Bericht: "Erhebliche Mängel"

Füssener Kindergarten "Sternschnuppe" hat massive Probleme mit dem Brandschutz

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Im evangelischen Kindergarten „Sternschnuppe“ muss massiv beim Brandschutz nachgebessert werden.

Füssen – Erst St. Gabriel im Westen, jetzt „Sternschnuppe“ im Venetianerwinkel: Die Stadt muss erneut massiv beim Brandschutz in einem ihrer Kindergärten nachbessern.

Das gab Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstagabend im Stadtrat bekannt. Wie bereits in St. Gabriel dürfen auch in der evangelischen „Sternschnuppe“ zwei Räume nicht mehr genutzt werden, bis die Mängel beseitigt sind. „Wir stehen dringend unter Handlungszwang“, so der Rathauschef. 

Mit seiner extravagante Architektur sollte der Kindergarten „Sternschnuppe“ Anfang der 2000er Jahre eine Besonderheit unter den Füssener Kindergärten darstellen. Zwar gab es von Anfang an Kritik an der fehlenden Funktion des Gebäudes, doch letztlich setzten sich die Befürworter durch. „Das war grandios schlecht und von Anfang an nicht gut geplant“, erinnerte Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) am Dienstagabend. „Aber man wollte es unbedingt als Leuchtturm.“ 

Fast 20 Jahre später scheinen die Kritiker von damals Recht zu behalten. „Beim Kindergarten Sternschnuppe wurden erhebliche Mängel beim Brandschutz festgestellt“, heißt es lapidar in der Sitzungsvorlage. Doch was dann aufgeführt wird, hat es durchaus in sich. 

So stellte das Füssener Bauamt bei einer Überprüfung des Gebäudes – dessen Dachgeschoss 2007 für die Aufnahme einer Kinderkrippe ausgebaut und der Innenhof mit einer Glaskuppel geschlossen worden war – fest, dass massive Mängel beim Brandschutz vorliegen. So liegt unter anderem die Treppe ins Obergeschoss (OG) brandschutztechnisch ungeschützt vor der Glasfassade, Erdgeschoss (EG) und OG sind brandschutztechnisch nicht getrennt, der Schlafraum im OG hat keine Fenster ins Freie und keinen unabhängigen Rettungsweg, der Mehrzweckraum im OG hat keinen zweiten Rettungsweg und eine nachträglich installierte Lüftungsanlage führt komplett ohne Brandschutzvorkehrungen durch das gesamte Geschoss inklusive Heizraum. 

Räume gesperrt

Experten von Landratsamt und Regierung von Schwaben, die hinzugezogen werden mussten, weil das Gebäude Abweichungen von der seinerzeit genehmigten Planung aufwies – also in Teilen ein Schwarzbau ist –, hätten die Mängel mittlerweile bestätigt. Schlaf- und Mehrzweckraum dürfen seitdem nicht mehr genutzt werden, berichtete Bürgermeister Iacob. 

Deshalb müssen nun schnellstmöglich in einem ersten Schritt ein zweiter Rettungsweg für den Mehrzweckraum außerhalb des geschlossenen Innenhofs in Form einer weiteren Außentreppe oder eines Stegs zur bereits vorhandenen Außentreppe installiert werden. Außerdem muss in einem zweiten Bauabschnitt eine zusätzliche Dachgaupe unmittelbar am Schlafraum plus einem zweiten Rettungsweg in den Garten errichtet werden. 

Darüber hinaus fordern die Brandschutz-Fachleute den Einbau einer Alarmanlage mit automatischen Rauchmeldern.„Diese Maßnahmen müssen wir noch heuer umsetzen, um die notwendigen Kindergartenplätze nachweisen zu können“, betonte Bürgermeister Iacob. 50.000 Euro seien dafür bereits für den ersten Bauabschnitt bereitgestellt. 

"Sicherheit geht vor!"

Dr. Martin Metzger (BfF) wunderte sich, dass laut Sitzungsvorlage beim Antrag auf Ausbau des Dachgeschosses 2007 offenbar kein Brandschutznachweis (BSN) mitgeliefert wurde, der Ausbau aber dennoch genehmigt wurde. 

Ein solcher BSN ist aber grundsätzlich bei genehmigungsbedürftigen Baumaßnahme nötig, wie ein Sprecher des Landratsamtes auf Nachfrage des Kreisbote erklärte. Warum aber der Ausbau vor über zehn Jahren ohne BSN eine Genehmigung erhielt, sei unklar. Grundsätzlich sei das Vorgehen der Stadt im vorliegenden Fall aber lobenswert. „Sicherheit und Gesetz gehen vor!“, sagte Stefan Leonhart vom Landratsamt in Marktoberdorf. Sollte die Stadt die geforderten Maßnahmen umsetzen, sei von einer Genehmigung durch das Landratsamt auszugehen. 

Bürgermeister Iacob erklärte Metzger, dass sich die Brandschutzvorgaben in den vergangenen Jahren immer wieder verschärft hätten. Deshalb überprüfe die Stadt, ob die Kindergärten den aktuellen entsprechen würden. „Es geht darum, den neuen Brandschutzverordnungen gerecht zu werden“, sagte er. 

Erst im Frühjahr hatte der Kreisbote öffentlich gemacht, dass auch der katholische Kindergarten St. Gabriel im Füssener Westen Mängel beim Brandschutz aufweist und das Landratsamt deswegen die Nutzung mindestens eines Raumes untersagt hatte. Auch hier muss die Stadt für mehrere zehntausend Euro nachbessern.

mm

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