Bürgerinfo vor Entscheidung über zwei neue Mobilfunkmasten

Die Bürger mitnehmen

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Um die Mobilfunkversorgung in Füssen weiter sicherzustellen zu können, brauchen die Provider neue Sendemasten.

Füssen – Auf dem Fischerbichl bei Hopfen und dem Galgenbichl bei Füssen könnten im Laufe des Jahres durch die Telekom und Vodafone zwei bis zu 35 Meter hohe oder mehrere kleinere Mobilfunkmasten aufgestellt werden. Das stellte der Stadtrat am Dienstagabend in Aussicht.

Vor einer endgültigen Entscheidung durch das Gremium soll auf Drängen zahlreicher Stadträte aber zunächst die Bevölkerung noch detailliert über die Pläne der Mobilfunkanbieter und deren Auswirkungen informiert werden. Voraussichtlich im April soll das Stadtparlament dann endgültig über die Masten entscheiden. 

Die Mobilfunkanbieter (Provider) Telekom und Vodafone suchen drei Ersatzstandorte für ihren jetzigen Sendemast in Eschach. Ihr Vertrag mit dem Besitzer des Privatgrundstücks, auf dem die Anlage derzeit noch steht, läuft in diesem Jahr aus. Eine Verlängerung des Kontrakts werde es definitiv nicht geben, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) mit Bedauern erklärte: „Der Mast in Eschach war auf einem optimalen Grundstück gestanden.“ 

Um die Mobilfunkversorgung in Füssen und Hopfen aber weiter sicherstellen zu können, müssen die Sendemasten nun woanders in der Nähe aufgestellt werden. Beide Provider hätten zunächst jeweils drei kleinere Masten bevorzugt. Bis zu einer Höhe von zehn Metern müssten diese von der betroffenen Kommune nicht genehmigt werden, die Anbieter hätten also freie Hand bei der Standortwahl. In langen Verhandlungen, geführt von Carmen Settele von der Füssener Stadtverwaltung, sei sich aber darauf geeinigt worden, dass die beiden Branchengrößen wohl ein und den selben Mast benutzen werden.

 Für Sendemasten solcher Größenordnungen (bis zu 35 Meter Höhe) kommen nur der Fischerbichl und der Galgenbichl infrage, wie jahrelange Untersuchungen gemeinsam mit Experten ergeben hätten. Nur dort sei eine möglichst gute Netzabdeckung bei gleichzeitig geringer Strahlenwirkung auf die Bürger gewährleistet. Denn offenbar gilt: Je höher der Mast, umso geringer die Strahlenbelastung. „Wir wollen die Auswirkungen auf die Bevölkerung klein halten“, betonte Iacob. „Uns war klar, dass wir das nicht in Wohngebieten haben wollen“, ergänzte Carmen Settele. Nach einem dritten Standort im Füssener Westen werde derzeit noch gesucht. 

"Das geht so nicht!" 

Zwar scheinen die Stadträte grundsätzlich mit den beiden Standorten einverstanden und lobten die Arbeit von Settele. Allerdings warnten sie davor, die Bevölkerung nicht ausreichend zu informieren. In Hopfen sei bereits Unmut darüber zu vernehmen, hieß es. Zumal ein oder mehrere Masten auf dem Fischerbichl auch die Sichtachsen nach Füssen beeinträchtigen würden. „Ich finde, das ist zu dominant“, sagte Michael Schmück (CSU). 

Fraktionskollege Dr. Hans Martin Beyer erklärte, dass davon die Sichtachse auf den Säuling betroffen sei, die auch in dem Film „Gesprengte Ketten“ zu sehen ist. „Eine der schönsten Szenen überhaupt.“ Auch sollte mit Füssen Tourismus- und Marketing (FTM) geklärt werden, ob die Mobilfunkmasten möglicherweise Auswirkungen auf das neue touristische Leitthema „Gesunder Schlaf“ haben. 

Er und andere fühlten sich an die Diskussion um den Bahnhof erinnert. „Man muss die Menschen richtig mitnehmen“, forderte Beyer. Man müsse langsam den Eindruck bekommen, dass das Nichtinformieren der Öffentlichkeit System habe. „Und das muss jetzt mal aufhören! Das geht so nicht“, warnte Beyer. Diese Defizite aufzuarbeiten, koste viel Zeit und Arbeit. 

Dr. Martin Metzger (BfF) griff Iacob ebenfalls an: „Herr Bürgermeister, mich wundert, dass Sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, die Bürger mitzunehmen.“ 

Iacob entgegnete, dass er niemanden unter Druck setzen und niemandem drohen wolle. Tatsache sei aber, dass die Provider von sich aus Standorte suchen würden, wenn die Stadt ihnen in Kürze keine anbiete. Bis zu einer Höhe von zehn Metern seien diese Masten genehmigungsfrei, sodass die Anbieter sie quasi überall im Stadtgebiet aufstellen könnten, wenn die Stadt nicht in die Gänge komme. „Das sind keine Drohungen, das sind Konsequenzen“, betonte Iacob. „Wir haben dieses Damoklesschwert im Rücken!“

Matthias Matz

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