"Das sind die Letzten, die noch da sind"

Neue Sortimentsverteilung im V-Markt: Regierung von Schwaben soll Antrag bewerten

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Ob der V-Markt künftig so sein Sortiment verteilen darf, wie gewünscht, soll jetzt erst einmal die Regierung von Schwaben bewerten.

Füssen – Wie wirkt sich die neue Verkaufsflächenverteilung des V-Markts in der Kemptener Straße auf die Geschäfte in der Innenstadt aus?

Mit dieser Frage haben sich die Stadträte am Dienstag in der Sitzung des Bauausschusses beschäftigt. Nachdem das Handwerkersortiment in den neuen V-Baumarkt in der Hiebelerstraße umgezogen ist, wurden in dem V-Markt 2300 Quadratmeter frei, die nun neu verteilt werden sollen. Doch dabei hatte so mancher Stadtrat Bedenken. 

Der Neubau des V-Baumarkts in der Hiebelerstraße brachte auch Veränderungen für den V-Markt in der Kemptener Straße mit sich: Durch die Auslagerung des Handwerkersortiments wurden Flächen frei, die zum Teil für den Getränkemarkt genutzt werden sollen, den das Unternehmen ursprünglich in einem angrenzenden Neubau unterbringen wollte. Außerdem will die Firma die Gänge verbreitern und die Waren zeitgemäß präsentieren, um den Markt kundenfreundlicher zu gestalten. Daneben ist auch eine Neuverteilung des derzeitigen Sortiments vorgesehen. Bestimmten Bereichen sollen mehr Quadratmeter zugeschlagen werden. 

Doch damit hatten die Stadträte bereits in der Bauausschusssitzung im Juni so ihre Probleme. Sie befürchteten, dass sich die Erweiterung negativ auf den Handel in der Innenstadt auswirken könnte. Deshalb beschlossen sie, dass bei der Neuverteilung das entsprechende Sortiment nicht erweitert werden soll (der Kreisbote berichtete). Jetzt hat das Unternehmen eine neuen Antrag eingereicht. Die Einteilung sei zwar verbessert worden, sie entspreche allerdings noch immer nicht ganz den Vorgaben des Bebauungsplans (B-Plan), erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. 

Einen besonderen Augenmerk legte er dabei auf die Bereiche Drogerie (280 Quadratmeter; ein Plus von 59 Quadratmeter im Vergleich zum B-Plan), Textil (543 Quadratmeter; ein Plus von 48 Quadratmeter), Schuhe (285 Quadratmeter; ein Plus von 13 Quadratmeter) und Metzgerei (56,43 Quadratmeter; ein Plus von 36,43 Quadratmeter). Vor allem die ersten drei seien sogenannte zentrenrelevante Sortimente, was man bei der Entscheidung berücksichtigen müsse. 

Insgesamt läge die Gesamtgröße des Marktes von rund 6917 Quadratmeter aber deutlich unter den Vorgaben des B-Plans (8117 Quadratmeter). Deshalb empfahl er erst eine Beurteilung durch die Regierung von Schwaben zu der Einteilung der Verkaufsfläche einzuholen, bevor das Gremium eine endgültige Entscheidung treffe. „Grundsätzlich ist eine qualitative Verbesserung in Ordnung. Die Größenfestlegung und die Bestückelung soll die Regierung machen“, meinte auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Innenstadt schützen

„Wir müssen die Innenstadtrelevanz schon ernst nehmen“, appellierte Dr. Anni Derday (FWF). Mit den Jahren seien die Vorgaben hierfür immer weiter aufgeweicht worden. So sprach sie sich in den Bereichen Textil, Drogerie und Schuhe für keine Erweiterung aus, „weil das wirklich der Innenstadt schadet.“ Gleicher Meinung war ihr Fraktionskollege Jürgen Doser (FWF). „Das sind die Letzten die noch da sind (in der Innenstadt – Anmerk. d. Red.). Die muss man schützen.“ 

Zwar sei der V-Markt wichtig für Füssen, „aber irgendwann ist nicht mehr drin.“ Das Drogerie-Segment soll schließlich um 20 Prozent und die Metzgerei sogar um 50 Prozent erweitert werden. Daneben müsse sich die Stadt irgendwann für ein Innenstadtkonzept entscheiden und dieses dann auch strikt einhalten. 

Darin gab ihm Rathauschef Iacob „absolut recht.“ Im Rahmen vom Städtebaulichen Entwicklungskonzept „ISEK“ wurden Betroffene befragt. Die Ergebnisse werde die Stadtverwaltung in naher Zukunft im Stadtrat vorstellen. Dieser müsse sich dann fragen: „Wo wollen wir hin? Wie soll die Stadt übermorgen ausschauen?“ Das sei eine große Chance für die Stadt, so Iacob. 

Gleichzeitig dürfe sie aber auch andere Chancen nicht vergeben. „Als Mittelzentrum haben wir eine andere Funktion. Wir versorgen mit dem Geschäft eine Region. Die Innenstadt ist ganz wichtig. Aber es gibt Bereiche, die können in der Innenstadt nicht bedient werden“, sagte der Rathauschef. Der Grund: „Der Kunde hat das nicht mehr nachgefragt.“ 

Unproblematische Fassade

„Die Innenstadt ist ein wichtiger Punkt“, pflichtete ihm Heinz Hipp (CSU) bei. Nur: „Wer hat gesagt, dass das Sortiment beispielsweise in der Drogerie mehr wird?“ Das werde nur auf einer größeren Fläche verkauft. Der V-Markt gehe nach dem Markt. Und den bestimme der Kunde. „Der geht dahin, wo es am attraktivsten ist. Wir können den Markt nicht erziehen.“ Doch ob der V-Markt wirklich nur die Verkaufsfläche vergrößere, um seine Produkte besser zu präsentieren, könne die Stadt nicht regeln, warf der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Schaffrath (SPD) ein. „Das können wir nicht nachprüfen.“ 

Deshalb stellte das Gremium einstimmig den Antrag zurück. Zuerst soll die Regierung von Schwaben dazu Stellung nehmen. Das Ergebnis werde die Stadtverwaltung dann mit dem Bauherrn besprechen und anschließend werde der Ausschuss noch einmal darüber diskutieren, kündigte Iacob an. Keine Probleme hatte das Gremium dagegen mit der neuen Gestaltung der Fassade. Diese sei „eher eine optische Verbesserung“, sagte Angeringer. Was die Werbeanlagen angehe, da sei man derzeit noch im Gespräch.

Katharina Knoll

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