Der Bürger hat erneut die Wahl

Stichwahl zwischen Maximilian Eichstetter und Christine Fröhlich – SPD arbeitet Debakel auf

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Füssen – Noch knapper hätte CSU-Bürgermeister-Kandidat Maximilian Eichstetter den direkten Einzug ins Rathaus wohl nicht verpassen können: Lediglich 14 Stimmen fehlten dem 34-Jährigen für die absolute Mehrheit von über der Hälfte der abgegeben Stimmen, so das amtliche Endergebnis vom Montag.

So müssen er und Christine Fröhlich von den Füssener Freien Wählern am nächsten Sonntag, 29. März, in die Stichwahl.

Allerdings werden die Bürger dafür nicht mehr wählen gehen müssen – wegen der aktuellen Corona-Krise bekommen alle Wahlberechtigten automatisch und ohne eigenen Antrag Briefwahlunterlagen zugestellt, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

Von einem Wahlkampf im eigentlichen Sinne kann angesichts der Situation ohnehin nicht mehr die Rede sein. Beide Kandidaten haben bereits angekündigt, auf den klassischen Haustürwahlkampf und Infostände zu verzichten. „Die Leute haben gerade andere Sorgen“, so Christine Fröhlich am Donnerstag im Gespräch mit dem Kreisbote. „Der Wahlkampf wurde von unserer Seite nahezu eingestellt, wir machen nur ganz wenige Maßnahmen. Die Organisation mit den Unternehmen und den Bürgern aufgrund des Coronavirus hat jetzt höchste Priorität!“, sagte Maximilian Eichstetter. Daher haben beide mittlerweile eigene Hilfsprojekte ins Leben gerufen, um die heimischen Bürger und Firmen zu unterstützen.

Aufarbeitung hat begonnen

In der Füssener SPD hat unterdessen das Aufarbeiten des Wahldebakels vom vergangenen Sonntag begonnen. Bekanntlich sind die Sozialdemokraten künftig nur noch mit zwei statt wie bisher sechs Stadträten im Stadtparlament vertreten. Ihr Bürgermeister-Kandidat Erich Nieberle konnte gerade einmal 766 Wähler für sich gewinnen.

Für den ehemaligen SPD-Bürgermeister Dr. Paul Wengert, der von einem „sehr prekären Wahlergebnis“ spricht, gibt es dafür mehrere Gründe. Zum einen sei der Bundestrend klar gegen die SPD gewesen, sagte er. Zum anderen „gibt es eine Konfrontation zwischen dem Bürgermeister und dem Ortsverband – möglicherweise hat sich das negativ ausgewirkt“, erklärte Wengert mit Verweis auf die „Ferienwohnung-Affäre“ kurz vor Weihnachten. Ohnehin sei die Stimmung in der Stadt gegen Bürgermeister Paul Iacob (SPD) gewesen, so sein Eindruck von den Infoständen. „Vielleicht hätten wir aber auch noch weniger Stimmen bekommen, wenn wir keine Haltung gezeigt hätten.“ Das Angebot der Füssener SPD an die Wähler in personeller und politischer Hinsicht sei jedenfalls „ganz hervorragend“ gewesen.

Weniger Frauen

Das schlechte Abschneiden der SPD werde nicht ohne Auswirkungen auf die künftige Arbeit im Stadtrat bleiben, sind sich sowohl Wengert als auch Ortsvereinsvorsitzende Ilona Deckwerth sicher. „Es werden gewichtige Stimmen im Stadtrat fehlen“, sagte Wengert. Deckwerth befürchtet indes einen Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung. „Die Zahl der weiblichen Stadträte ist auf dem Rückmarsch“, konstatiert sie. Tatsächlich fallen bei der SPD künftig zwei weibliche Mandate weg. „Ein Verlust, der auch durch eine zusätzliche Stadträtin der Grünen nicht ausgeglichen wird“, so die SPD-Ortsvorsitzende.

Da die SPD einen höheren Frauenanteil und auch mehr Frauen in Führungspositionen anstrebe, empfiehlt der Ortsvorstand der Füssener Sozialdemokraten den Wählern, am 29. März für Christine Fröhlich zu stimmen.

„Das ist ein phänomenaler Anstieg!“

Der Verein Füssen-Land will hingegen keine Wahlempfehlung abgeben, wie Vorsitzender Christian Schneider gegenüber unserer Zeitung betonte. „Wir werden uns nicht positionieren! Wir sind neutral und parteiunabhängig“, sagte Schneider. Ohnehin überwiegt bei der Wählervereinigung die Freude über das gute Abschneiden am vergangenen Sonntag. „Wir sind superglücklich, dass wir einen Sitz mehr haben – das war unser Ziel!“ Mit nunmehr vier Sitzen sei Füssen-Land so stark im Stadtparlament vertreten wie noch nie in der 40-jährigen Geschichte des Vereins, freute sich der Stadtrat. „Das macht uns stolz!“ Gleiches gelte für den Zuwachs an Stimmen von rund 14.000 in 2014 auf jetzt rund 18.000. „Das ist ein phänomenaler Anstieg!“

Zufriedenheit herrscht diesbezüglich auch bei Christine Fröhlich, die gleichzeitig Vorsitzende der FWF ist. Diese sind in der neuen Amtsperiode gleichfalls mit einem und damit insgesamt mit fünf Sitzen mehr im Stadtrat vertreten – wobei acht Mandate im Vorfeld als Ziel ausgegeben worden waren. „Ich freue mich, dass wir einen Sitz dazu gewonnen haben“, sagte sie. Das seien immerhin 25 Prozent mehr und genauso viele, wie in der Amtsperiode bis 2014. Das starke Abschneiden von CSU und Grünen führte sie auch auf die Bundes- und Landespolitik zurück. Vor allem das derzeitige Auftreten von Ministerpräsident Markus Söder habe den Christsozialen sicherlich geholfen.

Matthias Matz

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