Forggensee: Verfahren zieht sich hin 

Heuer wohl kein Kiesabbau im Forggensee

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Damit ein Beschluss im Planfeststellungsverfahren für den künftigen Kiesabbau im Forggensee fallen kann, fehlt nur noch das Fahrtrecht der Stadt Füssen über ihr Grundstück. Das möchte die Stadt in einem Auswahlverfahren vergeben, für das sie derzeit einen Kriterienkatalog erstellt

Füssen – Die Stadt Füssen macht jetzt ernst beim Kiesabbau im Forggensee.

Nachdem die Füssener Stadträte im vergangenen November die geplante Vergabe an zwei Arbeitsgemeinschaften (ARGE) kritisiert hatten (der Kreisbote berichtete), ist die Füssener Stadtverwaltung derzeit dabei, einen Kriterienkatalog für das Überfahrtsrecht eines städtischen Grundstücks zum Forggensee zu erarbeiten, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage des Kreisbote bestätigte. Dadurch zieht sich jedoch das ganze Planfeststellungsverfahren weiter in die Länge. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass heuer noch Kies im Forggensee abgebaut werden kann. 

Derzeit ist das Wasserwirtschaftsamt Kempten und das Landratsamt Ostallgäu dabei für den Kiesabbau im Forggensee den Weg für die kommenden zehn Jahre frei zu machen (der Kreisbote berichtete mehrfach). In den vergangenen Monaten kämpften deshalb zwei Arbeitsgemeinschaften um den Zuschlag. Neben den Bauunternehmen, die bisher den Kies aus dem Forggensee entnommen haben ( Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG, die Goldhofer GmbH & Co. KG, die Heinz Herr GmbH und die Josef Scheibel GmbH & Co. KG), möchte jetzt auch eine zweite ARGE zum Zug kommen. 

Mit der Hubert Schmid Bauunternehmen GmbH, der Xaver Schmid GmbH & Co. Bauunternehmen KG, der Brutscher GmbH & Co. KG und der Mazzolini GmbH & Co. KG setzt sie sich aber vor allem aus Firmen aus dem Marktoberdorfer Raum zusammen. Und genau das kritisierten die Stadträte in ihrer Novembersitzung. Sie befürchteten unter anderem weite Transportwege und einen doppelt so schnellen Ressourcenabbau, falls zwei ARGEN zum Zug kommen. 

Deshalb wurde die Füssener Stadtverwaltung jetzt aktiv. Denn die Lechstadt hält bei dem gesamten Vergabeverfahren einen Trumpf in der Hand: Ihr gehört das Grundstück über das die Lkws in den See fahren. Und für das Vergabeverfahren muss für jedes beteiligte Unternehmen die Zufahrt zur B16 dauerhaft gesichert sein, wie das Landratsamt Ostallgäu auf Nachfrage des Kreisbote bestätigte. 

Umweltschutz im Blick

„Bei der Einräumung solcher Rechte gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz, eine differenzierte Behandlung einzelner Unternehmen setzt sachliche Gründe voraus“, erklärte Thomas Brandl, Pressesprecher des Landratsamts Ostallgäu. Und genau das versucht die Lechstadt nun zu erreichen. „Die Stadt hält sich bei den Kriterien weitgehend an Zielsetzungen, die schon im Regionalplan enthalten sind. 

Welche Firmen bzw. Unternehmen diese Kriterien dann am ehesten erfüllen, wird das Auswahlverfahren ergeben“, informierte Felix Blersch, Pressesprecher der Stadt Füssen. „Ziel der Stadt Füssen ist besonders, die Überfahrtsrechte nach ökologischen Gesichtspunkten zu vergeben.“ Deshalb werde sie im Kriterienkatalog unter anderem die Belastungen durch Verkehr, Lärm, Schmutz, Emissionen, die ortsnahe Versorgung und die Nachhaltigkeit des Kiesabbaus im Blick haben. 

Vermutlich in der kommenden Sitzung des Stadtrats, am Dienstag, 26. März, sollen die Räte über den Katalog beraten. Segnen sie ihn ab, steht im nächsten Schritt das Auswahlverfahren, die Bestellung der Dienstbarkeiten und der Erlass des Planfeststellungsbeschlusses an. Da das alles aber dauert, geht die Stadt Füssen derzeit nicht davon aus, dass heuer noch Kies aus dem Forggensee abtransportiert werden kann. 

Nur Fahrtrecht fehlt

Denn auch die natürlichen Begebenheiten stehen heuer schlecht für den Kiesabbau. „Schließlich wurde der Forggensee dieses Jahr nicht so weit abgestaut, wie sonst üblich. Hinzu kommt, dass auf Grund der Schneemengen in den Bergen und den milden Temperaturen mit viel Schmelzwasser zu rechnen ist“, sagte Blersch.

 So eindeutig wollte sich das Landratsamt dagegen nicht äußern. Ob die Lkws heuer noch in den Forggensee rollen können, hänge davon ab, wann die Stadt Füssen die Fahrtrechte einräumt – und ob eine der beteiligten Firmen gerichtlich dagegen vorgeht, so Brandl. „Die Verfahren sind entscheidungsreif.“

 Für den Planfeststellungsbeschluss wartet das Landratsamt derzeit nur noch auf die Entscheidung der Stadt Füssen. Doch wie schätzt eigentlich ein Betroffener die Lage ein? 

„Ich gehe nicht davon aus, dass 2019 Kies aus dem See entnommen wird“, sagte Thomas Scheibel, Geschäftsführer der Josef Scheibel GmbH & Co. KG auf Anfrage des Kreisbote. Dennoch steht er dem Weg, den der Füssener Stadtrat eingeschlagen hat, positiv gegenüber. „Als Allgäuer Bauunternehmen spielt der Umweltgedanke bei uns eine große Rolle. Wir legen größten Wert auf kurze Wege unserer Rohstoffe. So kommt unser Zement aus Vils und unser Kies ausschließlich seit 1954 aus dem Füssener Forggensee. Bei der Kiesentnahme war uns und unseren ARGE-Partnern immer wichtig, dass diese wichtige Ressource nachhaltig und mit Augenmaß entnommen wird.“

Da dieser Rohstoff zunehmend zum knappen Gut werde, könne er und seine ARGE-Partner nicht nachvollziehen, dass der Kies im vergangenen Jahr bis hinter Kempten transportiert wurde. „Das ist weder ökologisch noch nachhaltig und schon gar nicht langfristig gedacht“, so Scheibel. Ist die Ressource Kies im Forggensee aufgebraucht, müsse sie über weite Strecken in die Lechstadt transportiert werden. Neben einer enormen Umweltbelastung wäre auch eine Explosion der Baupreise die Folge, so der Unternehmer. „Ich bin froh, dass der Füssener Stadtrat das Problem erkannt hat.“

Katharina Knoll

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