Steingaden tritt dem Abwasserzweckverband Lechbruck-Bernbeuren bei

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Den Daumen darauf haben die drei Bürgermeister, Xaver Wörle (v.l.), Helmut Angl und Martin Hinterbrandner bei den Planungen für die neue Kooperation.

Lechbruck – Eine neue Kooperation haben jetzt die Bürgermeister von Lechbruck, Bernbeuren und Steingaden vorgestellt. Die Gemeinde Steingaden wird ihre kommunale Kläranlage aufgeben und dem Abwasserzweckverband Lechbruck-Bernbeuren beitreten. Eine „Win-win-Situation” für alle, so die Rathauschefs.

„Unsere Kläranlage ist sehr in die Jahre gekommen“, erklärte Bürgermeister Xaver Wörle. Steingaden war seinerzeit eine der ersten ländlichen und vor allem kleinen Kommunen, die in den 1970-iger Jahren eine eigene Kläranlage bauten. Sie umfasst ein Klärbecken und ein Schlamm-Vererdungsbecken. Die Alternativen: Neubau, Sanierung oder ein Partner. Wobei der Steingadener Bürgermeister angesichts des Sanierungsbedarfs gar nicht erst auf diese Variante einging, sondern nur die Optionen Neubau mit geschätzten Kosten von fünf Millionen Euro oder dem Zusammenschluss mit dem benachbarten Zweckverband Lechbruck-Bernbeuren ansprach. 

Angesichts des Platzmangels auf dem Gemeindegebiet, den Kosten und auch dem eigentlich viel zu kleinen Vorfluter Neuhausbach, in den die geklärten Abwässer geleitet werden, sei man auf die Nachbarn im Westen zugegangen. Dort arbeiten die beiden Kommunen Lechbruck im Ostallgäu und das oberbayerische Bernbeuren bereits seit den neunziger Jahren beim Abwasser zusammen. Dieses wird nach Lechbruck geleitet und in der dortigen Anlage geklärt und aufbereitet. Anschließend wird das saubere Wasser in den Lech abgegeben. 

Er saß damals bei seinem Lechbrucker Amtskollegen in dessen Büro, so Xaver Wörle, als er Helmut Angl auf die Idee einer Zusammenarbeit ansprach. Und damit offene Türen einrannte. „Das macht schon sehr viel Sinn“, so Angl im Gespräch. Man müsse schließlich immer die Folgekosten im Auge haben. Ein Neubau sei schnell realisiert, dabei aber lasse man Kosten wie den Unterhalt, Strom und auch Personalkosten außer Acht. So aber „verteilen wir die Investitionen nicht nur auf zwei, sondern auf drei Schultern“, resümierte Angl. 

Bewährte Kooperation 

Der Zweckverband mit Bernbeuren habe sich bewährt. Da sei die nun weitergehende „interkommunale Zusammenarbeit mit Steingaden eine tolle Sache“, sprach Angl auch für seine beiden Amtskollegen, neben Wörle auch Martin Hinterbrandner. In den vergangenen Monaten hatte man zwei Ingenieurbüros mit den Planungen beauftragt, um die nötigen Investitionen zu kennen, aber auch um die technische Umsetzung planen zu können. 

So soll die Pumpstation in Urspring, die bislang das Abwasser nach Osten in Richtung Riesen zur Steingadener Kläranlage pumpt, künftig die Abwässer aus Steingaden über den Lech nach Lechbruck befördern. Dazu wird eine neue Leitung zur Kläranlage unterhalb des Sperrwerks Urspringer Lechstausee gelegt. Neben einer Trasse unterhalb des Staudamms durch den Lech oder oberhalb durch den See sei auch die Variante im Damm zur Debatte gestanden. In Übereinkunft mit dem Kraftwerksbetreiber EON-Uniper werde man die Rohrleitung im Staudamm selbst verlegen, so Wörle. Die Kosten dieser Variante „sind erheblich geringer“. 

Kosten in Millionenhöhe 

Inklusive der Investitionen für ein neues Rückhaltebecken auf Steingadener Seite und der Erweiterung des Nachklärbeckens in Lechbruck hat das Ingenieurbüro Kosten von etwa 3,2 bis eventuell 3,4 Millionen Euro ermittelt. Was auf den ersten Blick nach sehr viel klingt, müsse man aber langfristig sehen, so Wörle. So werden die Folgekosten für die drei Kommunen deutlich geringer ausfallen. Neben der Zustimmung des Kraftwerksbetreibers für die Leitungstrasse haben die drei Bürgermeister auch die Unterstützung ihrer Gemeinderäte – „drei Mal einstimmig dafür“, so Angl. 

Bei den Wasserwirtschaftsämtern in Weilheim und Kempten befürworte man die Zusammenarbeit, merkte Angl an. Auch wegen der ständig steigenden Anforderungen und Auflagen an die Betreiber einer Kläranlage. Zudem wird beim Freistaat die bezirksübergreifende Zusammenarbeit gern gesehen. Es gebe 100.000 Euro, die in die Rückstellungen fließen werden, erklärte Angl. 

Langfristige Preissenkung 

In Lechbruck müsse für das Projekt ein neues Nachklärbecken gebaut werden, damit der Puffer, derzeit 30 Prozent, erhalten bleibt. Insgesamt wird die Anlage künftig die Abwässer von gut 8000 Haushalten und gut 340.000 Übernachtungsgästen behandeln. Um die Investitionen zu finanzieren, kann die Gemeinde Steingaden den Abwasserpreis anheben oder Sonderumlagen erheben. Langfristig aber werde der Kubikmeterpreis sinken, waren sich die Bürgermeister sicher. Für das jeweilige Kanalnetz bleiben aber die einzelnen Kommunen weiterhin verantwortlich. Deshalb wird derzeit in Lechbruck ein Überschuss aus den Gebühren zur Sanierung des überalterten Kanalnetzes verwendet. 

Die Planungen sollen bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Anschließend geht es im Winter an die Ausschreibungen, damit im kommenden Jahr die Arbeiten beginnen können. Spätestens 2021 soll dann die gemeinsame Abwasserbehandlung und Entsorgung den Betrieb aufnehmen.

Oliver Sommer

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