"Das Gesamtensemble soll erhalten bleiben"

Kiosk Weißensee: Neubau-Gegner erläutern ihre Gründe

+
Gabriel Guggemos (links) und Christian Schneider setzen sich für den Erhalt des Weißenseer Kiosks am derzeitigen Standort ein.

Füssen – Jetzt wird’s ernst: Am morgigen Sonntag, 22. Juli, sind die Füssener aufgerufen an die Wahlurne zu gehen, um über die Zukunft des Kiosks am Weißensee zu entscheiden – und dabei einen Schlusspunkt in einer langen Diskussion zu setzen, in der zuletzt die Wogen hoch schlugen (der Kreisbote berichtete).

Denn seit rund acht Jahren setzen sich die Weißenseer Vereine hier schon für eine Verbesserung ein. Gespräche mit der Stadt Füssen folgten. So richtig ins Rollen kam das Thema aber erst vergangenen Juli. Allerdings nicht so, wie sich die Weißenseer Vereine das vorgestellt hatten, erklärte Christian Schneider und Gabriel Guggemos, Vertreter des Bürgerbegehrens, im Gespräch mit dem Kreisbote.

 „Das Gesamtensemble soll erhalten bleiben, in welcher Form auch immer“, erklärt der Füssen-Land-Stadtrat Christian Schneider – und zwar am jetzigen Standort. „Wenn ein Neubau kommt – sehr gut, wenn er renoviert wird – gut, ansonsten sind wir auch zufrieden, so wie es jetzt ist“, fasst Schneider die Wünsche der Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt des bestehenden Kioskareals am Weißensee zusammen. Ein Wintergarten, in den man sich auch mal bei Regentagen setzen könnte, wäre allerdings schön, fügt Guggemos hinzu. 

Sahnestück der Stadt

Die Mehrheit des Ortes stehe hinter dieser Forderung, so Schneider. Darunter viele Weißenseer Vereine. Neben der Musikkapelle, der Jugendkapelle, dem Heimat- und Trachtenverein „d´ Falkenstoaner Weißensee“ und der Schützengesellschaft setzen sich auch die Wasserwacht, der Sportverein Weißensee, die Feuerwehr, der Tourismusverein und die Wählergruppe Füssen-Land für den Erhalt ein. 

Denn das Areal am See, insbesondere der Pavillon, ist das Herzstück der Vereinsveranstaltungen während des Sommers. „Alle Outdoor-Veranstaltungen der Weißenseer Vereine finden dort statt. Der Weißensee zieht die Leute an. Da ist immer was los“, erklärt Schneider. „So ein Sahnestück gibt man nicht aus den Händen“, meint Guggemos. 

Um es für die Allgemeinheit zu erhalten, kaufte es vor 50 Jahren die Gemeinde Weißensee. „Wir sind es den alten Leuten schuldig, dass wir darum kämpfen“, so Guggemos. Und den jungen. „Man muss der Jugend eine Chance geben das Gebiet zu erhalten und zu entwickeln.“ Doch dafür müsse es in der Hoheit der Stadt Füssen bleiben. Wenn es, wie von der Stadt Füssen vorgesehen, in Erbbaupacht an einen Investor vergeben werde, der einen Neubau mit Bistro auf der jetzigen Liegewiese errichten möchte, habe die Stadt kein Mitspracherecht mehr – und die Vereine könnten zum Bittsteller werden, so die Befürchtungen. Nach den derzeitigen Plänen soll der Pavillon zwar an seinem bisherigen Platz erhalten bleiben, aber aufgrund eines Anwaltsschreibens zweifelt die IG an der gesetzlichen Rechtmäßigkeit. 

Ruheplatz erhalten

Daneben möchte die IG keinen ganzjährigen Gastronomiebetrieb. „Das ist ein Ruheplatz da draußen“, so Guggemos. Nicht nur für Wasservögel, sondern auch für Einheimische und Gäste. Falls die Stadt das Areal aus der Hand gebe, könnte der Betrieb auch länger als 23 Uhr gehen. Das zu kontrollieren sei schwierig. „Wir wollen keinen Investor an diesem sensiblen Platz“, fasste Schneider zusammen. Aber: „Wir haben nichts gegen eine bestimmte Person. So wie es jetzt hergerichtet ist, so stellen wir es uns vor.“ 

Auch die Kosten, die bei einem Neubau auf die Stadt zukommen könnten, bereitet der IG Sorgen. Sie rechnet mit etwa 65.000 Euro für den Abriss des Kiosks und die Renaturierung des Areals. Dazu kämen nach ihrer Überzeugung noch die Baukosten für öffentliche Toiletten und ihre Erschließung. Insgesamt müsste die Stadt wohl 150.000 bis 200.000 Euro hinblättern, „wenns günstig kommt“, so Schneider. Und das für etwas, „das man eigentlich aus der Hand gibt.“ 

Für die Renovierung der bisherigen öffentlichen Toiletten würden dagegen wohl nur 20.000 Euro anfallen, so Guggemos, dem es auch um die Natur gehe, wie er erklärte. Die Liegewiese für Einheimische und Gäste solle erhalten bleiben. Zumal laut Kartierung die Grenze eines Biotops durch den geplanten Neubau verlaufe – auch wenn das Landratsamt Ostallgäu das anders sehe, so Guggemos. Selbst wenn in der Vergangenheit hier Kies hingeschüttet wurde, sei es noch immer ein Biotop. „Das ist ein Trockenbiotop. Eine Grenze ist eine Grenze“, meint der ehemalige Füssener Stadtrat. 

Daneben müsste auch noch eine Baumreihe für den Neubau gefällt und Betonpfeiler 18 Meter in den Boden geschlagen werden, was unterirdische Wasserquellen zerstören könnte, befürchtet Schneider. 

Bürgerwille zählt nicht

Dass ein Neubau am bisherigen Standort aufgrund der Nähe zum Bach-Biotop nach Bayerischen und Bundes Naturschutzgesetzen nicht möglich ist, wie das Landratsamt Ostallgäu erklärte, sieht die IG nicht als Hinderungsgrund. Schließlich folge die Ach nicht mehr ihrem Naturverlauf, so Schneider. Der Bach wurde vor Jahren verlegt. „Über das hat man mit dem Landratsamt noch nicht gesprochen.” Daneben gebe es zahlreiche Beispiele an anderen Orten, wo sowas trotzdem ging. „Es liegt daran, ob mans will“, ist Schneider überzeugt. 

„Wir hoffen auf einen erfolgreichen Abschluss des Bürgerentscheids. Ich hoffe, dass die Ehrlichkeit und die Fakten, die wahr sind, bei den Leuten wahrgenommen werden”, sagt Schneider. Das Problem sei derzeit, dass die Meinung der Bürger nicht zähle. Solch ein Fall wie jetzt in Weißensee könne seiner Meinung nach auch jederzeit in Hopfen oder im Weidach passieren.

Falls der Bürgerentscheid erfolgreich sei, wolle seine IG „auf die verschiedenen Gruppen zugehen, damit man bespricht, was wir bestmöglich herausholen können“ – und zwar für alle, so Schneider. Guggemos fügt hinzu: „Wir sind ganz klar für ein Miteinander.”

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Stadtfest lockt mit vielfältigem Musikprogramm
Füssener Stadtfest lockt mit vielfältigem Musikprogramm
Viele kommen zum 12. Pfrontener Trachtenmarkt
Viele kommen zum 12. Pfrontener Trachtenmarkt
Wengert bittet SPD Pfronten um Unterstützung
Wengert bittet SPD Pfronten um Unterstützung
Felsbrocken stürzt auf Straße
Felsbrocken stürzt auf Straße

Kommentare