Sanierung Grund- und Mittelschule: Schulleiter erarbeiten pädagogisches Konzept

Die Schule der Zukunft

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Wolfgang Steurer, Schulleiter an der Grundschule Füssen-Schwangau, spricht über die Schule der Zukunft.

Füssen – Wie sollen ihre Schulen in Zukunft ausschauen? Dieser Frage haben sich Wolfgang Steurer, Schulleiter an der Grundschule Füssen-Schwangau, und Elmar Schmitt, Rektor der Anton-Sturm-Mittelschule Füssen, gestellt.

Denn beide Schulgebäude sind in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard an Grund- und Mittelschulen. Doch das soll sich ändern. Erste Schritte dafür haben die beiden Schulleiter bereits unternommen. 

Eine gemeinsame Aula, eine Dreifachturnhalle und eine Mensa: Seit rund einem Jahr sind Steurer und Schmitt dabei zu ermitteln, was ihre Schulen brauchen, um für die Zukunft gerüstet zu sind. Dieses pädagogische Konzept sei die Grundvoraussetzung, um bei der Sanierung der beiden Schulen voranzukommen, erklärt Andreas Linder von der Füssener Stadtverwaltung. Und die ist bitter nötig. Denn beide Schulen sind in die Jahre gekommen. 

So entspricht weder der Schallschutz noch die Elektrik dem heutigen Standard, erklärt Linder. „Die Beleuchtung ist teilweise nicht ausreichend.“ Außerdem gab es öfters Rohrbrüche aufgrund alter Wasser- und Heizungsleitungen. Daneben könnten die Schulen mit Hilfe der heutigen Technik wirtschaftlicher betrieben werden. 

Neue Pädagogik

Das Fazit: Es herrscht ein Sanierungsstau. Bei den Berechnungen reifte jedoch die Überlegung: Wenn man schon viel Geld ausgebe, dann möchte man aber auch für die kommenden 30, 40 Jahre gerüstet sein, so Linder. Doch die Pädagogik ist heute eine ganz andere als in den sechziger Jahren, als die Schulen erbaut wurden. „Wir haben jetzt klassische Flurklassenzimmer“, erklärt Linder. Mittlerweile gehe die Pädagogik allerdings in Richtung offene Klassenzimmer und selbst gesteuertes Lernen. 

Die Mittelschule in Füssen wurde 1968 erbaut. Die Grundschule steht hier schon seit 1954. Beide Gebäude sind in die Jahre gekommen und müssen saniert werden.

Das bestätigt Rektor Schmitt. Die Zeiten seien vorbei, in denen der Lehrer vor der Klasse doziert habe. Heute werde der Lehrer als Koordinator verstanden. „Schüler halten sich heute mehr und länger in den Schulen auf“, fügt Linder hinzu. „Sie sollen sich dementsprechend heimisch fühlen.“ 

Und hier kommen die beiden Schulleiter ins Spiel. Zusammen mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und Vertretern der Stadtverwaltung schauten sie sich vier neu gebaute Schulen in Kaufbeuren, Augsburg und Lindau an und sammelten Ideen, berichtet Steurer. Danach ging es um den eigenen Bedarf und darum Synergieeffekte zu schaffen, um Geld zu sparen. 

So könnten sich beide Schulen beispielsweise eine Mensa teilen. Die 150 Grundschulschüler der Mittagsbetreuung essen derzeit in den Räumen des AWO-Kinderhorts, erklärt Steurer. „Wir essen in Schichten.“ Auch die Räume der Ganztagsbetreuung könnten sich die Schulen teilen. Änderungsbedarf gebe es zudem bei den Turnhallen. Derzeit teilen sich die Schulen zwei große Hallen und einen kleinen Gymnastikraum. „Es gibt Probleme den Sportunterricht im Stundenplan zeitlich unterzubringen“, erklärt Schmitt. Zudem seien die Sporthallen sanierungsbedürftig und hätten keinen barrierefreien Zugang. 

Zwar gibt es noch eine kleine Gymnastikhalle, in der die Grundschüler trainieren. Die stamme jedoch noch aus den Anfängen der Schulen, so Schmitt. „Die Gymnastikhalle ist eigentlich eine Zumutung.“ Sie sei nicht dafür geeignet dort Sportunterricht zu halten, „wie man sich den heute vorstellt“, so der Rektor der Mittelschule. „Wenn es nach mir ginge, würde man eine Dreifachturnhalle bauen.“ Digital aufrüsten Gleicher Ansicht ist Steurer. „Besser drei gleichwertige Turnhallen, als eine wegen der Raumgröße kaum nutzbare Halle“, so der Leiter der Grundschule. Daneben wünschen sich die Schulleiter eine gemeinsame Aula, wo Lehrer beispielsweise Eltern informieren können. Solche Infoabende müssen bisher in Klassenzimmern über die Bühne gehen, erklärt Steurer. 

Auch das Thema Digitalisierung spiele bei der Schule der Zukunft eine wichtige Rolle. Derzeit gebe es in den Klassenzimmern keine Beamer. Das pädagogische Konzept sehe deshalb Dokumentenkameras, Beamer und Laptops in jedem Klassenzimmer vor. Daneben sei neues Mobiliar und mehrere Tafeln auf Gleitsystemen gewünscht, so Steurer. Allgemein gehe es um flexible und offene Klassenzimmer, wo beispielsweise auch einmal im Stehen unterrichtet werden könne, sagt Schmitt. Aber: „Das ist alles noch am Anfang.“ Fix ist dabei noch nichts. 

Planungen laufen

Das pädagogische Konzept liegt mittlerweile der Füssener Stadtverwaltung vor, informiert Linder. Deren grobe Berechnungen gehen derzeit von Sanierungskosten von rund zehn Millionen Euro aus. Zwischenzeitlich wurde das Büro „f64 architekten“ beauftragt, den Bestand zu erfassen und eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Die Architekten seien momentan dabei die Fläche aufzunehmen, zu prüfen, wie man das pädagogische Konzept unterbringen und wie man die Sanierung im laufenden Betrieb umsetzen könne, erklärt Linder. Dabei will man auch Lehrer und Eltern mit ins Boot holen und Förderanträge stellen. „Das soll bis zur Jahresmitte geklärt werden.“ 

Anschließend werden die Pläne dem Stadtrat vorgestellt. Ein Wettbewerb und ein Vergabeverfahren werden wohl folgen, so Linder. Bis man dann zu bauen anfangen könne, werden aber wohl noch drei bis vier Jahre vergehen. Das ist auch dem Leiter der Grundschule Füssen-Schwangau bewusst. „Wichtig ist die Nachricht: Es wird was getan“, sagt Steurer.

Katharina Knoll

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