»Das kann auf Dauer kein Zustand sein«

Stadt Füssen will Radweg entlang der Hopfener Uferstraße bauen

Fahrradfahrer in Hpfen am See
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Aufgrund der Corona-Pandemie waren heuer besonders viele Fahrradfahrer auf der Uferpromenade in Hopfen unterwegs – obwohl es sich hier um einen Gehweg handelt. Um das Problem zu lösen, will die Stadt einen separaten Radweg anlegen.

Füssen – Wenn die Sonne auf den Hopfensee scheint, zieht es nicht nur Urlauber, sondern auch viele Wanderer und Radler an die Riviera des Allgäus. Und das führt an der Uferpromenande nicht nur zu Konflikten, sondern auch zu gefährlichen Situationen. Das will die Stadtverwaltung jetzt jedoch ändern. Künftig sollen zwei Parkplätze am Ortsein- und Ausgang Autos schon vor Hopfen abfangen. Außerdem möchte die Stadt die Parkplätze im Ort drehen und einen Fahrradweg entlang der Uferstraße anlegen. Für die nötigen Vorbereitungen hat am Dienstag der Stadtrat mehrheitlich grünes Licht gegeben. 

Was für viele seit langem klar ist, haben nun auch Verkehrszählungen bestätigt: An der Uferstraße in Hopfen ist im Sommer einiges los. So waren hier an einem Freitag Anfang September innerhalb von einer Stunde jeweils 500 Fahrradfahrer und Autofahrer unterwegs. Und viele der Radler nutzten die Uferpromenade, obwohl das ein Geh- und kein Radweg ist, informierte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) am Dienstag die Stadträte.

Deshalb möchte er entlang der Uferstraße einen Fahrradweg anlegen und die bestehenden Querparkplätze im Ort um 90 Grad drehen und zu Längsparkplätzen machen. Dadurch würden zwar 50 Prozent der innenliegenden Parkplätze wegfallen, die Autofahrer müssten dann aber nicht mehr rückwärts auf die Straße fahren, was zur Gefahr gerade für Fahrradfahrer werden kann. Diese Parkplätze sollen künftig nur noch Hotelgästen, Besucher der örtlichen Gastronomie und Behinderten zur Verfügung stehen.

Wenn wir das jetzt  machen, wird es für uns  sicherlich teurer.

Peter Hartl, Hauptamtsleiter

Alle anderen sollen ihre Fahrzeuge auf den geplanten Auffangparkplätzen vor und hinter der Ortschaft abstellen. Auf diese Weise möchte die Stadtverwaltung den Parksuchverkehr aus dem Ort herausbringen. Mit den Eigentümern der Flächen, die dafür in Frage kommen, steht die Stadtverwaltung bereits in Verhandlungen.

Speziell was den Radweg angeht, winken der Stadt hohe Fördergelder. So könnte der Freistaat Bayern diesen über sein Radwege-Bauprogramm komplett finanzieren. Die Stadt müsste dann nur für den Unterhalt aufkommen, informierte die Stadtverwaltung. Es gibt allerdings ein Problem: Die Mittel im aktuell laufenden Straßen- bzw. Radwegeprogramm 2020 bis 2024 sind bereits komplett ausgeschöpft. Möchte die Stadt darin aufgenommen werden, müsste sie auf das Radwegeprogramm 2025 warten – und könnte den Radweg in Hopfen erst in fünf bis sechs Jahren bauen. Und: „Wir wissen nicht, wie das Förderprogramm 2025 ausgestaltet wird“, ergänzte Hauptamtsleiter Peter Hartl.

Eine andere Möglichkeit ist, dass die Stadt den Weg selbst baut und vom Freistaat entsprechende Zuwendungen von ca. 60 Prozent erhält. Dazu müsste die Stadt aber auch die Planungen und die nötigen Untersuchungen beauftragen. „Wenn wir das jetzt machen, wird es für uns sicherlich teurer“, so Hartl. Allerdings könnte die Stadt dann schon im kommenden Jahr den Umbau und die Auffangplätze komplett planen, sich die Grundstücke sichern und 2022 mit dem Bau beginnen.

Um aber überhaupt in die erste Planungsphase und die weiteren Grundstücksverhandlungen gehen zu können, wollte sich Eichstetter nun einen Grundsatzbeschluss vom Stadtrat holen.

Grundsätzlich begrüßten die Räte zwar, dass für die Fahrradfahrer etwas getan wird, doch Christine Fröhlich (FWF) und die SPD-Fraktion monierten die Vorgehensweise. Angesichts der angespannten Finanzlage der Lechstadt wollte Fröhlich lieber auf das Förderprogramm 2025 des Freistaates warten.

Kritik kommt aus der SPD

Für die SPD-Fraktion waren dagegen noch zu viele Dinge unklar. Solange die Pläne mit den Gastronomiebetrieben nicht abgesprochen sind, „kann ich da nicht positiv mitgehen“, erklärte Erich Nieberle (SPD). Sonst bleibe die Stadt womöglich auf Millionenkosten sitzen, die sie nicht stemmen kann. Ginge es nach ihm, würde die Stadt die Straße als verkehrsberuhigten Bereich ausweisen und den Rest so belassen wie es ist.

Ins gleiche Horn stieß auch seine Fraktionskollegin Ilona Deckwerth. Ihrer Ansicht nach sollte die Stadt erst die Grundstücksverhandlungen für die Auffangparkplätze abwarten, bevor sie Geld für Planungsarbeiten ausgibt. In der Zwischenzeit sollte der städtische Ordnungsdienst verstärkt das Fahrradfahren auf Gehwegen überwachen. „Die verkehrspolitische Planung trennt nicht Radler von Autos“, fügte sie hinzu. Untersuchungen hätten ergeben, dass eine gemeinsame Verkehrsfläche aller Beteiligten die sicherste Form der Verkehrsführung sei. „Warum lässt man das nicht so?“

Wir haben da  ein richtiges Problem.

Simon Hartung, CSU-Stadtrat

Ganz anders beurteilten jedoch die beiden Hopfener Hoteliers Simon und Peter Hartung (beide CSU) die Situation. „Wir haben da ein richtiges Problem“, sagte Simon Hartung. An der Uferstraße herrsche ein starker Parkplatzsuchverkehr. Gäste, die mittags ein Restaurant an der Uferstraße besuchen wollen, finden keinen Parkplatz, weil die schon die Tagesausflügler belegen. Außerdem sei es bereits zu schweren Unfällen zwischen Autos und Fahrradfahrer gekommen. „Der Druck bei den Anwohnern ist massiv“, fügte er hinzu. Deshalb bat er zumindest in die Planung zu gehen, um das Problem anpacken zu können. Das unterstrich auch Peter Hartung. Wer es nicht glaube, könne selbst rausfahren, um zu sehen „welcher Krieg da geführt wird auf den Gehwegen“, meinte Peter Hartung. „Das kann auf Dauer kein Zustand sein.“

Kein verkehrsberuhigter Bereich möglich

Der Stadtverwaltung gehe es derzeit nur darum, Angebote für die Planung einzuholen, die sie anschließend dem Stadtrat vorlegen wird, informierte Eichstetter. „Wir werden die Zustimmung der Fischerhütte (für den Radweg – Anmerk. Der Red.) erst bekommen, wenn wir eine konkrete Planung haben“, ergänzte Hartl. Der Eigentümer wäre laut Eichstetter jedoch grundsätzlich an einer Lösung des Problems interessiert. Die Uferstraße in einen verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln sei zwar die günstigste Lösung, so der Hauptamtsleiter. Weil es sich aber um eine Ortsdurchfahrt handelt, sei das nach Auskunft des Staatlichen Bauamts Kempten nicht möglich.

Am Ende sprachen sich die Stadträte bei drei Gegenstimmen von Fröhlich, Deckwerth und Nieberle dafür aus, das Problem wie vorgestellt anzupacken. Die Verwaltung soll prüfen, ob auch ein Shuttle-Bus zu einer zusätzlichen Entlastung führen kann. Außerdem soll sie Angebote für die Planung eines separaten Radwegs einholen und vorlegen.

kk

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