Stadtverwaltung soll mit Eigentümer über Zukunft des Festspielhauses verhandeln

Stadtrat stellt Bauleitplanverfahren für Hotel am Festspielhaus ein - Gegner sind zufrieden

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Über die Zukunft des Festspielhauses soll nun laut Beschluss des Stadtrates die Stadtverwaltung mit Eigentümer Manfred Rietzler verhandeln.

Füssen – „Wir haben keine Ursache mehr, einen Bebauungsplan für das Projekt umzusetzen.“ Einstimmig hat der Stadtrat am Dienstag die Einstellung des Bauleitplanverfahrens für das Luxus-Hotel am Festspielhaus beschlossen. Damit ist der für Sonntag, 20. Oktober, geplante Bürgerentscheid vom Tisch. 

Gleichzeitig beauftragten die Ratsmitglieder die Stadtverwaltung, gemeinsam mit Eigentümer Manfred Rietzler alle Möglichkeiten auszuloten, wie der Betrieb des Festspielhauses langfristig gesichert werden kann. Laut wurde erneut Kritik an der Kampagne der Hotel-Gegner.

Mit dem Beschluss vom Dienstagnachmittag reagierte das Stadtparlament auf die Rücknahme der Hotel-Pläne durch Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler in der vorvergangenen Woche (der Kreisbote berichtete). Denn mit dem Rückzug Rietzlers hatte sich der von Bund Naturschutz (BN) und Kreisfischereiverein Füssen (KFV) angestoßene Bürgerentscheid keineswegs automatisch von selbst erledigt. „Die Planungshoheit liegt bei der Stadt“, erklärte Hauptamtsleiter Peter Hartl den Stadträten. Daher müssten diese über die Einstellung des Bauleitplanverfahrens entscheiden. Erst mit einem entsprechenden Beschluss werde der Bürgerentscheid hinfällig. „Es gibt kein Bauleitplanverfahren, damit hat sich der Bürgerentscheid erledigt“, sagte Hartl. 

Neben der Einstellung des Bauleitplanverfahrens beschlossen die Räte ebenfalls einstimmig, die Verwaltung damit zu beauftragen, mit dem Eigentümer dessen weitere Absichten sowie „alle realistischen Möglichkeiten der nachhaltigen Sicherung“ des Festspielhauses zu besprechen. Die Ergebnisse sollen dem Gremium dann zur weiteren Beratung vorgelegt und die Bürger künftig früher mit einbezogen werden. 

Wie berichtet, hatte Rietzler angekündigt, das Defizit des Hauses nur für dieses Jahr nochmals aus eigener Tasche auszugleichen. Für die kommende Spielzeit werde bereits an einem reduzierten Spielplan gearbeitet. Außerdem sollen bereits erste Kündigungen im Festspielhaus ausgesprochen worden sein, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) berichtete. 

Kein Geld von der Stadt 

Die Stadt habe jedenfalls kein Geld, dass Veranstaltungshaus zu unterstützen, machte Iacob erneut deutlich. „Wir haben keine Mittel, es am Leben zu lassen.“ Verwundert äußerte sich der Bürgermeister darüber, dass erst jetzt – nach dem Rückzieher Rietzlers – Unterstützung für das Festspielhaus laut werde. „Wir haben bis zu einem gewissen Punkt keine positiven Reaktionen bekommen“, kritisierte er. Auch aus dem Stadtrat sei kein klares Signal für das Vorhaben gekommen, obwohl der Rat bereits im Januar 2015 sich eindeutig für ein Hotel ausgesprochen habe. 

Enttäuscht über das Aus für die Hotel-Pläne äußerten sich auch Mitglieder aus fast allen Fraktionen im Stadtrat. „Das tut mir in der Seele weh“, sagte Michael Jakob von der CSU. Die jetzt eingetretene Situation sei die schlechtmöglichste für Füssen überhaupt. 

Sein Fraktionschef Heinz Hipp sagte: „Ich kann mich in meiner nun langen Stadtratszeit kaum an ein Thema erinnern, das mich so bewegt, ja belastet hat.“ Er erinnerte daran, dass nach dem Bau des Festspielhauses 800 neue Arbeitsplätze in Füssen entstanden seien. In den vergangenen Wochen habe er aber Vermutungen, Unterstellungen und negative Fiktionen erleben müssen, die häufig Eigeninteresse bei egoistischer Grundhaltung vermuten lassen würden. „Füssen war leider allzu oft die Stadt der versäumten Chancen. Es wäre an der Zeit gewesen, mit dieser Tradition zu brechen!“ 

Seine Fraktionskollegin Ursula Lax wünschte sich, „dass die, die dahinter stehen, künftig früher aufstehen.“ Gleichzeitig appellierte sie, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass der Stadtrat bei seinen Entscheidungen sämtliche Bürger mitnehmen müsse. „Wir werden nie alle Bürger mitnehmen können – das zu glauben, wäre scheinheilig!“ 

Kein konkreter Beschluss? 

Christine Fröhlich, Bürgermeister-Kandidatin der Freien Wähler (FW), widersprach Bürgermeister Iacob indes. 2015 habe der Stadtrat lediglich sein grundsätzliches Einverständnis zu einem Hotel gegeben. „Das war kein Beschluss, der sich auf diesen Hotel-Entwurf bezieht!“ Dieser sei erst im Juni vergangenen Jahres das erste Mal vorgestellt worden. Für die Zukunft wünsche sie sich, dass Probleme bei solchen Projekten bereits im Vorfeld transparent und ohne Emotionen diskutiert werden sollten. „Das ist diesmal völlig aus dem Ruder gelaufen.“ 

Dr. Christoph Böhm (CSU) bestätigte die Darstellung Fröhlichs. „Es hat damals geheißen: Nur zur Information!“ Niemand habe seinerzeit erkennen können, dass das Hotel zum Teil in das Landschaftsschutzgebiet und den Forggensee hinein gebaut werden solle. 

Bürgermeister Iacob wollte diese Aussagen allerdings so nicht stehen lassen. Der Stadtrat habe keine Emotionen in die Diskussion gebracht, erklärte er. Den Darstellungen Fröhlichs und Böhms widersprach er. „Das Baufenster stand von vorneherein fest“, betonte er. „Das war immer klar!“ 

Auf die derzeit mit Vehemenz geführte öffentliche Klima-Debatte verwies dagegen Dr. Martin Metzger (BfF). „Es ist ein gutes Projekt zu einem falschen Zeitpunkt“, sagte er. „Jedem ist klar, dass das ein Luxus-Tempel ist, der das CO2 nur so verbrennt.“ Menschen, die gegen ein solches Megaprojekt seien, „sind Menschen, die sich ein bisschen mehr Gedanken machen.“ Darüber hinaus halte er die Behauptung, dass Festspielhaus könne nur mit einem Hotel langfristig überleben, ohnehin für gewagt. „Dass das funktioniert, konnte uns nie jemand beweisen“, so Stadtrat Metzger.

Freude und Erleichterung bei Hotelgegner

Mit Erleichterung und Freude haben die Gegner des Hotels am Festspielhaus auf den Beschluss des Stadtrats reagiert. „Das ist ein großer Erfolg für unsere Heimat und Füssen“, erklärte Pressesprecher Alexander Beck am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Michael Käs vom Bund Naturschutz (BN) sagte: „Das ist ein toller Erfolg für uns.“ 

Mit dem Beschluss des Stadtrats vom Dienstagnachmittag könnten er und seine Mitstreiter sehr gut leben, so Alexander Beck. Denn zum einen sei das Ziel erreicht worden, „dass ein gigantisches Hotel, das gegen Auflagen und Gesetze verstoßen hätte, nicht realisiert wird.“ Zum anderen habe sich der Stadtrat eindeutig dafür ausgesprochen, sich für den Fortbestand des Festspielhauses ohne den Bau eines Hotels einsetzen zu wollen. „Das zielt in die richtige Richtung!“ Denn man sei nicht gegen das Festspielhaus, sondern gegen das Hotel, betonte er erneut. 

Michael Käs, Ortsvorsitzender des BN, äußerte sich ebenfalls erfreut über die Entscheidung des Stadtparlaments. „Mehr konnten wir nicht erwarten“, sagte er. Er gehe allerdings davon aus, dass das Thema Hotel am Festspielhaus damit noch nicht endgültig erledigt sei. „Es ist davon auszugehen, dass ein neuer Anlauf erfolgt.“

mm

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