Diskussion um Wohnungen

Stadtrat will Tourismus in Bad Faulenbach stärken

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Idyllisch liegt Bad Faulenbach zwischen bewaldeten Hügeln und dem Lech. Wer in den Ortsteil will, muss die enge Schlucht an der Morisse passieren. Herrscht hier zu viel Verkehr, kann es zu Engpässen kommen.

Füssen – Um den Ortsteil Bad Faulenbach als Oase der Ruhe und Erholung zu erhalten, hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Satzung zur Sicherung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion nach § 22 des Baugesetzbuches neu erlassen. 

An sich waren sich die Räte über die Ziele der Satzung einig. Unstimmigkeit herrschte jedoch bei den Beschränkung rund um den Bau von Wohnungen – obwohl der Fraktionsbeirat das zuvor besprochen hatte.

Unter dem Schlagwort „Tal der Sinne“ bewirbt Füssen Tourismus und Marketing Bad Faulenbach. Der Füssener Ortsteil als Kneippkurort und Moorheilbad sei mit seinen zahlreichen Kurhotels „wie geschaffen für nachhaltigen Gesundheits- und Wellness-Urlaub“, heißt es dazu auf der Homepage des Ortsteils. Im Klartext bedeutet das: In Bad Faulenbach dominiert der (Erholungs-)Tourismus. Doch große Wohnprojekte sowie Zweit- und Ferienwohnungen, wie sie in der Vergangenheit immer wieder beantragt wurden, könnten diesen Kurgebiets-Charakter gefährden. „Die städtebauliche Zielsetzung ist es, eine übermäßige Verdichtung nicht weiter zuzulassen“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Denn: „Je mehr Wohnungen desto mehr Fahrzeugverkehr gibt es.“ Und der könne nur über die enge Schlucht an der Morisse den Ortsteil erreichen. 

Deshalb stand jetzt der Neuerlass der Satzung zur Sicherung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion nach §22 des Baugesetzbuches auf der Tagesordnung des Stadtrats. Auf diese Weise will die Stadt die Schritte unterbinden, die dazu führen können, dass eine Wohnung zur Zweitwohnung oder Ferienwohnung wird. Zudem sollen die Räte so einen längerer Leerstand von Nebenwohnungen verhindern und die Zahl der Wohnungsneubauten begrenzen können. Doch der Vorschlag der Stadtverwaltung zu Letzterem sorgte bei einigen Stadträten für große Empörung. Denn dieser sah neben maximal sechs Wohnungen je Wohngebäude auch nur eine Wohnung je 800 Quadratmeter Grundstücksfläche vor. 

Regel besprochen

„Das ist ein Einfamilienhaus. Da kommen wir ja in die Bildzeitung“, meinte Ursula Lax (CSU). Sie könne zwar die Haltung des Tourismus und der Hoteliers nachvollziehen. Doch gerade diese beschweren sich immer wieder, dass sie keine Mitarbeiter finden, weil es für diese keine Wohnungen in Füssen gibt. „Eine Wohnung auf 800 Quadratmeter – da verstehe ich die Welt nicht mehr. Gerade in dem Ortsteil, wo wir kleine Wohnungen für Mitarbeiter brauchen. Da machen wir uns unglaubwürdig.“ Auch Heinz Hipp (CSU) und Dr. Anni Derday (FWF) zeigten sich irritiert über diese Zahlen – zumal sich Derday sicher war, dass der Fraktionsbeirat von einem Wohngebäude auf 800 Quadratmeter gesprochen hatte. 

„Wir haben in diesem Gremium die Zielsetzung festgelegt“, wunderte sich jedoch Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Die Räte hatten sich dafür ausgesprochen in Bad Faulenbach nicht den Wohnraum, sondern die touristische Betriebe zu fördern. „Das war ein Grundsatzbeschluss. Wir sollten nicht zu Adam und Eva zurückgehen.“ Auch Bernhard Eggensberger (Füssen-Land) verstand die ganze Diskussion nicht. „Die 800 Quadratmeter für eine Wohnung haben wir relativ klar besprochen. Wir haben gesagt: Das setzen wir rein, das können wir dann immer noch ändern. Ich glaube nicht, dass wir das jetzt hier diskutieren müssen.“ 

Anderer Meinung war da Ilona Deckwerth (SPD): „Wir haben unterschiedliche Erinnerungen an die gemeinsame Sitzung. Es macht schon Sinn, dass man darüber spricht.“ Sie sprach sich zwar für den Tourismus, aber auch für kleine Wohnungen für Angestellte dort aus. Deshalb befürwortete sie Derdays Vorschlag und die Regelung mit sechs Wohnungen pro Gebäude. Ein grundsätzliches Problem mit der Zielsetzung hatte dagegen Georg Waldmann (SPD). Er trug zwar ebenfalls den touristischen Aspekt mit. Die Beschränkungen bei den Wohnungen hielt er allerdings für nicht sinnvoll.

Es gehe nicht darum Wohnungen zu verhindern, sondern „endlich eine Handhabe gegen große Projekte zu haben, die wir bisher nicht verhindern konnten“, erklärte Dr. Martin Metzger (BfF). „Das kann ich nur unterstreichen“, meinte Derday. Die Begriffe Ruhe und Erholung sollten sich auch in der Baustruktur widerspiegeln. „Es gibt schon Möglichkeiten, kleine Wohnungen zu bauen.“ 

Klare Vision fehlt 

Wie der Tourismus die Situation einschätzt, wollten die Räte anschließend von Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier wissen. „Hier fehlt die grundsätzliche Vision, wie Bad Faulenbach in zehn Jahren ausschauen soll”, meinte dieser. Die Wohnungsproblematik in Füssen müsse zwar gelöst werden. Doch Bad Faulenbach sei seiner Meinung nach nicht der richtige Ort dafür. Denn egal ob Hotel oder Wohnung – „je höher die Bebauung desto stärker die Frequenz (im Straßenverkehr – Anmerk. der Red.), so der Tourismusdirektor. Ähnlicher Ansicht war Jürgen Doser (FWF). Er meinte, dass die Stadt stärker strukturiert werden sollte. „Wir entwickeln überall alles. Das wird ein Brei.“ Neuer Wohnraum sollte nur in Wohngebieten entstehen, genau wie neues Gewerbe im Gewerbegebiet. „Dieser Bereich ist touristisch. Da gehört kein Wohnraum rein.“ 

Eine andere Frage beschäftigte Christine Fröhlich (FWF). Da es keinen Bebauungsplan für Bad Faulenbach gibt, fragte sie sich, ob die neue Satzung überhaupt Auswirkungen habe, wenn sich ein Bauherr beispielsweise bei einem geplanten Mehrfamilienhaus auf die umliegende Bebauung berufe. „Der Paragraph 34 regelt andere Sachen als die Satzung“, erklärte Angeringer. Er sage nur, dass ein Bauherr so hoch und groß bauen dürfe wie sein Nachbar. Er sage aber nichts über die Anzahl der zu bauenden Wohnungen aus. Allgemein gelte aber: „Wenn wir das vernünftig steuern wollen, geht das nur mit der Satzung in Kombination mit einem Bebauungsplan“, erklärte Hauptamtsleiter Peter Hartl. Doch dort einen aufzustellen, davon riet Angeringer derzeit aus Kostengründen ab. 

Da ein Bebauungsplan vor der Satzung stehe, wollte Metzger wissen, ob ein Bauherr einen Anspruch auf eine entsprechende Aufstellung habe. Doch das verneinte der Bauamtsleiter. „Das ist die Einzelentscheidung dieses Gremiums.“ 

Am Ende sprach sich die Mehrheit der Stadträte bei drei Gegenstimmen von Waldmann, Lax und Deckwerth dafür aus, die Zahl der Wohnungen auf sechs Stück je Wohngebäude zu begrenzen. Außerdem billigten die Räte mehrheitlich den Entwurf zum Neuerlass der Satzung. Die neue Satzung wird nun öffentlich ausgelegt. Davor soll es laut Hauptamtsleiter Peter Hartl aber noch eine entsprechende Infoveranstaltung für die Bürger geben. Ein Termin dafür steht allerdings noch nicht fest.

kk

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