Nicht dem Standard für Museen entsprechend

Die städtischen Museen erhalten ein Museumsdepot – Planung wird auf den Weg gebracht

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Die räumliche Enge in den bisherigen Depoträumen ist offensichtlich. Exponate stehen und liegen kreuz und quer vor überfüllten Regalen.

Füssen – Der Finanzausschuss beschloss, die Verwaltung mit der Planung eines Museumsdepots zu beauftragen und eine dafür notwendigen Inventarisierung des Sammlungsbestandes auf den Weg zu bringen.

Neben staatlichen Fördermitteln wird zur Deckung nötiger externer Kosten ein Betrag von 20.000 Euro für die Planung und 30.000 Euro für die ausstehende Inventarisierung zur Verfügung gestellt.

Das kulturelle Erbe bewahren

Für die sichere und dauerhafte Aufbewahrung der kulturgeschichtlichen Zeugnisse gibt es momentan nur provisorische und unzureichende Aufbewahrungsstätten. Die über das Rathausgebäude verteilten Depots mit klimatisch schwankenden und ungeeigneten Aufbewahrungsbedingungen können aufgrund bereits akutem Platzmangels nicht nur aus fachlicher Sicht keine weiteren Gegenstände aufnehmen. Es besteht außerdem die Gefahr, dass die empfindlichen Kulturschätze beschädigt werden, sobald Objekte aus dem überfüllten Lager entnommen werden müssen. Auch entsprechend der Museumssatzung von 2002 benötigen die Museumsstücke ein sachgerechtes Depot.

Es kommen immer wieder neue Exponate zur Sammlung hinzu. „Wir suchen nicht nach neuen Gegenständen, sie finden uns!“, sagte der Leiter der städtischen Museen Dr. Anton Englert erklärend. Jährlich fänden mehrere Saiteninstrumente, Gemälde und Graphiken, aber auch historische Alltagsgegenstände ihren Weg ins Museum. „Wir nehmen auch nur die, die gut erhalten sind und einen eindeutigen Bezug haben“, fuhr er fort. 

Saiteninstrumente, Gemälde und Graphiken

Für die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern besahen Shahab Sangestan (M.A.) und Dr. Alexander Wießmann im Mai die städtischen Museen und sagten zur der Lagersituation, dass sie „mit Nachdruck“ darauf hinweisen möchten, „dass die aktuelle Art der Aufbewahrung bei weitem nicht den Standards in Museen entspricht.“ Dies sei der „viel zu geringen zur Verfügung stehenden Fläche“ geschuldet. „Zudem bieten die Depoträume keinen angemessenen baulichen Ertüchtigungsstand, der einer konservatorisch fachgerechten Depotsituation für Museen entspricht.“ Denn für die Arbeit eines Museums ist es unabdingbar, dass weiß auch Englert, die Exponate bearbeiten zu können. Das Museumsdepot benötigt neben Bewahrungsräumen mit einem Arbeits- und einem Werkstattraum auch einen Quarantäneraum. Insbesondere für die Saiteninstrumente „ist Quarantäne nötig, zum Beispiel wegen des Holzwurms“, sagte der Museumsleiter.

Unwürdiger Zustand

Die Empfehlung der Landesstelle lautet „dringend, die städtische Sammlung in nicht öffentlichen Räumen (Depot) auf einen Raum, respektive zusammenhängende Raumfolgen mit entsprechender Ausstattung zu konzentrieren [...]“. Die Landesstelle, so Englert, ist uns wohlgesonnen. „Sie steht hinter dem Museum.“ Für die Planung des Depots, die Planung und Ausführung der Ausstattung sowie der Klimatechnik stelle sie Füssen eine Zuwendung in Höhe von 50 Prozent in Aussicht. 

Staatliche Förderung

Zur Umsetzung, beziehungsweise dem Bau eines Depots, können weitere Zuschüsse der einschlägigen Fördergeber beantragt werden. In erster Linie kommen hierfür staatliche Mittel des Kulturfonds Bayern und der Bayerischen Landesstiftung in Frage. Jedoch: Diese Mittel greifen nur für die Neukonzeption des Museums.

Für die bauliche Lösung bedeutet das, dass rund 500 Quadratmeter Depotfläche inklusive Arbeitsräume benötigt werden. Außerdem müsse für die Zwecke der Depotplanung und der zukünftigen Museumskonzeption, sowie für den sachgerechten und geordneten Transfer in das neue Depot, dass auch eine vollumfängliche Inventarisierung durchgeführt werden. Dafür, es handelt sich um über 3000 bisher nicht inventarisierte Objekte, wird eine externe Arbeitskraft benötigt. „Die Inventarisierung ist die Voraussetzung für die 50 Prozent Förderung“, erinnerte Englert an die Bedingungen der Landesstelle. 

Der Einstellung einer zusätzlichen Kraft für diese Inventarisierung schob Hauptamtsleiter Peter Hartl jedoch direkt einen Riegel vor. Das sei momentan nicht möglich, sagte er. Eine Förderung dafür wird angefragt.

Selma Höfer

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