"So etwas noch nie gesehen" Höhenstraße und Panoramaweg sind in einem katastrophalen Zustand

"So etwas noch nie gesehen"

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Risse, Bruchschollen und reparierte Stellen wie hier durchziehen die Höhenstraße. Die muss komplett neu gemacht werden, erklärte Tiefbauingenieur Gerald Blumrich.

Füssen – Risse, Bruchschollen, geflickte Löcher und Absenkungen durchziehen die Höhenstraße in Hopfen. Im Panoramaweg schaut es nicht viel besser aus.

Probebohrungen haben jetzt ergeben, dass man beim Bau „völlig falsche Maßnahmen“ am Untergrund vorgenommen habe, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) in der jüngsten Stadtratssitzung. „Wir brauchen da eine neue Straße“, erklärte er. Doch zunächst einmal soll die Stadtverwaltung prüfen, mit was für Kosten die Stadt rechnen muss. 

Im „sehr schlechten Zustand“ befindet die Höhenstraße und der Panoramaweg, erklärte Iacob den Stadträten. Probebohrungen haben ergeben, dass die Straße vor rund 50 Jahren gebaut wurde, „wie es heute absolut nicht üblich ist“ und damals wahrscheinlich „auch schon nicht üblich war“, meinte der Rathauschef. In der ganzen Höhenstraße befinden sich Risse im Belag, die „durch gehen“, so Tiefbauingenieur Gerald Blumrich. Zwar wurde die Straße in der Vergangenheit immer wieder notdürftig repariert, doch nach ein bis zwei Jahren hätten sich durch die Verkehrsbelastung wieder Risse gebildet. 

Dort kann Wasser eindringen und durch den Frost-Tau-Wechsel beginne dann „der Zerstörungsprozess“, so Blumrich. „Im Panoramaweg schaut es im Prinzip ganz genauso aus“, oder sei sogar „fast noch schlimmer“. Überall seien Flickstellen zu sehen, vieles sei gebrochen und die Seiteneinfassung sei so tief abgesunken, dass die Wasserabführung „nicht mehr einwandfrei“ funktioniere.

 Teilweise gebe es auch gar kein Frostschutzkies. Bei den Probebohrungen sei er dann „einigermaßen überrascht“ gewesen, sagte Blumrich. „So was habe ich überhaupt noch nie gesehen“. Normalerweise sollte der Oberbau einer Straße zwölf bis 20 Zentimeter dick sein. In der Höhenstraße betrug er aber gerade mal 4,5 Zentimeter. Und die weiteren Probebohrungen sahen „nicht viel besser aus“. 

Unterbau fehlt 

Außerdem wurde beim Oberbau Kies mit einem zu hohem Feinanteil verwendet, der damit nicht frostsicher ist. An Stellen mit starken Schäden habe er „überhaupt keinen Kiesunterbau“ mehr vorgefunden. Deshalb empfahl er, die Straße komplett neu zu bauen, was bedeutet: „75 Zentimeter Gesamtstärke herausnehmen, Frostschutzkies rein und Oberbau drauf.“ Der bestehe dann aus einer vier Zentimeter-Asphaltdecke, einem sechs Zentimeter dicken Asphaltbinder und einer zwölf Zentimeter dicken Tragschicht. 

Dann kann die Stadt auch gleich neue Regenwasser- und Schmutzwasserkanäle verlegen. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass beide beschädigt sind. So befinde sich der Regenwasserkanal so flach unter der Oberfläche, dass er reinfalle, wenn 80 Zentimeter von der Fahrbahn herausgenommen werden, sagte Stefan Zellhuber von ISAS, Ingenieure für Sanierung von Abwassersystemen. 

Kosten prüfen 

Deshalb wolle die Stadtverwaltung nicht bloß die Straßenoberfläche neu versiegeln, sondern komplett neu machen, sagte Iacob. Erst einmal soll die Verwaltung aber prüfen, was das die Stadt denn kosten würde. Außerdem soll rechtlich geprüft werden, „in wie weit die Anwohner zu beteiligen sind“. Diese sollen dann entsprechend informiert werden. Diesem Plan stimmten auch die Stadträte einstimmig zu. Dennoch schlug Dr. Hans Martin Beyer (CSU) vor, dass die Stadt „eine Alternative im Kopf haben“ sollte, falls die Kosten zu hoch ausfallen. 

Doch das sah Blumrich skeptisch. Denn alles, was auf die Straße gebaut werde, werde nach wenigen Jahren wieder kaputt sein. Schließlich sei der Untergrund nicht „tragfähig“. Da er viele Straßen kenne, „die auch so ausschauen“, schlug Jürgen Doser (Freie Wähler) außerdem vor, einen Übersichtsplan davon zu erstellen, damit die Stadt langfristig planen könne.

kk

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