Wie geht es weiter mit dem Franziskanerkloster?

Zukunft weiter ungewiss

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Debatte um die Weiternutzung des Franziskanerklosters in Reutte mit einem hochkarätigen Diskussions-Forum: Moderator Alois Vahrner (v.l.), Ortsplaner DI Armin Walch und Bürgermeister Alois Oberer.

Reutte – Beinahe vier Jahrhunderte haben die Franziskaner das geistige, kulturelle und gesellschaftliche Leben im Außerferner Bezirkshauptort mitgeprägt. Vor acht Wochen hat sich der Orden endgültig aus Reutte verabschiedet.

Daran hatte auch die Plattform „Rettet das Franziskanerkloster“, gebildet von Gläubigen aus der Reuttener Bevölkerung, nichts ändern können. Versuche andere Kongregationen für eine Ansiedlung zu gewinnen sind gescheitert. Das Kloster ist Geschichte. Mit dem Angebot des Franziskanerordens der Marktgemeinde ein Nutzungs- und Baurecht auf der Liegenschaft mit rund 6700 Quadratmetern einzuräumen, ist man sozusagen in Frieden geschieden. Der nun leer stehende Komplex mit dem Paulusheim und einem Garten von rund 3000 Quadratmetern eröffnet der Marktgemeinde ganz neue Perspektiven. 

Ein Zentrumplatz, der in der Straßensiedlung Reutte schmerzlich vermisst wird, stünde nun zur Verfügung und will genutzt werden. Eine Jahrhundertchance für die städtebauliche Entwicklung der Bezirksmetropole. Die Köpfe der Verantwortlichen, aber auch jene in der Bevölkerung rauchen. Ideen und Nutzungsvorschläge gibt es zuhauf. Von der skurrilen Etablierung eines Kleintierfriedhofs bis hin zum öffentlichen Krautgarten reichen die wohl nicht immer ernst zu nehmenden Vorschläge. Ein jetzt abgehaltenes Forum im komplett gefüllten Saal des „Goldenen Hirschen“ kann als erste Sondierung gelten. 

Auf dem Podium sprachen der Vertreter der Kaufmannschaft, Christian Senn, der neue Pfarrkurator Kuss, Ortsplaner DI Armin Walch, Bürgermeister Alois Oberer und Moderator Alois Vahrner. Von einer „einmaligen Chance“ ein Zentrum zu schaffen, sprach dann auch das Reuttener Gemeindeoberhaupt. „Im Markt wird fleißig diskutiert, Nutzungsvorschläge der Reuttener Bürger werden immer wieder an die Gemeinde herangetragen. Diese gilt es nun zu filtern und auf ihre Machbarkeit, auch im finanziellen Bereich, zu untersuchen“, sagte Oberer. „Schnellschüsse verbieten sich von selbst, ein Ideenwettbewerb könnte durchaus hilfreich sein“, so der Bürgermeister weiter. 

Großes Interesse 

Auch gemeinnützige Wohnbaugesellschaften hätten bereits Interesse am Kloster angemeldet. Die Sanierung und Adaptierung des Riesengebäudes könnte dadurch die finanziellen Möglichkeiten schaffen. Die Planungshoheit und die Nutzungsschwerpunkte müssten aber auf jeden Fall bei der Gemeinde bleiben, war die Vorgabe des Bürgermeisters. Bedenken, dass das denkmalgeschützte Ensemble für neue Aufgaben und Nutzungen nicht zu etablieren sein könnte, zerstreute Ortsplaner Walch. 

Gerade der Denkmalpflege – mit der der Architekt durch seine Arbeit auf Ehrenberg durchaus verbunden ist – sei es wichtig, solche Bauten zeitgemäß zu nutzen um einem Verfall entgegen zu wirken. Er räumt dem größten geschlossenen Baukörper in der Gemeinde gute Chancen ein in Hinkunft ein Zentrum der Begegnungen zu werden. Wie Bürgermeister Oberer warnte auch er vor zu schnellem Vorgehen und war für vielschichtige Überlegungen in viele Richtungen. „Da sind spannende Prozesse im Vorfeld zu erwarten. Am Ende könnte Reutte über ein schon lange gewünschtes Zentrum, das die verschiedensten Bereiche abdeckt, verfügen“, meinte der Ortsplaner. 

Generationsübergreifendes Wohnen im Obergeschoss, besucherintensive Nutzung des Erdgeschosses und der durchaus mögliche Ausbau des Dachgeschosses könnten Möglichkeiten sein, meinte er aus städtebaulicher Sicht. Über steigenden Frequenzen im Markt würde sich die Kaufmannschaft freuen, so Obmann Christian Senn, der durch den Wegfall des Tanktourismus im Markt sinkende Besucherzahlen sieht. Pfarrkurator Gerhard Kuss, als Vertreter des Seelsorgeraumes Reutte und Umgebung, möchte rund um die Pfarrkirche St.Anna Räumlichkeiten zur Verfügung haben, die es ermöglichen durch die neue Konstellation nach dem Abgang der Franziskaner, das religiöse Leben in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. 

Gegen einen Ort der Begegnung, in welcher Form auch immer, sei absolut nichts einzuwenden. Der soziale Aspekt sollte aber bei allen Überlegungen im Vordergrund stehen. Mit Fingerspitzengefühl Einig waren sich zum Schluss die Diskutanten und auch die anwesende Bevölkerung. Es gelte mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. Die Chance, Reutte ein belebtes und attraktives Zentrum mit offenen Grünflächen zu geben, sollte genutzt werden. Abwägungen zwischen wirtschaftlicher Machbarkeit und Nachhaltigkeit und den Wünschen der vielen Interessensgruppen werden getroffen werden müssen. Spannende Prozesse in der Marktgemeinde Reutte sind somit vorprogrammiert. Entscheidungen dürfen nicht leichtfertig getroffen werden, der Zeitfaktor dürfe keine primäre Rolle spielen.

niko

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