Wüst referiert über die Entwicklung des Klosters St. Mang über die Jahrhunderte hinweg

Trunksucht als Wirtschaftsfaktor

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Das Kloster St. Mang im Fokus: Prof. Dr. Wolfgang Wüst bei seinem Vortrag im Colloquium.

Füssen – Mit der Politik des Klosters St. Mang hat sich jetzt Prof. Dr. Wolfgang Wüst befasst.

In seiner einstündigen Ausführung „Kaiser, Fürstbischof und Abt“ hat der Lehrstuhlinhaber für bayerische und fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die wesentlichen Entwicklungen in St. Mang in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht erklärt. 

So durchlebte das Füssener Kloster von seiner Gründung im 9. Jahrhundert über die Säkularisation 1802/03 bis in die jüngere Vergangenheit hinein eine wechselvolle Geschichte. Zum 300-jährigen Jubiläum des Barockklosters St. Mang haben in den vergangenen Monaten mehrere kunst- und kirchengeschichtliche Vorträge im dortigen Colloquium stattgefunden. Musikalisch von Petra Jaumann-Bader begleitet, die mit der Flöte historische Klänge spielte, legte Prof. 

Wüst den ungefähr 50 Zuhörern nicht nur die kirchlich-seelsorgerischen Ursprünge des Klosters dar, die laut ihm auf Missionierungsmaßnahmen durch das Kloster St. Gallen im Bodensee- und Alpenraum zurückgehen. Wüst unterstrich auch, dass es darüber hinaus „kaum historisch überprüfbares Wissen“ gebe, weswegen viele Informationen „nur aus späterer Überlieferung“ stammten. 

Während die Missionierungsarbeiten von St. Gallen aus „auch von den Augsburger Bischöfen unterstützt wurden“, sei das Füssener Kloster indes schon früh in einen Loyalitätskonflikt zwischen der Steuer- und Herrschaftsschuldigkeit gegenüber dem Hochstift Augsburg und dem Bestreben geraten, „nach dem Vorbild anderer Benediktinerabteien reichsunmittelbar zu werden und nur den Kaiser als weltliches Oberhaupt im Klosterland anzuerkennen“, erklärte Wüst. 

Während dieser Konflikt das wirtschaftliche, kulturelle und politische Dasein des Klosters bis zur Säkularisation beherrscht habe, sei die Reichsfreiheit „von der wirtschaftlichen Prosperität abhängig“ gewesen, erklärte Wüst. Dabei streute er auch immer wieder recht launige Kommentare in sein Referat, wie beispielsweise, als er etwa anmerkte, dass „die Trunksucht“ aufgrund der Steuern ein großer Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg gewesen sei. 

Bemerkenswerter Bibliotheksbau

Da Füssen nach Wüsts Worten „immer offen für Einflüsse von außen“ gewesen sei, habe das künstlerische und wissenschaftliche Leben in St. Mang noch ungefähr bis zur Säkularisation geblüht. Dann fiel St. Mang zunächst dem Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein und später dem bayerischen Kammerherrn Christoph Friedrich Freiherr von Ponickau zu, betonte der Referent, bevor er schließlich noch kurz auf die Geschichte des barocken Bibliotheksbaus von St. Mang einging. Dieser gilt laut Wüst „als einer der bemerkenswertesten in der süddeutschen Kloster- und Stiftslandschaft“. Am Ende gab es sowohl für Wüst als auch Jaumann-Bader viel Applaus. 

lex

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