Stadtrat erhöht Kurbeitrag

Füssener Urlaubsgäste sollen künftig kostenlos Bus und Bahn in und um die Lechstadt nutzen können. Um das zu finanzieren, soll ab Herbst der Kurbeitrag um 60 Cent von 1,60 Euro auf 2,20 Euro pro Gast und Tag steigen. Das hat am Dienstag der Stadtrat beschlossen. Ein Drittel der Erhöhung soll aber ganz allgemein in eine bessere touristische Infrastruktur fließen. Kritik gab es von einzelnen Stadträten.

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für Gäste kostenlos zur Verfügung zu stellen sei ein Thema, an dem bereits drei Jahre lang gearbeitet werde, so Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier im Stadtrat. Als übernachtungsstärkstes Urlaubsziel im Ostallgäu müsse Füssen für diese Idee „ein klares Zeichen setzen“, so Fredlmeier. Die Verhandlungen mit den ÖPNV-Betreibern laufen, denn die wollen freilich weiterhin an den Fahrgästen verdienen. Ein höherer Kurbeitrag soll das Angebot nun finanzieren. Das sei auch den Gästen gegenüber gut kommunizierbar, denn für die Erhöhung bekomme der Gast eine „spürbare Leistung“, die ganz nah an seinen Bedürfnissen sei. Von den zusätzlichen 60 Cent sollen allerdings nur 35 in den kostenlosen ÖPNV fließen. Weitere fünf Cent sollen ausgewählte kostenlose Parkplätze für die Gäste in einigen Ortsteilen finanzieren. Zur allgemeinen Verbesserung der touristischen Infrastruktur sollen die übrigen 20 Cent dienen. "FTM muss auf eigenen Beinen stehen" Die stießen bei den Stadträten auf besonderen Anklang. Die touristische Infrastruktur habe mit der Schließung des Hallenbades und des Kurhauses ohnehin sehr gelitten in den letzten Jahren, lautete eine mehrfach geäußerte Meinung. Dieser Beitrag helfe FTM „auf eigenen Beinen zu stehen“, lobte die 2. Bürgermeisterin Ursula Lax (CSU). Die fünf Cent für kostenloses Parken beanstandete jedoch Petra Schwartz (Grüne). „Viel wichtiger und sinnvoller“ wäre es, das Geld in den E-Bike-Verleih zu stecken. Sie sah einen Widerspruch darin, einerseits den ÖPNV und gleichzeitig den Autoverkehr zu fördern. E-Bike-Verleih und kostenloses Parken für Gäste schließen einander nicht aus, entgegnete dem Stefan Fredlmeier. Eine Übergangslösung für Weißensee forderte Gabriel Guggemos (Füssen-Land). Denn erst vor zwei Jahren habe man die ermäßigten Kurbeitragszonen abgeschafft und damit den Beitrag für Weißenseer Gäste von 1,10 Euro auf 1,60 Euro erhöht. Die erneute Anhebung käme einer Verdopplung binnen zwei Jahren gleich. Mit seiner Idee, die 1,60 Euro für Weißensee weitere drei Jahre beizubehalten setzte sich jedoch nicht durch. Nach der Angleichung wieder eine Abstufung zu schaffen, gefiel den Räten offenbar nicht. Doch nur über Guggemos', nicht über Petra Schwartz’ Einwand hatte Bürgermeister Iacob abstimmen lassen. Nicht Willens zuzustimmen war zudem Günter Knauss (Bürgerblock). Ihm gefiel es nicht sich „den Gremien zu unterwerfen“. Denn die Erhöhungspläne hatten zuvor der Verwaltungsrat und der Marketingausschuss von Füssen Tourismus und Marketing einstimmig abgesegnet. Räte aus mehreren Fraktionen bekundeten ihr Unverständnis über diese Haltung. Auch der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats gebe schließlich Empfehlungsbeschlüsse, meinte Etwa Ursula Lax. Gegen drei Stimmen beschloss der Stadtrat die neue Kurtaxe. Sie steht jedoch unter einem Vorbehalt: Die Verhandlungen mit den ÖPNV-Betreibern sind noch nicht abgeschlossen. Scheitern sie, wird auch die Erhöhung des Kurbeitrags noch einmal überdacht.

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