Neues Jugendhaus nimmt erste Hürde

Stadtrat will eine Machbarkeitsstudie für ein neues Jugendhaus im Weidach erstellen lassen

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Die Situation im aktuellen Jugendzentrum ist nicht optimal. Daher wird über einen Neubau nachgedacht.

Füssen – Ärger mit den Nachbarn, Probleme mit dem Lärmschutz, schlechte Raumaufteilung und fehlende Barrierefreiheit – die Situation rund um den Jugendtreff in der von-Freyberg-Straße ist alles andere als optimal. Daher gibt es bereits seit längerem hinter den Kulissen Überlegungen, im Weidach beim Fun- und Skatepark ein neues Jugendhaus zu bauen.

Eine erste Hürde hat die Idee jetzt im Stadtrat genommen: Mit deutlicher Mehrheit (14:5) beauftragte das Gremium die Verwaltung, eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Untersucht werden soll ein Gesamtkonzept für die Sport- und Freizeitanlagen im Weidach mit einem dort integrierten Jugendhaus.

Stefan Splitgerber, Leiter des Jugendtreffs Jufo in der von-Freyberg-Straße, ist alles andere als zufrieden. „Wir haben massive Probleme mit dem Lärmschutz. Es kommen ständig Beschwerden von den Nachbarn“, berichtete er jetzt im Stadtrat über die Situation vor Ort. So dürften maximal 12 Veranstaltungen im Jahr außerhalb der regulären Öffnungszeiten – allerdings mit einer restriktiven Lärmbeschränkung – stattfinden. „Das hat zur Folge, dass sowohl Konzerte als auch Jugenddiscos nicht veranstaltet werden können.“ Vermietet werden – etwa für Geburtstage – könne das Jufo wegen der Auflagen ebenfalls nicht. 

Unglücklich ist Splitgerber auch mit der Raumaufteilung. Bei den Räumen handle es sich um eine ehemalige Druckerei-Halle mit einem großen Saal und kleinen Nebenräumen. Parallele Aktionen seien so kaum möglich, meist wirke der Saal leer und ungemütlich. Zudem sei die Einrichtung nicht barrierefrei. Durch die unmittelbare Nähe der kleinen Außenflächen des Jufo zur Straße seien darüber hinaus Ballspiele außer Tischtennis nicht möglich. Dazu kommen die häufigen Staus in diesem Bereich: „Man fühlt sich dann wie im Affengehege“, schilderte Splitgerber die Situation. 

Jugend ist im Weidach 

Ein Ausweg könnte der Bau eines neuen Jugendhauses im Weidach zwischen der Skateanlage und dem geplanten neuen Baseballplatz sein, wie er bereits seit längerem angedacht ist (der Kreisbote berichtete). Schließlich tummele sich die Jugend mittlerweile dort und auch das Jufo sei bereits mit einer Anlaufstelle in einem Baucontainer vor Ort vertreten. „Der Großteil der Jugendlichen ist eh am Skateplatz“, sagte er. Von daher sei es nur folgerichtig, das Jugendhaus dort zu bauen, wo die Jugendlichen ohnehin schon seien. Welche Anforderungen das neue Jugendhaus erfüllen sollte und wie es von wem genutzt werden könnte, erläuterte Splitgerber den Stadträten ebenfalls.

Ihm schwebt nach dem Vorbild Starnberg ein modernes Multifunktionsgebäude vor, das nicht nur den Anforderungen der modernen Jugendarbeit gerecht werden soll, sondern auch von anderen Vereinen wie den Royal Bavarians, Türkgücü Füssen, Trachten- und Musikvereinen sowie Einrichtungen wie der vhs, Tanzgruppen oder auch von Privatleuten für Feste genutzt werden könne. „Eine Symbiose zwischen Jugendarbeit und anderen Vereinen und Verbänden ist mir ganz wichtig! Zentrale Botschaft sollte sein: ein interkulturelles Gebäude für die Füssener Bürger.“

Gleichzeitig könnte durch die Mehrfachnutzung auch die Rentabilität des Neubaus erhöht werden, so Splitgerber weiter. Im Falle eines Neubaus könne die Stadt mit einer Förderung durch den Bayerischen Jugendring von bis zu 30 Prozent der Kosten rechnen. 

Allerdings bleiben vorerst noch viele Fragen unbeantwortet. Unklar ist beispielsweise, wo die notwendigen Parkplätze entstehen sollen oder wie die Zufahrt erfolgt. „Ein ganz wichtiger Punkt ist: Haben wir die nötige Infrastruktur?“, sagte Hauptamtsleiter Peter Hartl. „Wenn die Zufahrt von der Bundesstraße nicht klappt, ist das alles gestorben – das wissen wir alle!“ Um diese und viele weitere offene Fragen  zu klären, soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, so der Vorschlag der Stadtverwaltung. „Das geht nicht ohne Machbarkeitsstudie“, erklärte der Hauptamtsleiter angesichts der komplexen Situation vor Ort. „Eigentlich hätten wir sogar eine Bauleitplanung haben müssen.“ 

Infrastruktur beachten 

Das sah auch die Mehrheit der Stadträte ähnlich. „Das ist etwas ganz anderes als ein Jugendhaus“, sagte Jürgen Doser von den Füssener Freien Wählern. „Hier sind wir jetzt in einer ganz anderen Liga!“ Deshalb müsse die Infrastruktur vor Ort angepasst werden. „Wenn wir jetzt nicht an die Infrastruktur denken, machen wir einen großen strategischen Fehler“, warnte er. 

Sorgen wegen Zufahrt 

Seine Fraktionskolleginnen Dr. Anni Derday und Christine Fröhlich sprachen sich dagegen dafür aus, die Turnhalle als möglichen Standort aus der Untersuchung heraus zu nehmen, da Ärger mit den Nachbarn wegen möglicher Lärmbelästigungen vorprogrammiert seien. Dem widersprach Christin Schneider (Füssen-Land). Solange die Frage der Zufahrt nicht geklärt sei, müsse auch der mögliche Standort Turnhalle untersucht werden. Hauptamtsleiter Hartl bestätigte diese Einschätzung: „Das Hauptproblem wird die Zufahrt sein.“ 

Zunächst solle aber eine Nutzeranalyse erfolgen, dann erst erfolge der nächste Schritt. „Wir zäumen das Pferd immer von hinten auf“, so Hartl, was eben immer wieder zu Problemen und Verzögerungen führe. Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) bat darum, auch die Fläche auf der anderen Seite der B16 als möglichen Parkplatz mit in die Untersuchung einzubeziehen. Entsprechende Gespräche liefen bereits, entgegnete darauf Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Einen Zeitplan gibt es jedoch noch nicht – Zeitdruck allerdings auch nicht. Zwar läuft der Pachtvertrag für das jetzige Gebäude laut Markus Gmeiner von der Verwaltung 2021 aus. Allerdings könne die Stadt den Vertrag für weitere zehn Jahre verlängern, aber jährlich kündigen.

mm

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