Eine verträgliche Lösung

Stadtrat beschließt Sanierung der Stauanlagen am Eschacher Weiher

Satellitenbild vom Eschacher Weiher bei Füssen
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Um die Sicherheit der Stauanlagen an den Eschacher Weihern gewährleisten zu können, muss die Stadt Füssen diese sanieren. Die Reparaturarbeiten, für die sich jetzt der Füssener Stadtrat ausgesprochen hat, werden etwa 221.500 Euro kosten.

Füssen – Weil die Stauanlagen an den Eschacher Weihern nicht so standsicher sind wie sie eigentlich sein sollten, hat sich der Füssener Stadtrat jetzt für eine Sanierung ausgesprochen. Um die Weiher weiterhin bewirtschaften zu können, entschieden sie sich für die zweitgünstigste Variante, deren Baukosten sich aber dennoch auf etwa 221.500 Euro belaufen werden. Dafür kann die Stadt aber Förderungen beantragen. 

Die Untersuchungen der Experten haben ergeben, dass der große Eschacher Weiher bei einem Hochwasser mit einer 500-jährlichen und 5000-jährlichen Lastfall überströmt wird. Auch wenn das für den Laien ein sehr unwahrscheinliches Szenario zu sein scheint, für die Fachstellen heißt das: Die Gesamtstandsicherheit kann nicht nachgewiesen werden. „Der Damm ist zu niedrig, nicht breit genug und in der Substanz nicht standfest“, erklärte Thomas Konter vom Ingenieurbüro Mooser aus Kaufbeuren. Besser schaut es beim kleinen Eschacher Weiher aus. Dessen Gesamtstandsicherheit sei mit einer nur kleinen Einschränkung nachgewiesen. So sei er im „Lastfall 5000-jährlich“ nicht ausreichend sicher gegen ein Überströmen. Deshalb ergibt sich hier nach Ansicht des Wasserwirtschaftsamtes Kempten ein mittleres Gefährdungspotential. Sein Fazit lautet: Der große Weiher müsse aus hydraulischer und geotechnischer Sicht saniert, der kleine Weiher entsprechend nachgebessert werden.

Zuständig dafür ist die Stadt Füssen. Denn als Eigentümerin ist sie für die Gefährdung, die von der Anlage ausgeht, und deren Zustand verantwortlich. Um den Damm sicherer zu machen, hat das Ingenieurbüro sechs verschiedene Varianten erarbeitet. Die zweitgünstigste Version favorisierte dabei die Stadtverwaltung. Diese senke den Bemessungswasserspiegel durch eine breitere Hochwasserentlastungsanlage bei beiden Weihern ab. Durch eine flachere und rauere Dammneigung auf der Wasserseite des großen Eschacher Weihers könne der erforderliche Freibord, der Abstand vom Wasserspiegel zur Dammoberkante, verringert werde. Durch diese Kombination ergebe sich eine wesentlich geringere Dammhöhe als bei der ersten Variante, wodurch die Teiche weiterhin bewirtschaftet werden könnten. Günstiger wäre nur die Teiche nicht mehr zu nutzen und die Dämme zu öffnen, so dass der Bach durch die alten Teiche fließen könne. Aber: „Wir haben dann keine Wasserfläche mehr“, erklärte Konter.

Problem wird verlagert

Aus naturschutzfachlicher Sicht sei das für die vorhandene Flora und Fauna problematisch, weil sie auf den aktuellen Teichwasserspiegel eingestellt sind. Auch das Landschaftsbild würde beeinträchtigt. Und: „Wir verlagern das Problem auf staatliche Seite zur Straße hin.“ Denn bei Hochwasser müsste der Straßendamm der Staatsstraße 2008 das Wasser oder sogar Schlammlawinen zurückhalten.

Weil hier bautechnisch relativ wenig gemacht werden müsste, belaufen sich die Kosten auf nur ca. 40.500 Euro, während die Variante zwei etwa 221.500 Euro kosten wird. Die Sanierung der Dammanlagen sei allerdings förderfähig, informierte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Das Wasserwirtschaftsamt könnte die Baukosten zu 50 Prozent fördern. Die Planungsleistungen könnten zu pauschal 15 Prozent unterstützt werden. „Aber dafür müssen wir Gas geben, weil wir im Oktober noch die Anträge stellen müssen“, erklärte der Rathauschef. „Wie sehen das die Fischer? Können sie mit der Variante zwei mitgehen?“, fragte Ilona Deckwerth (SPD). Man hätte das mit ihnen vor Ort diskutiert, informierte Konter. Für den Hochwasserschutz und die Bewirtschaftung wäre Variante drei die beste Lösung. Diese sieht vor, den großen Eschacher Weiher wie in der Variante zwei umzubauen und zusätzlich den Hochwasserablauf aus dem großen Weiher über ein Umlaufgerinne am kleinen Weiher vorbeizuführen. Das würde aber über 100.000 Euro mehr kosten als die von der Stadtverwaltung bevorzugte Lösung. „Die Variante zwei steht der Bewirtschaftung nicht im Weg. Ich denke, aus Sicht der Fischerei ist das eine verträgliche Lösung“, so Konter.

Stadt muss handeln

Ob diese teure Sanierung überhaupt so dringend nötig ist, fragte sich dagegen Simon Hartung (CSU). „Ich sehe da nicht eine akute Gefahr.“ „Das Wasserwirtschaftsamt sieht das anders“, so der Experte. Und die Stadt müsse jetzt reagieren, weil das von Amtswegen festgestellt wurde. Schließlich sei sie als Betreiber in der Haftung, falls etwas passiere. Vor diesem Hintergrund sprach sich der Stadtrat bei einer Gegenstimme von Simon Hartung für Variante zwei aus. Die Stadtverwaltung soll jetzt zunächst die Arbeiten ausschreiben und das Unternehmen mit dem wirtschaftlichsten Angebot beauftragen. Die Auftragsvergabe wird dann im Stadtrat bekannt gegeben.

kk

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