Stadtrat sagt ja trotz Beigeschmack

Obi will erweitern. Das Unternehmen möchte den Gartenmarkt seiner Füssener Filiale am Moosangerweg von 1400 auf 2000 Quadratmeter vergrößern. Ob es das auch darf, ist noch nicht sicher, denn da muss zuerst die Regierung von Schwaben zustimmen. Am Dienstagabend lag es am Stadtrat, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Das Gremium war zwar generell dafür, ärgerte sich aber über das Verhalten der Firma.

Obi hat ein Raumordungsverfahren bei der Regierung von Schwaben beantragt, um seinen Gartenmarkt von 1400 auf mindestens 1800, lieber noch 2000 Quadratmeter zu erweitern. Laut Stadtbaumeister Theo Fröchtenicht argumentiert das Unternehmen mit sinkendem Umsatz. Eine Erweiterung soll den Füssener Obi wettbewerbsfähiger machen. So weit, so nachvollziehbar für die Stadträte, denen ein gut gehender großer Baumarkt in Füssen recht wäre. Dennoch gab es von vielen Seiten Kritik, vor allem am Verhalten der Firma gegenüber der Stadt. Am schärfsten kritisierte die Fraktion der Freien Wähler die Firma, die den Markt seinerzeit ohne gültige Baugenehmigung erbaut habe. Zudem hätten sie sich bei der Farbgebung, der Größe der Werbeträger und der Begrünung nicht an städtische Vorgaben gehalten. Mit den Freien Wählern tat sich auch Stadtrat Dr. Martin Metzger (Bürger für Füssen) schwer, angesichts dieser Tatsachen auf Obi zuzugehen. „Obi will etwas von uns“, erklärte er, die Firma sei aber nicht bereit das zu erfüllen, was man von ihr erwarte. Obi habe es versäumt, für eine ÖPNV-Anbindung seiner Filiale zu sorgen, kritisierte er. Die nächste Bushaltestelle sei 250 Meter entfernt – nicht zumutbar für ältere Menschen, wenn sie Waren aus dem Baumarkt transportieren müssen. Das müsse nicht die Einzelhandelskette sondern der Bürgermeister mit der RVA diskutieren, meinten Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und mehrere Räte. Wenn man Obi anbinde, müsse man auch die Supermärkte und das Sportstudio im Gewerbegebiet anbinden, „dann müssen wir fünf Haltestellen bauen“, erklärte der Rathauschef. Kontrolle möglich? Einen Kompromiss fanden die Räte darin, dass sie zwar die Erweiterung befürworteten, sich aber in einem weiteren Punkt nicht auf die Baumarkt-Kette zubewegten. Obi möchte nämlich 15 Prozent seiner Fläche für innenstadtrelevante Waren verwenden. Im Fall einer Erweiterung würde Obi den Läden in der Innenstadt mit Schnittblumen, Wohnaccessoires, Bastelbedarf und mehr auf 300 Quadratmetern Konkurrenz machen, wie Armin Angeringer, Leiter des Stadtbauamts, vorrechnete. Bisher darf Obi auf 100 Quadratmetern solche Waren anbieten. Gibt die Stadt hier nach, könnte das dazu führen, dass Füssen keine Fördergelder mehr von der Regierung bekommt, so Iacob. 15 Prozent aber höchsten 100 Quadratmeter schreibt die nämlich vor. Bei sechs Gegenstimmen befürwortete der Stadtrat die Erweiterungspläne, will aber die Innenstadtrelevanten Angebote auf einer Fläche von 100 Quadratmetern beschränken. Ob letzteres etwas bringt, ist fraglich. Denn ob die Fläche, auf der in der ganzen Filiale verteilt genau diese Waren ausliegen, zusammengerechnet die 100 Quadratmeter überschreitet, sei kaum nachzuprüfen, so Stadbaumeister Fröchtenicht.

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