Montessori-Schule und Lebenshilfe ziehen in die Freybergvilla

"Die Menschen warten"

+
Die Freybergvilla wird künftig die Montessori-Schule und die Lebenshilfe beherbergen.

Füssen – Nun steht fest, wer in die Freybergvilla einziehen darf: Neben der Montessori-Schule hat die Lebenshilfe Ostallgäu das Rennen gemacht. Dafür haben sich die Füssener Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig entschieden.

Auch die Volkshochschule hatte sich für das Haus in zentraler Lage interessiert, doch rechtlich sprach alles gegen sie, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erklärte. 

Eigentlich wollten sich viele Stadträte noch Zeit lassen mit der Entscheidung, wer außer der Montessori-Schule in die Freybergvilla einziehen darf. Denn für die Volkshochschule wären teure Umbauarbeiten nötig gewesen, weshalb sie erst die Fördermöglichkeiten prüfen lassen wollten. Da die Stadt momentan aber in keinem Förderpogramm ist, dauert es mindestens ein Jahr bis sie förderungsfähig wird, hatte Stadtkämmerer Helmut Schuster in der Sitzung im Juli erklärt (der Kreisbote berichtete). 

Soviel Zeit haben die Räte aber nicht, wie jetzt Bauamtsleiter Angeringer klar machte. Denn das Landratsamt kann die Baugenehmigung für die Montessori-Schule erst dann durchwinken, wenn die Nutzung für das gesamte Haus feststeht. So empfahl Angeringer den Räten, sich für die Lebenshilfe Ostallgäu als Mieter zu entscheiden, denn „ich sehe keine Möglichkeit, die vhs dort unterzubringen“, so der Bauamtsleiter. Die Statik des Gebäudes reiche nicht für Schulungsräume aus, wie jetzt ein Fachbüro festgestellt habe.

Dafür müsste zunächst die Decke aufwendig saniert werden, was aber nicht möglich sei, da das Haus als Einzeldenkmal eingestuft ist. Auch beim Brandschutz ergaben sich unlösbare Probleme: So müsste für die vhs ein zweiter Rettungsweg gebaut werden, den auch Rollstuhlfahrer benutzen können. Ein entsprechender Anbau wäre aber nur an der Nordseite möglich, doch dort fehlen die nötigen Abstandsflächen. 

Der Antrag der Lebenshilfe wäre dagegen „technisch und rechtlich umsetzbar“, so der Füssener Bauamtsleiter. Die Stadt müsste zwar die beiden Obergeschosse sanieren, der Aufwand wäre allerdings „einigermaßen überschaubar“, zumal die Stadt dann Miete einnehmen würde. Doch dabei wies Dr. Martin Metzger (Bürger für Füssen) darauf hin, dass „die Refinanzierung für uns in Aussicht“ sein müsse. Deshalb sollten sich die Stadträte fragen, ob sich der Umbau finanziell lohne, wenn die Lebenshilfe beispielsweise schon nach zehn Jahren wieder ausziehe. 

Dem widersprachen Ilona Deckwerth und Dagmar Rothemund (beide SPD) vehement. Denn die Lebenshilfe sei seriös, „einen besseren Partner können wir gar nicht bekommen“, so Deckwerth. Auch Rothemund sah darin kein Problem: Da viele Menschen mit psychischen und geistigen Behinderungen derzeit nach Wohnungen suchen, „wären die immer voll“, ist sie sich als Leiterin der Wertachtal- Werkstätten in Füssen sicher. „Die Menschen warten sehnsüchtig auf Wohnungen.“ 

Da sie kein Auto haben, sei für sie eine zentrale Lage wichtig, so Rothemund weiter. Auf dem freien Wohnungsmarkt hätten sie aber „keine Chance“. Da es solche speziellen Wohnungen in Füssen bisher noch nicht gebe, wäre das „ein Riesenfortschritt“. 

vhs nicht vergessen 

Auch über den Mietpreis von etwa sechs Euro pro Quadratmeter können „wir uns nicht beschweren“, so Dr. Hans Martin Beyer (CSU). Allerdings stimmte er auch Jörg Umkehrer (Grüne) zu, dass man die Raumnot der vhs nicht vergessen dürfe. Das sahen auch seine Kollegen so: Einstimmig segneten sie ab, die beiden Obergeschosse der Freybergvilla an die Lebenshilfe zu vermieten und sie entsprechend zu sanieren. 

Gleichzeitig beauftragten sie die Stadtverwaltung, Unterrichtsräume für die vhs zu suchen. Ob der Beschluss die Suche nach neuen vhs-Räumen aber beschleunigen wird, ist fraglich. Denn Bürgermeister Paul Iacob (SPD) hatte zuvor erklärt: „Wir waren nicht untätig (bei der Suche nach vhs-Räume – Anmerk. der Redaktion). Aber das Raumangebot ist äußerst begrenzt.“

Katharina Knoll

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
"Wichtiger als der Karneval"
"Wichtiger als der Karneval"
Der Kanzler bei Plansee
Der Kanzler bei Plansee
Derblecken auf hohem Niveau
Derblecken auf hohem Niveau

Kommentare