Spaziergang im Hofgarten, als ein bewaffneter Volksarmist auf ihn zukam und erklärte: „Majestät, reisens ab. Wir haben Revolution.“ Der Monarch kehrte daraufhin zur Residenz zurück und flüchtete mit seiner Familie unbehelligt zum Schloss Wildenwart im Chiemgau.

"Völlig unangetastet"

Auf den Land bekamen die Leute dagegen gar nichts von der Revolution mit. Sie erfuhren davon erst aus der Zeitung. Und auch Schloss Neuschwanstein blieb von der Revolution „völlig unangetastet“, so Schatz. So blieb der Schlossdiener Niggl bis in die 1920er Jahre auf Neuschwanstein. Ihm hatte König Ludwig II. am 12. Juli 1886 das Schloss noch mit den Worten anvertraut: „Bewahren Sie diese Räume als ein Heiligtum. Lassen Sie es nicht von der Bevölkerung profanisieren.“ 

Eine ganz andere Revolution hinterließ dagegen deutliche Spuren am Schloss: Die Industrielle Revolution. Neuschwanstein sei „Hightech des 19. Jahrhunderts, versteckt hinter einer mittelalterlichen Maske“, erklärte Schlossführer Stefan Krebentitscher, als er die Gruppe anschließend durch das Schlafzimmer König Ludwigs II., den Thronsaal und den Sängersaal führte. So gab es in Neuschwanstein nicht nur fließend Wasser und eine Zentralheizung, sondern auch ein Telefon, eine elektrische Rufanlage und in der Küche einen vollautomatischen Drehspieß. 

Teure Sanierung

Doch all das hatte seinen Preis. Für seine Schlösser verschuldete sich Ludwig II. so stark, dass es der bayerischen Regierung zu viel wurde. Um den Bauprojekten einen Riegel vorzuschieben, ließ sie 1886 den Monarchen per Ferndiagnose für geisteskrank erklären und ihn entmündigen. Einen Tag nach seiner Verhaftung verstarb Ludwig II. schließlich am Starnberger See. 

Daraufhin stoppten sofort die Arbeiten auf dem Märchenschloss – da waren gerade mal drei der fünf Stockwerke fertiggestellt. Sechs Wochen später besichtigten bereits die ersten Besucher die Räume – entgegen des Wunsch des Königs. Bis zum Ende des Jahres 1886 sollten es 18.000 Gäste werden. „Heute schaffen wir das in zwei Tagen“, erklärte Krebentitscher. Denn mittlerweile tummeln sich jährlich 1,5 Millionen Besucher auf Schloss Neuschwanstein.

Und die hinterlassen ihre Spuren – genau wie die 132 Jahre seit der Erbauung. Das feuchte, alpine Klima macht der Bausubstanz zu schaffen, erklärte Thomas Kieschke vom Staatlichen Bauamt Kempten. UV-Strahlen, schlechte Lagerung und Berührungen der Besucher setzen zudem den Vorhängen und Teppichen zu. Falsche Reinigung über Jahrzehnte griff dagegen die Holzmöbel an. Deshalb wird das Schloss seit 2013 aufwendig saniert. 20,14 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, so Kieschke. Bis 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 

Wie bei der Restaurierung der Wandgemälde vorgegangen wird und was dabei beachtet werden muss, erklärten anschließend Elke Umminger und Armin Schmickl vom gleichnamigen Münchner Büro für Denkmalpflege. „Wir wissen, dass wir den Führungsbetrieb manchmal etwas stören. Aber wir tun das nicht für uns, sondern für Sie und die nächste Generation“, fügte Schmickl hinzu. Und gerade das unter einen Hut zu bekommen, sei die Schwierigkeit an dem Projekt, erklärte Schlossherr Johann Hensel.

kk

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