"Eine Lösung wäre möglich"

Füssen: Ohne Ausgleichsflächen kein Fun- und Skatepark

+
Für die Fläche, die für den neuen Fun- und Skatepark im Weidach herangezogen wird, hätte die Stadt Ausgleichsflächen berechnen müssen. Weil sie das bislang nicht gemacht hat, verweigert das Landratsamt die Baugenehmigung.

Füssen – Eigentlich sollten bereits im September die ersten Skater im neuen Fun- und Skatepark im Weidach Runden drehen und ihre Tricks zeigen. Doch mittlerweile sind die Verantwortlichen im Rathaus schon froh, wenn bis Herbst überhaupt die Bagger angerollt sind.

Denn weil die Stadtverwaltung bislang noch keine Ausgleichsflächen für das Bauvorhaben nachgewiesen bzw. noch nicht einmal berechnen lassen hat, verweigert das Landratsamt Ostallgäu die Baugenehmigung. Und diese Ausgleichsflächen zu finden, könnte weitaus komplizierter werden als gedacht – denn das „Öko-Konto“ der Stadt ist leer. Damit wackelt der gesamte Zeitplan für das Projekt. 

Über einen Monat ist der symbolische erste Spatenstich für die neue Freizeitanlage im Weidach an der B17 nun her, Eröffnung sollte im Herbst sein, hieß es seinerzeit. Passiert ist seitdem auf der Baustelle allerdings nichts. „Wir können die Arbeiten nicht ausschreiben, solange wir keine Baugenehmigung haben“, erklärt Felix Blersch, Presssprecher der Stadt. 

Dafür rumort es hinter den Kulissen umso mehr. Vor allem zwischen städtischer Bauverwaltung und dem Landratsamt in Marktoberdorf werden derzeit Verhandlungen geführt. „Eine Frage der kommunikativen Lösung“, beschreibt Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer die peinliche Situation.

Der Grund für den Schlamassel ist, dass die Bauverwaltung bei ihrem Antrag auf Baugenehmigung weder einen Nachweis für Ausgleichsflächen noch zumindest eine Berechnung für diese mit eingereicht hat. Eine solche wäre aber notwendig gewesen, da das Vorhaben im Außenbereich liegt. Und ein Eingriff dieser Größenordnung in die Natur muss gemäß Kompensationsverordnung durch eine Ausgleichsfläche abgegolten werden. 

Dass eine solche Berechnung für die Genehmigung des Vorhaben erfolgen muss, war dem mit den Planungen beauftragten externen Planungsbüro anscheinend jedoch nicht bekannt. Außerdem war man bislang im Rathaus der Auffassung, dass die Fläche im Weidach keine naturschutzfachlich erkennbar hohe Bedeutung habe. 

Wie Angeringer gegenüber dem Kreisbote erklärte, sei die Benachrichtigung darüber durch die Untere Naturschutzbehörde zudem erst zwei Wochen vor dem Spatenstich erfolgt. Weil die Berechnung dieser Flächen aber eine komplexe Angelegenheit und „innerhalb weniger Tage nicht möglich“ sei, so der Amtsleiter, konnten Planungsbüro und Stadt letztlich nicht mehr rechtzeitig liefern. 

Da man in der Verwaltung zu diesem Zeitpunkt anfing zu ahnen, dass es Probleme mit der pünktlichen Baugenehmigung und damit dem gesamten Zeitplan geben könnte, handelte Angeringer mit dem zuständigen Sachbearbeiter im Landratsamt eigenen Angaben zufolge einen Kompromiss aus. Dieser sah demnach vor, dass die Kreisbehörde die Genehmigung unter der Auflage erteilt, dass die Stadt Berechnungen und Nachweis der Ausgleichsflächen innerhalb einer bestimmten Frist nachreicht. „Darauf haben wir uns verlassen und haben damit gerechnet, dass uns die Baugenehmigung erteilt wird“, sagte Angeringer. „Aus unserer Sicht hatten wir uns auf eine Lösung geeinigt!“ 

Nur ein Missverständnis?

Tatsächlich gab es eine entsprechende Absprache mit dem Landratsamt: „Es ist zutreffend, dass über eine Auflage mit Fristsetzung in der Baugenehmigung die Beibringung einer Ausgleichsfläche geregelt wird“, bestätigte Gudrun Hummel, Abteilungsleiterin Bauen am Landratsamt, auf Nachfrage unserer Zeitung. Ab hier gehen die Meinungen dann aber auseinander.

Nach Darstellung Hummels sei die Grundlage für diesen Kompromiss „eine Eingriffsbilanzierung und Berechnung des Ausgleichs nach der Bayerischen Kompensationsverordnung durch eine entsprechende Planung“ gewesen, die aber immer noch nicht erfolgt sei. Armin Angeringer sagt hingegen: „Unserer Sicht der Dinge ist, dass die Berechnung nach der Baugenehmigung erfolgt“, betonte er. Nun solle im Gespräch mit Hummel eine Lösung gefunden werden. 

Der ursprüngliche Zeitplan wird aber ohnehin wohl nicht mehr einzuhalten sein. Denn allein die Berechnung der Ausgleichsflächen wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Zunächst muss aber ein Planungsbüro gefunden werden, das die Berechnungen vornimmt. Die Ausschreibungen sollen nun erfolgen. Wie schnell das aber alles über die Bühne gehen kann, ist derzeit angesichts der hohen Auslastung dieser Büros ungewiss. 

Öko-Konto ist leer

Dazu kommt ein weiteres Problem: das sogenannte Öko-Konto der Stadt ist leer. Auf einem solchen Öko-Konto werden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dokumentiert und können in einen Flächenpool eingetragen werden. Die Flächen stehen dann bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft für Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung. Wie Angeringer erläuterte, werde aber schon seit geraumer Zeit an einer Lösung gearbeitet. „Ein Landschaftsplanungsbüro arbeitet bereits an einem neuen Konto“, sagte er. Allerdings sei die Thematik komplex. „Wir sprechen über einen großen Katalog von Flächen.“ 

Schwierige Suche

Erschwert wird die Suche noch durch weitere Faktoren: zum einen seien viele der infrage kommenden Flächen in Privatbesitz. Zum anderen seien fast alle geeigneten städtischen Grundstücke langfristig verpachtet. „Das ist alles mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden“, erläuterte Angeringer. Aus Sicht des Bauamtsleiters ist eine Lösung dennoch möglich: es gebe sogenannte projektierte Flächen, die im Vorgriff auf das neue Öko-Konto herausgelöst werden könnten. 

Oder anders formuliert: Wissend, dass der Arbeitgeber Anfang des nächsten Monats das Gehalt überweist, tätigt der Arbeitnehmer bereits Ende des laufenden Monats eine größere Investition. „Eine Lösung wäre also tatsächlich möglich“, so Angeringer.

Auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ist zuversichtlich, dass im September mit den Arbeiten begonnen werden kann, ließ er seinen Sprecher Blersch ausrichten.

Matthias Matz

Auch interessant

Meistgelesen

Sting und Shaggy sorgen für Partystimmung am Forggensee
Sting und Shaggy sorgen für Partystimmung am Forggensee
Füssen stimmt für Weißenseer Kiosk 
Füssen stimmt für Weißenseer Kiosk 
Vermeintlicher Streit um Frau endet mit Tritten gegen den Kopf
Vermeintlicher Streit um Frau endet mit Tritten gegen den Kopf
Mountainbiker nach 50-Meter-Sturz in Tobel schwer verletzt
Mountainbiker nach 50-Meter-Sturz in Tobel schwer verletzt

Kommentare