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Stadtentwicklung: Füssener Stadtrat will einen Handlungsleitfaden für das Stadtmarketing ausarbeiten

Fußgängerzone von Füssen
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Wie könnte ein Stadtmarketing für Füssen aussehen? Um diese Frage zu beantworten, soll jetzt ein Handlungsleitfaden ausgearbeitet werden.
  • vonSelma Höfer
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Füssen – Auf Wunsch der Grünen soll ein Klimaschutzmanager die Kommune in eine CO²-neutrale Zukunft führen. In der vergangenen Woche diskutierte der Stadtrat über die Schaffung einer entsprechenden Stelle. Doch nicht der Antrag der Grünen stand dabei im Fokus. Vielmehr stellte sich das Gremium die Frage, wie das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung der Stadt personell umgesetzt werden soll. 

Hintergrund des Grünen-Antrags ist das Ziel der Staatsregierung, Bayern bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen. „Nur mit einem starken und beständigen Engagement vor Ort wird es möglich sein, Bayern bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen“, heißt es in ihrem Schreiben (der Kreisbote berichtete).

Ein Klimaschutzmanager könne nach Überzeugung der Grünen dabei wichtige Arbeit leisten. „Die Kosten einer solchen Stelle könnten zum weit überwiegenden Teil über Förderprogramme aus der Kommunalrichtlinie Klimaschutz refinanziert werden“, schreiben sie in ihrem Gesuch. Bis 31. Dezember seien Zuschüsse von 80 bis 100 Prozent möglich. Eine ideale Kosten-Nutzen-Berechnung, so Grünen-Stadtrat Wolfgang Bader, da die Stadt von einem solchen Berater profitiere, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen.

Seitens der Verwaltung wird diese Anregung zwar grundsätzlich begrüßt. Da diese Aufgabenstellung allerdings viele Schnittstellen zur Stadtentwicklung und zum Stadtmarketing biete, sei es sinnvoll, diese gegebenenfalls in den Stadtentwicklungsprozess zu integrieren. Es gehe darum zu definieren, „was dann kommt“, so Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU).

100 Prozent Förderung

Hauptamtsleiter Peter Hartl erinnerte daran, dass die Stadt bereits in der Vergangenheit versucht habe, einen Stadtmarketingprozess zu initiieren. Ein Stadtentwickler sollte dem Marketing der Kommune auf die Sprünge helfen. Auf die Stellenausschreibung gingen 15 Bewerbungen ein, drei der Kandidaten erhielten eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Vorstellungen fanden vor dem Haupt-, Finanz- und Personalausschuss, ergänzt um Vertreter der Werbegemeinschaft Füssen, des Bundes der Selbständigen, Füssen Tourismus und Marketing (FTM) und dem Personalrat, statt. Doch nicht einer der Bewerber konnte überzeugen (der Kreisbote berichtete). Bei der künftigen Organisation und dem Aufgabenbereich des sogenannten Citymarketing, gelte es nun, sich darauf „zu fokussieren, welche Aufgaben bei uns Priorität haben“, betonte Hartl.

Ein Klimaschutzmanager würde, befristet auf maximal drei Jahre, sogar bis zu 100 Prozent vom Freistaat gefördert, bestätigte der Hauptamtsleiter Baders Aussage. Die Stadt habe sich auch bereits mit dem Landkreis beraten. Denn im Landratsamt gibt es bereits einen solchen Klimaschutzmanager. „Betätigungsfelder hätten wir zur Genüge. Und viele dieser Tätigkeitsfelder spielen in die Stadtentwicklung rein“, erklärte der Hauptamtsleiter. Ein Beispiel sei das Mobilitätskonzept und ein Klimaschutzprojekt, aber auch der ÖPNV. Es gebe viele Themen und Handlungsfelder, die in der Stadtentwicklung passieren und unbedingt mit dem Thema Klimaschutz kombinierbar wären.

Die Reaktionen im Gremium auf den Antrag der Grünen fielen indes gemischt aus. „Müssen wir denn jetzt alles wieder von Neuem aufrollen?“, erinnerte Dr. Anni Derday (FWF) an die bisherigen Bemühungen. „Wollen wir einen Stadtentwickler, einen Citymanager oder einen Klimaschutzmanager?“, fragte sie. „Das sind dreierlei Sachen, die nicht in einer Person fassbar sind.“ Genau darum gehe es bei diesem Beschluss. Es müsse nun erarbeitet werden, wo die Schwerpunkte liegen, erwiderte Hartl.

Workshops kommen

Dass der Prozess unter dem Aspekt der Stadtentwicklung zu betrachten sei, fand Ilona Deckwerth von der SPD dagegen begrüßenswert. Sollte allerdings ein Klimaschutzmanager eingestellt werden, dürfe „der Stadtrat nicht von seiner Pflicht entbunden werden, dem Klimaschutz nachzukommen“. Simon Hartung (CSU) wies darauf hin: „Es geht heute nur darum, diesen Prozess anzustoßen.“ Dem stimmte Bürgermeister Eichstetter zu. In Workshops sollen die entsprechenden Themen nun zunächst besprochen werden.

Die Mehrheit der Stadträte beauftragte die Verwaltung, gemeinsam mit den Fraktionen, der Verwaltung, FTM und der Privatwirtschaft einen Handlungsleitfaden zu erarbeiten. Entsprechend den lokalen Herausforderungen sollen darin die Ziele und Aufgaben eines zukünftigen Stadtmarketings individuell für die Stadt herausgearbeitet und definiert werden. Integriert werden sollen dabei – dem Antrag der Grünen entsprechend – die künftigen Herausforderungen hinsichtlich des Klimaschutzes.

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