Historikerin Birgit Kata referiert über Hexenglaube im Allgäu und Außerfern

Sündenbock für Missernten

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Die Kemptener Historikerin Birgit Kata spricht über Hexen im Allgäu.

Füssen – Über Hexenglaube, Verfolgung und Hexenprozesse im Allgäu und Außerfern informierte jetzt Historikerin Birgit Kata im Kolpinghaus Füssen.

Nur sechs Männer saßen in der großen Publikumsschar im Kolpinghaus Füssen. Dass auch Männer in der „späten Neuzeit“ Opfer des Pöbels geworden sind, ist weniger bekannt. Das holte die Historikerin aus Kempten am Beispiel der Tiroler „Zauberjackl“ nach. Im Außerfern lag der Anteil der hingerichteten „Hexer“ bei fast 50 Prozent. 

Elisabeth Wintergerst, die als Autorin selbst geschichtliche Ereignisse unter die Lupe nimmt, stellte Kata vor, spannte ihren Bogen bis in die heutige Zeit und wies auf „die Gedenkfeier für die Opfer von Verfolgung und Diskriminierung“ nach Vortrag und Diskussion hin. Die Idee dazu stammte von Ulrike Aicher. 

So stellten sich in der späten Neuzeit viele Hexen vor: Frauen, die Tiere und andere Gegenstände in ihren Kochtopf werfen.

Kata begann ihren Vortrag mit typischen Hexenbildern. „Ein Kennzeichen ist der spitze Hut.“ Solche Darstellungen als Holzschnitt oder Grafiken der Popkultur stimmten die Zuhörer in recht unterhaltsamer Form auf den Hauptteil ein. Dieser führte nicht etwa, wie man vermuten konnte, zurück ins Mittealter. 

Historisch korrekt, unterstrich Kata, dass es die Zeit vom Ende des 15. bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war, als hauptsächlich Frauen beschuldigt wurden, Hexerei zu treiben. Solche Denunziationen führten zu Gerichtsverfahren, die nach einem Geständnis mit der Todesstrafe endeten. 

Pakt mit dem Teufel

Etwa von der Mitte der zweiten Hälfte des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts erreichten diese Hinrichtungen nach Urteil der Obrigkeit ihren traurigen Höhepunkt. Als Ursachen für die Prozesse bezeichnete Kata den Verdacht, dass „Missernten durch Unwetter Folge von Hexerei sind“. Die Bauern im Schongau glaubten beispielsweise fest daran, dass Frauen aus der Dorfgemeinschaft einen Pakt mit dem Teufel schlossen, um Böses zu tun, unterstrich die Referentin. 

Geständnisse wurden, so Kata, häufig durch Folter erpresst. Im Allgäu fanden in dieser Zeitspanne 150 Hexenprozesse statt, erklärte die Referentin. „In Tirol waren es 240“. War das Urteil nach meist langen, kostspieligen Prozessen gesprochen, verrichtete der Scharfrichter und Hexenfinder Jörg Abriel – „der mit seinem Tross angereist war“ – das tödliche Handwerk. 

Mit Hilfe von Karten stellte Kata den Regionalbezug her. Ihr Vortrag war gespickt mit Zahlen, ließ jedoch, was von manchen Zuhörern bemängelt wurde, die christlichen Kirchen außen vor. War es in der Tat nur Aberglauben, der brave Bauern in Not dazu führte, dafür gleich nebenan einen Sündenbock zu suchen? Davon geht Kata aus. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass die Macht der Kirche – hier der Dorfpfarrer auf der Kanzel – einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, unliebsame Mitmenschen auszugrenzen.

Chris Friedrich

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