Vortrag über Sisis jüngere Schwester

Ein Leben in Sisis Schatten

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Kenntnisreicher Autor: Der Historiker Christian Sepp bei seinem jüngsten Vortrag über Sophie Charlotte in Bayern.

Schwangau – Während eine Tochter des Herzogs Maximilian und der Herzogin Ludovika in Bayern als spätere Kaiserin von Österreich mit dem Spitznamen Sisi weltberühmt geworden war, gilt deren jüngere Schwester Sophie Charlotte als eher unbekannt.

Wie viele andere Personen in der Geschichte habe sie ein Leben geführt, das total im Schatten berühmter Verwandter oder Bekannter gestanden habe, erklärte Christian Sepp bei seinem jüngsten Vortrag im Palmenhaus im „Museum der bayerischen Könige“ in Hohenschwangau. 

Sophie Charlottes wurde 1847 in Possenhofen bei Starnberg geboren. Ihre etwas im Abseits stehende Existenz, die sie zu einer Art „Nebenfigur der Geschichte“ machte, habe den Historiker und Autor aus München schließlich dazu bewogen, ein Buch über sie zu schreiben. 

Mittlerweile in dritter Auflage erschienen, schildert Sepp in seinem 288 Seiten dicken Buch, das 2014 auf den Markt gekommen ist, „das bewegte Leben der Verlobten König Ludwigs II. von Bayern.

Das demonstrierte er auch in seinem mit zahlreichen Lichtbildern optisch aufgelockerten, gut einstündigen Referat. Dabei erwies er im launigen Plauderton Sophie Charlotte seine Reverenz und brach auch eine Lanze für sie. So gab Sepp zu, dass ihm in erster Linie „ihr Mut begeistert“ habe, mit der die Adelige versucht hatte, sich „gegen die Fremdbestimmung“ aufzulehnen, unter der sie stark gelitten habe.

Seine Ausführungen gliederte Sepp dabei in drei Teile, die die Titel „Die Familie“, „Beinahe eine Königin“ und „Der Ausbruch“ trugen. So präsentierte der Historiker den rund 60 Zuhörern Sophie als eine schon in jungen Jahren „sehr emotionale“ Person, die ziemlich lebenslustig gewesen sei. 

Schwere Schmach

Das habe sich im Laufe ihres späteren Lebens allerdings geändert, nachdem sie 1867 zwar für einige Monate die Verlobte von König Ludwig II. gewesen war, aus der Hochzeit jedoch nichts wurde. Somit habe sie in diesem Jahr „alles verloren“, unterstrich Sepp, der die Entlobung „eine schwere Schmach“ für Sophie nannte. 

Ein Jahr danach wurde sie aber mit dem Herzog von Alençon vermählt, mit dem sie dann in Paris lebte, wo sie die Nachricht von Ludwigs Tod 1886 allerdings „sehr mitgenommen“ habe und sie daraufhin schwer krank wurde. Da Sophie sich daraufhin in ihren sie behandelnden Arzt verliebte und sich von ihrem Mann scheiden lassen wollte, sei sie von diesem sowie ihrem Bruder Karl Theodor zuerst nach Meran gebracht worden, wo Karl Theodor eine Augenklinik betrieb, um sie „zur Räson zu bringen“. 

Nachdem dies jedoch nicht gelang, attestierte man ihr „moral insanity“ (moralischen Wahnsinn) und brachte sie in ein psychiatrisches Sanatorium bei Graz, um sie zu isolieren. Dort sei ihr „Wille gebrochen“ worden, betonte Sepp und berichtete weiter, dass sie so zu ihrem Mann zurückgekehrt und 1897 bei einem Feuer in Paris umgekommen sei.

lex

Das Buch „Sophie Charlotte in Bayern“ von Christian Sepp ist kürzlich in der dritten Auflage im August Dreesbach-Verlag erschienen. Es hat 288 Seiten und kostet 14,80 Euro.

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