Nach der Festnahme eines Schleusers bei Füssen

Staatsanwaltschaft Kempten und Bundespolizei sprengen internationale Schleuserorganisation

Polizist legt Mann Handschellen an
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Rund 400 Beamte der Bundespolizei durchsuchen derzeit zahlreiche Objekte in verschiedenen Bundesländern. Dabei wird gegen 19 verdächtige Ausländer ermittelt.

Kempten/Füssen -Seit den frühen Morgenstunden vollstreckt die Bundespolizei eigenen Angaben zufolge im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kempten in Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle gegen international agierende Schlepper. Dabei sind in Berlin, Salzgitter, Twistringen bei Bremen, Osnabrück, Hamm, Duisburg, Wuppertal und Marburg mehr als 400 Beamte im Einsatz. Ausgangspunkt der Aktion ist Füssen.

Im Hintergrund stehen aufwendige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten in Zusammenarbeit mit der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München, nach denen die Bande seit mindestens April 2019 Schleusungen über die sogenannte „Balkanroute“ organisierte und ausführte.

Zurzeit werden den 19 Beschuldigten, bei denen es sich um syrische, libanesische und lybische Staatsangehörige im Alter zwischen 21 und 44 Jahren handelt, mindestens 23 Fälle des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern vorgeworfen. Gegen Zahlung hoher Geldbeträge sollen dabei mutmaßlich 140 Personen, überwiegend syrische Asylmigranten, mittels Kleintransportern und PKW geschleust worden sein.

Dabei gingen die Täter nach Einschätzung der Ermittler überaus planvoll und sehr professionell vor: Tatorte wurden umfangreich aufgeklärt, es kam zum Einsatz von sogenannten „Scouts“, also vorausfahrenden Fahrzeugen zur Meldung von Polizeikontrollen, sowie den eigentlichen Grenzübertritten oftmals zu Fuß in geschütztem Gelände. Der Bandenchef koordinierte die Schleuser dabei regelmäßig minutiös via Smartphone aus sicherer Entfernung.

Auf die Schliche kam die Bundespolizei den Schleppern im August 2019 nach der Festnahme eines Schleuserfahrers der Bande auf frischer Tat auf der BAB 7 bei Füssen. Die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Kempten zur Bekämpfung der internationalen Schleuserkriminalität („Traunsteiner Modell“) führte die anschließenden Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Ermittlungsbehörden in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden sowie in Belgien. Zudem wurden die Ermittlungen durch Europol unterstützt.

Dadurch konnte der Kopf der Schleuserbande bereits im Dezember in Österreich festgenommen werden, dessen Auslieferung aus Österreich angestrebt wird. 

Anhand der Ergebnisse der umfangreichen Ermittlungen erließ das Amtsgericht Kempten nun gegen die weiteren Bandenmitglieder unter anderem elf Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Haftbefehle. Bei dem heutigen Großeinsatz, an dem nach Auskunft von Staatsanwaltschaft und Bundespolizei auch Kollegen des österreichischen Bundeskriminalamtes teilnehmen, gelang bisher die Vollstreckung von fünf Untersuchungshaftbefehlen sowie die Sicherstellung von umfangreichem Beweismaterial, darunter insbesondere der bei der Tatausführung genutzten Smartphones.

Letztere werden nun durch die speziell auf die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Bereich von Schleusungsdelikten ausgerichtete und dafür ausgestattete Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München ausgewertet.

Die Ermittlungen dauern an, aufgrund der laufenden polizeilichen Maßnahmen können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.

kb

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