Feinfühlig und variantenreich

Stephan Stiens zeigt in Vils sein Können auf der Laute und Gitarre

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In der St. Anna-Kirche in Vils zeigt Stephan Stiens eine außergewöhnliche künstlerische Leistung.

Vils – Sogar eine Adlerfeder hat Stephan Stiens bei seinem jüngsten Konzert in Vils in der St. Anna-Kirche zum Einsatz gebracht, wo der Gitarrenvirtuose aus München neben einer Konzertgitarre auch eine Renaissancelaute für die knapp 20 Besucher erklingen ließ.

Passend zum Ursprungstitel „Abend im Hochgebirge“, der die moderne Komposition „Vanished Days“ von Robert Schneider nachempfunden ist, erzeugte der Saitenkünstler mit der Raubvogelfeder phasenweise fast „unerhörte“ Töne im zweiten Lautenstücks des Abends. Seinem feinfühligen, filigranen Spiel, dem die Besucher gebannt lauschten, setzte Stiens damit gewissermaßen die Krone auf. 

Seine große Brillanz im Umgang mit den Saiteninstrumenten stellte der gebürtige Wuppertaler auch schon beim ersten Konzertstück in berührender Manier unter Beweis. So entlockte er seiner Renaissancelaute bei einem jahrhundertealten Werk von John Dowland sehr füllige Klänge voller Melancholie und Traurigkeit, wie sie sich laut Stiens oft in Dowlands Werken widerspiegeln. 

Die manchmal aber auch lieblichen, anmutigen Töne ließen dabei zeitweise Bilder von gnädigen Burgfräulein und edlen Rittern vor dem inneren Auge erscheinen. Mit einer „Sammlung von Tanzsätzen“, wie der Virtuose die „Partita“ von Johann Sebastian Bach definierte, wechselte Stiens auf die Gitarre über, mit der er noch variantenreichere, sensiblere Melodien als mit der Laute zu Gehör brachte. Dies war sowohl bei Bachs „Allemande“, „Corrente“, „Sarabande“ und „Tempo di Borea“ als schließlich auch bei William Waltons „Five Bagatelles for Guitar“ der Fall, mit dem Stiens sein offizielles Konzertprogramm brillant beschloss. 

Daher war es kein Wunder, dass die Zuhörer am Ende so begeistert und lange applaudierten, bis der Gitarrist ihnen noch ein katalanisches Volkslied als Zugabe servierte.

Alexander Berndt

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