Füssener Eltern hatten Spielplatz im Baumgarten gefordert

Kein Drache unterm Füssener Schloss

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Auf diesem Grasstreifen sollte der Spielplatz eigentlich gebaut werden.

Füssen – Der 2016 beschlossene Kinderspielplatz im Baumgarten sollte etwas ganz Besonderes werden: Der Standort in einer kleinen Schlucht war zusammen mit der Anordnung der Spielgeräte in Form eines Drachen als ein echter Abenteuerspielplatz gedacht. Für die Gestaltung des Drachenkopfes engagierte die Stadt sogar die heimische Künstlerin Julia Hiemer. Zweieinhalb Jahre später hat der Stadtrat das Projekt am Dienstagabend aus Sicherheitsgünden sang- und klanglos beerdigt.

Als 2016 einige Mütter an SPD-Stadtrat Wolfgang Bader den Wunsch heran trugen, für die in der Altstadt lebenden Kinder einen Spielplatz im Baumgarten zu erreichten, war sich der Stadtrat auf Initiative Baders schnell einig: Ein Spielplatz muss unbedingt her. „Gegen die Idee eines Spielplatzes kann keiner etwas haben“, lautete das Motto. 

Weil aber der eigentlich gewünschte Standort unterhalb des historischen Wasserschlosses im Baumgarten aus Denkmalschutzgründen nicht umsetzbar war, entschieden sich die Ratsmitglieder für den schmalen Wiesenstreifen entlang des Weges zur Kemptener Straße/Ritterstraße unmittelbar unterhalb des Schlosses. 

Das Konzept für den Spielplatz arbeitete die Firma Cucumaz aus Wiggensbach bei Kempten aus. Durch die Anordnung der Spielgeräte in Form eines liegenden Drachens sollte der lokale Bezug zum Kloster und der Pfarrkirche hergestellt werden. Die Gestaltung des Drachenkopfes wollte man der heimischen Bildhauerin Julia Hiemer überlassen.

Um größere Eingriffe in den Boden zu vermeiden, war geplant, auf bewegliche und schwingende Massen weitgehend zu verzichten. Geschätzte Kosten: rund 50.000 Euro. 

Kritik am Standort kam zwar damals schon vereinzelt auf – unter anderem von den Stadträten Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU) –, wurde von der Mehrheit des Stadtparlaments aber abgetan. Auch verschiedene Bürger zogen den Standort in der Folgezeit vor allem wegen der Gefahr von Steinschlägen immer wieder in Zweifel. 

Seit Dienstag ist klar, dass die Kritiker so falsch nicht lagen: Nach einem Ortstermin beschloss der Stadtrat in einer kurzen Sondersitzung einstimmig, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Alternativ soll nun für eine Übergangszeit das Aufstellen von mehreren Spielgeräten für Kleinkinder im Fun- und Skatepark im Weidach geprüft werden. Über einen Spielplatz in unmittelbarer Nähe zur Altstadt soll dann im Rahmen des Ideenwettbewerbs für den Umbau des ZOB und Freybergparks nachgedacht werden. 

Keine Garantie

Ausschlaggebend für diese Entscheidung war ein geologisches Gutachten über die Felswand unterhalb des Hohen Schlosses. Demnach kann das Lösen und Herabfallen von Steinen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Um eine Gefährdung der spielenden Kinder zu vermeiden, müsste der Spielplatz entweder fünf Meter weit von der Felswand wegrücken und mit einem Zaun zur Wand hin gesichert oder mit einer Metallgitter-Konstruktion gegen Steinschlag geschützt werden. 

Beide Maßnahmen würden aber viel Geld kosten. „Ist das dann noch so sinnvoll unter diesen Umständen?“, fragte Bauamtsleiter Armin Angeringer vor Ort in die Runde. Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU), der Rathauschef Paul Iacob (SPD) vertrat, stellte den anwesenden Stadträten die bereits erwähnten Alternativen vor. 

CSU-Fraktionschef Heinz Hipp und Initiator Wolfgang Bader erinnerten daran, was eigentlich ursprünglich von den Eltern gewünscht worden war: ein einfacher und möglichst naturbelassener Spielplatz unterhalb des historischen Wasserschlosses. „Der Platz ist nicht geeignet für einen Spielplatz“, sagte Bader mit Blick auf den Standort unterhalb der Felswand. Daher forderte er, nun „schnellstmöglich“ zu prüfen, welche Möglichkeiten es im Skater- und Freybergpark gibt. „Wir brauchen eine Lösung für die Eltern kleiner Kinder!“

mm

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