Eine unterirdische Lösung

Stadtrat beschließt Machbarkeitsstudie für Tunnelbau in Füssens Kernstadt

Innenstadt Füssen Kreuzung mit Autos und Fußgängern an der Ampel
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Um die Stadtteile Füssens zu verbinden, schlagen die Mitglieder der „Ideenwerkstatt“ vor, die Innenstadt vom Verkehr zu befreien. Mittel zum Zweck ist dabei der Bau eines 800 Meter langen Tunnels. Ob eine solche Verkehrslenkung überhaupt Sinn machen würde, soll nun eine Machbarkeitsstudie zeigen.

Füssen – Ein seit Jahrzehnten häufig und intensiv in Stadtratssitzungen diskutiertes Thema beschäftigt seit rund neun Monaten mehrere Beteiligte einer „Ideenwerkstatt“. Wie kann das Verkehrsproblem in der Füssener Innenstadt entzerrt und die innerstädtische Fläche besser genutzt werden? Am Dienstag der vergangenen Woche stellte Dr. Martin Beyer „die Quintessenz“ der Ideen vor, die diese Probleme lösen und Füssen verbinden soll. Einzig denkbares Mittel sei demnach ein Tunnel.

Nicht der Verkehr belaste die Stadt, es sei ihre Struktur. Denn Füssen, so Beyer, sei eine „geteilte Stadt“. Möchte eine Person von A nach B kommen, müsse sie in der Regel den Kaiser-Maximilian-Platz oder an anderer Stelle die Hauptverkehrsachse queren. Diese Zerteilung der Innenstadt sei demnach das zentrale Problem, erklärte Beyer. Denn zu dem Ziel- und Quellverkehr der Bürger komme der touristische Verkehr noch erschwerend hinzu. Unter dieser Belastung, so Beyer, sei eine Entwicklung des Kernbereichs der Stadt nicht möglich.

Eine „verbundene“ Stadt

Um die Stadt zu verbinden, wäre eine verkehrsberuhigte Innenstadt der einzige Weg. Das bedeute, kein Pkw-Verkehr vom Alten Landratsamt bis zum Kaiser-Maximilian-Platz sowie der Morisse zum Pulverturm. Dazu müsse der Verkehr durch einen Tunnel unter den bisherigen Straßen (also Augsburgerstraße ab Altem Landratsamt bis Kaiser-Maximilian-Platz und Luitpoldstraße, Sebastianstraße bis Pulverturm) hindurch führen. Das wäre eine Variante ohne signifikanten Flächenverbrauch und der Verkehr könne dann ohne permanente Stopps durch Fußgänger, Radler, Busse oder Ortsunkundige fließen. Oberirdisch gäbe es eine Innenstadt mit breitem Raum für ein barrierefreies Neben- und Miteinander für Fußgänger, Radler, den ÖPNV, für Zulieferer sowie die Rettungs- und Sicherheitsdienste. Fünf „kreative Lebensräume“ gewinne die Stadt zudem und würde den gesamten Bereich für Anwohner, Gäste und Gewerbetreibende attraktiver machen.

Ob ein solches Bauprojekt überhaupt realisierbar und finanzierbar ist, muss ein Gutachten zeigen. Auch müssen die Anwohner der Kernstadt ein solches Bauprojekt „ertragen“ wollen. Jedoch sieht die „Ideenwerkstatt“ eine „immense Wertschöpfung“ durch eine derartige städtebauliche Gestaltung Füssens.

Kein störender Querverkehr

„Die Absicht und das Ziel ist ein wunderschönes, dass ist klar. Wir erreichen jedoch keine Reduzierung des Verkehrs. Die Staus haben wir demnach dann unterirdisch“, bedachte Erich Nieberle (SPD). Dass der Tunnel das Verkehrsaufkommen nicht senken wird, bestätigte Beyer. Jedoch setze er darauf, dass die neue, intelligente Ampelanlage (der Kreisbote berichtete) und gezielte Strategien der Verkehrslenkung, von Experten entworfen, dies verhindern würden. Außerdem würde in einem solchen Tunnel kein Querverkehr den Verkehrsfluss behindern, warf Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) ein.

Was mit den Häusern, der Infrastruktur, dem Abwasser und den Bäumen in der Allee in der Augsburgerstraße passieren soll, fragte Magnus Peresson (UBL). Er sorgt sich um die Statik und Infrastruktur der teilweise historischen Gebäude. Darauf gab es keine Antwort von Beyer. „Das muss eine Machbarkeitsstudie dann zeigen“, sagte Bürgermeister Eichstetter. Dass der Bau teuer und langwierig würde, stritt der Ideensucher nicht ab. „Die Baumaßnahmen würden teilweise auch unter der Straße stattfinden. Es würde also nicht bedeuten, dass drei Jahre lang niemand mehr über diese Straßen fahren kann“, erklärte Eichstetter. Wo wiederum die Ein- und Ausfahrten des Tunnels gestaltet werden sollen, hakte Nieberle nach. Eine Frage, die ebenfalls Experten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie herausfinden müssen, so Beyer.

„Soweit sind wir noch gar nicht.“

„Was jetzt von allen Seiten kommt, sind Fragen, die zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden können. Soweit sind wir noch gar nicht“, schloss Stadträtin Christine Fröhlich (FWF) eine aufkeimende Diskussion zu Einzelheiten eines solchen Bauprojekts. „Die Frage ist, ob wir beschließen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.“

Wo geparkt werden soll, interessierte Nicole Eikmeier (CSU). Den ÖPNV vermisste Wolfgang Bader (Grüne) neben Parkmöglichkeiten bei der Tunnel-Strategie. „Die Stadt führte kürzlich Gespräche mit der Regionalverkehr Allgäu GmbH (RVA).“, berichtete Eichstetter. Eine Art Stadtbus soll im kommenden Jahr vom Parkplatz an der Achmühle die Verbindung zum Zentrum herstellen. Mit Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke (CSU) habe er über eine Fortführung dieser Verbindung ins Dorf der Königsschlösser gesprochen.

Auch soll der Nachtbus, der in den vergangenen zwei Jahren getestet wurde, erneut auf den Weg gebracht und die Zahl der Haltestellen erweitert werden. Ein Parkplatz in Hopfen mit Busshuttle-Anbindung, so Eichstetter, sei ebenfalls ein Teil der Überlegung. Parallel dazu laufen die Nahverkehrsstudie für den ÖPNV durch den Landkreis, das Mobilitätskonzept Ostallgäu (Masterplan Mobilitätskonzept Süd) und die Modellregion Mobilität auf Allgäu-Ebene.

Machbarkeit prüfen und Bus-Shuttle testen

Der Stadtrat entschied einstimmig, die Idee der „Verbundenen Stadt“ zu verfolgen. Die Verwaltung wird somit die Machbarkeit einer Untertunnelung mit Anbindung der Zu- und Abfahrtsstraßen einschließlich der finanziellen Auswirkungen prüfen lassen. „Da geht es zuerst einmal darum, ob ein Tunnel überhaupt Sinn machen würde“, erklärte Eichstetter. Gleichzeitig sei gemeinsam mit dem Landkreis Ostallgäu und dem RVA die Einführung eines Shuttle-Bus-/Stadtbus-Service auf den stark frequentierten Strecken zur kommenden Hauptsaison testweise zu prüfen. Mehrere Verkehrsprojekte laufen bereits und sollen auf den Weg gebracht werden. „Viele Bausteine“ nannte sie der Bürgermeister. Und dass sich die Verantwortlichen aus allen Bereichen darum bemühen werden, nicht den Überblick zu verlieren. Die Projekte sollen sich ergänzen und somit „smarte Lösungen“ gefunden werden.

Selma Höfer

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