Umstrittenes Bauprojekt in Bad Faulenbach

Bitte eine Nummer kleiner

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Hier Am Anger 1 in Bad Faulenbach soll ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Mit einem Bebauungsplan wollen Bauamt und Stadtrat verhindern, dass es so groß wie geplant entsteht.

Füssen – Aufatmen in Bad Faulenbach: Einstimmig hat sich der Stadtrat am Dienstag für eine deutliche Reduzierung des umstrittenen Bauvorhabens Am Anger 1 ausgesprochen.

Erreicht werden soll dieses Ziel mit der Aufstellung eines konkreten Bebauungsplans und der Verlängerung der geltenden Veränderungssperre um ein weiteres Jahr. Ob dieses Konzept aufgeht, hängt freilich auch vom Landratsamt Ostallgäu ab. Dort wollte sich die Bauverwaltung bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht äußern, da die Beschlüsse vom Dienstag im Wortlaut noch nicht bekannt seien. 

Mit der Entscheidung vom Dienstagabend folgte das Stadtparlament einem fraktionsübergreifenden Eilantrag (der Kreisbote berichtete). Der Beschluss sieht erneut die Aufstellung eines sogenannten qualifizierten Bebauungsplans (B-Plan) vor, der auf Anraten einer Münchner Anwaltskanzlei nun deutlich konkreter als bisher möglichen Umfang und Größe des geplanten Mehrfamilienhauses Am Anger 1 festlegt. „Das sind Eckpunkte, die wir für maximal möglich halten“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Demnach darf das geplante Gebäude von Bauherr Michael Baron Vielhauer von Hohenau maximal 35 Meter lang und 17 Meter breit gebaut werden. Die Grundfläche wird auf höchstens 600 Quadratmeter beschränkt, die Zahl der Wohnungen auf maximal 15. Die Höhe soll drei Geschosse plus ein Dachgeschoss nicht überschreiten, wobei das Dachgeschoss nicht zum Vollgeschoss ausgebaut werden darf. 

Außerdem soll die Staffelung der Gebäude durch einen horizontalen Versatz um mindestens zwei Meter verstärkt werden. Die vertikale Staffelung darf auf Anregung von Dr. Anni Derday (Freie Wähler) nur durch einen eingeschossigen Verbindungsbau erfolgen. Die Zahl der umstrittenen Besucherparkplätze wird von 12 auf fünf reduziert und Zweitwohnungen auf Drängen von Dr. Martin Metzger (BfF) ausgeschlossen.

Darüber hinaus behalten sich Verwaltung und Politik weitere Festsetzungen für das nun folgende Aufstellungsverfahren vor. Im Zuge des Verfahrens soll auf Anraten von Stadtrat Metzger außerdem ein Verkehrsgutachten klären, ob der Ortsteil Bad Faulenbach das Projekt verkehrlich überhaupt verträgt. „Bad Faulenbach ist ein Naherholungsgebiet“, sagte Metzger. „Wir können da nicht ungebremst neu bauen. Dann bekommen wir dort einen Verkehrskollaps.“ 

Mit diesen Beschlüssen reagierten die Stadträte auf die Ankündigung des Landratsamtes Ostallgäu, das geplante Mehrfamilienhaus mit einer Länge von fast 45 Metern, bis zu sechs Geschossen und 20 Wohneinheiten womöglich zu genehmigen, weil es die Stadt in den vergangenen zwei Jahren versäumt hatte, trotz gültiger Beschlüsse und einer Veränderungssperre einen B-Plan für das Areal aufzustellen. „Das kann man auch als Verhinderungsplanung bewerten“, so Gudrun Hummel, Leiterin der Bauverwaltung am Landratsamt. 

Landratsamt überrascht die Stadtverwaltung

In der Füssener Bauverwaltung wundert man sich hingegen über die Ankündigung der Kreisbehörde, das Bauvorhaben trotz geltender Veränderungssperre womöglich doch zu genehmigen. „Dies ist eine völlig ungewöhnliche und überraschende Vorgehensweise. Sie führt im Ergebnis dazu, dass die kommunale Planungshoheit in ihren Grundsätzen in Frage gestellt wird“, so Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer in seiner Stellungnahme. Angesichts des engen Zeitfensters demonstrierten die Stadträte Geschlossenheit und fassten den Beschluss ohne weitere Diskussion.

Lediglich CSU-Stadtrat Dr. Christoph Böhm wunderte sich, warum trotz gültiger Beschlüsse bislang kein B-Plan aufgestellt und vor allem warum der Stadtrat so lange über die nicht erfolgte Umsetzung der Beschlüsse im Unklaren gelassen worden sei. „Warum wurden wir nicht informiert?“

Bürgermeister Iacob erklärte, dass die Verwaltung in der Vergangenheit über mehrere Monate immer wieder mit dem Bauwerber das Gespräch gesucht habe. „Diese Gespräche haben nur bestimmte Eckpunkte ergeben, mit denen wir nicht zufrieden waren.“ Daraufhin habe sich der Bauherr schließlich überraschend direkt an das Landratsamt gewandt und die Stadt damit offenbar überrumpelt. „Wir haben in einer gewissen Großzügigkeit auf den Bauwerber gewartet“, so Iacob. 

Außerdem habe man sich auf die geltende Veränderungssperre verlassen und nicht damit gerechnet, dass das Marktoberdorfer Landratsamt eine Ausnahme von dieser in Betracht ziehen könnte.

Sozialwohnungen werden abgelehnt 

Mehrheitlich lehnten die Ratsmitglieder außerdem einen Antrag von SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth ab, die einen Anteil an Sozialen Wohnungen in dem Neubau in Höhe von 15 Prozent im B-Plan festschreiben wollte. Das sei ein zu starker Eingriff ins Privateigentum, war die Meinung der Mehrheit im Stadtparlament. 

In Bad Faulenbach – wo die Anwohner bis zur Stadtratssitzung am Dienstag 478 Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt haben – sind die Nachbarn „etwas erleichtert“ über die Entscheidung des Stadtrats, wie es Tina Allgaier von der IG Bad Faulenbach formuliert. „Insgesamt erscheint uns das Projekt nach diesen Festsetzungen verträglicher für das Faulenbacher Tal geworden zu sein“, so die IG-Vorsitzende am Donnerstag gegenüber dem Kreisbote.

 Dass das Gremium einstimmig entschieden hat, lasse erkennen, dass auch die Stadträte die Schutzbedürftigkeit des Tals und seine Funktion als Naherholungsgebiet und Ort der Ruhe und Erholung für Touristen und Einheimische anerkennen würden. „Jetzt muss die Stadtverwaltung schnell handeln und den Beschluss umgehend umsetzen“, so IG-Vorsitzende Allgaier weiter und wiederholte ihre Forderung nach einem Bebauungsplan für den gesamten Ortsteil Bad Faulenbach. „Die Stadtverwaltung muss sich nun hinter die in Faulenbach wohnenden Bürger stellen und das Tal in seiner Einzigartigkeit schützen.“

Matthias Matz

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