"Dezentralität wird zu wenig verstanden"

Sie verteidigten das Sparkassenwesen im Zuge der Bankenregulierung nach „Basel III“: Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon (Mitte), der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Allgäu, Dr. Ulrich Netzer (links), und Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu. ps

Füssen – Um die neue Bankenregulierung „Basel III“ und wie die Sparkasse damit fertig wird – Darum ging es in einer Pressekonferenz am Montag in Füssen mit dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, und hochrangigen Vertretern der Sparkasse Allgäu. 

„Basel III“ passe vielleicht auf börsennotierte Privatbanken, nicht aber auf die Deutschen Sparkassen, so die Quintessenz. In Brüssel fehle das Verständnis für das System Sparkasse, das viele Länder gar nicht mehr kennen, sich in Deutschland aber bewährt habe. Höheres Eigenkapital und eine so genannte „Leverage-Ratio“, die eine Überschuldung der Banken verhindern soll, gehören unter anderem zum Maßnahmen-Katalog von „Basel III“, erläuterte Fahrenschon. Für zentralisierte, private Banken mag das gut sein, nicht aber für die 418 eigenständigen Deutschen Sparkassen. 

„Der Gedanke der Dezentralität wird zu wenig verstanden“, monierte der Sparkassenpräsident mit Blick auf Brüssel. Es gebe kein „One-size-fits-all“, die Blaupause der internationalen Aufsicht passe nicht auf die Sparkassen. „Man darf die nationale Bankenaufsicht nicht vernachlässigen“, so der ehemalige Bayerische Finanzminister. 

Ein bisschen neidisch blickte Fahrenschon auf Amerika, wo „Basel III“ nur auf die größten Banken angewendet werde, nicht auf die rund 5000 kleinen „Community Banks“. „Die Solidarität zwischen den einzelnen Sparkassen sorgt für die Sicherung jedes einzelnen Euros“ warb er für das System Sparkasse. 

Das Prinzip der „Solidarität und Subsidiarität“ hob der Kemptener OB Dr. Ulrich Netzer hervor, der, wie er versicherte, lediglich als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Allgäu und nicht etwa als designierter bayerischer Sparkassenpräsident anwesend war. Als Beispiel nannte er die über 1600 Beherbergungsbetriebe die „hochinvestiv“ seien, also viele Kredite benötigen. 

Zusammen mit Fahrenschon hob er die Bedeutung der Sparkassen als Kreditgeber für den Mittelstand hervor. Mit den Genossenschaftlichen decken sie 96 Prozent der Mittelstandskredite ab. Das habe auch für Stabilität in der Wirtschaftskrise gesorgt. 

„Die ganzen Diskussion haben Spuren beim Kunden hinterlassen“, berichtete der für das Firmenkundengeschäft der Sparkasse Allgäu verantwortliche Vorstand Manfred Kreisle. „Früher gingen wir raus zum Kunden und fragten wie es ihm geht – heute fragt der Kunde, wie es uns geht“. Die Eigenkapitalquote der Sparkasse Allgäu liege auf einem sehr hohen Niveau, beruhigte Georg Fahrenschon. Es gelte nun bei der laufenden Regulierungsdebatte in Brüssel darauf achtzugeben, „dass wir nicht unter die Räder kommen“. ps

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