"Es stinkt mir, dass wir betrogen wurden!"

Das Lechbrucker HLF 20/16 bei der Segnung vergangenes Jahr. Auch Ziegler gehört offenbar zum Kartell, das Sollquoten und auch Preiserhöhungen abgesprochen haben soll. Im Flößerdorf ist man sauer darüber, wie die Floriansjünger und Gemeinden „beschissen“ wurden. Foto: gau

Deftige Worte fand Bürgermeister Helmut Angl bei der Jahreshauptversammlung seiner Feuerwehr in Lechbruck. Und brachte die Situation auf den Punkt: „Es stinkt mir, dass wir betrogen wurden!“ Betrogen, so fühlen sich auch im Ostallgäu die Feuerwehren, die in den vergangenen Jahren neue Löschfahrzeuge gekauft hatten. Vor Kurzem wurde bekannt, dass sich wenigsten drei der großen Feuerwehrfahrzeughersteller bei der Auftragsvergabe abgesprochen hatten.

Nach einer anonymen Anzeige hatte das Bundeskartellamt gegen die Firmen Rosenbauer, Ziegler und Schlingmann ermittelt und der illegalen Preisabsprache überführt. In der Folge wurde ein Bußgeld von 20,5 Millionen Euro verhängt. Mittels eines Züricher Wirtschaftsprüfers wurden zwischen 2001 und 2009 Quoten aufgeteilt und Preiseerhöhungen abgesprochen, den Kommunen sei ein großer finanzieller Schaden entstanden, so das Kartellamt. Gegen eine vierte Firma, vermutlich Magirus, sowie einen Drehleiterhersteller wird noch ermittelt. Allein in Füssen wurden in dieser Zeit drei Löschfahrzeuge und eine Drehleiter beschafft, dazu kommen fünf neue Fahrzeuge die vergangenes Jahr in Lechbruck, Halblech, Seeg, Roßhaupten sowie in Eisenberg in Dienst gestellt wurden. Während die Absprachen eindeutig scheinen, werde es aber „schwierig zu beweisen, welcher Schaden entstanden ist“, erklärt Heinz Weller, Kommandant der Füssener Wehr. Und weiter: „Die tatsächlichen Kosten eines Löschfahrzeugs kann man gar nicht angeben. Alles was rot ist, ist teuer“, Löschfahrzeuge seien fast immer Einzelanfertigungen. So hatten die fünf oben genannten Gemeinden versucht, bessere Angebote für ihre Fahrzeuge auszuhandeln. Bei der gemeinsamen Ausschreibung des Fahrgestells war dies auch noch gelungen, den Endausbau aber vergaben die Gemeinden dann an mehrere Firmen. Lechbruck beispielsweise an Ziegler und Seeg an die Firma Walser. Dabei hatten beide Wehren aber ein so genanntes HLF 20/16 beschafft. Tatsache ist auch, dass, so Weller, sich mit Einführung des Euro schlagartig die Feuerwehrtechnik im Preis verdoppelt hat. Mittlerweile beschäftigen sich Städte- und Gemeindetag mit der Problematik, wie Heinz Weller erfuhr. Diese erwägen nun Sammelklagen gegen die Firmen, denen sich auch Lech-bruck anschließen würde. Auf der Homepage des Unternehmens Rosenbauer wehrt man die Vorwürfe ab: „Die Kartellbehörde konnte weder konkrete Preisabsprachen für Einzelaufträge noch Submissionsverstöße feststellen. Rosenbauer hat daher den Feuerwehren und Gemeinden keinen Schaden zugefügt.“ Immerhin verhängte das Kartellamt 10,5 Millionen Euro Strafe, diese sei offenbar jedoch geringer als erwartet ausgefallen, denn Rosenbauer hatte vermutlich bereits 30 Millionen zurückgestellt. Bleiben wird auf jeden Fall ein Imageschaden. So stehen in Füssen, bislang treuer Kunde von Magirus, Ersatzbeschaffungen an. Ob die allerdings dann wieder von den Ulmern kommen werden, konnte Weller nicht beantworten. Helmut Angl: „Es ist nicht richtig, die Ehrenamtlichen so zu hintergehen“. Diese hatten sogar Spenden - und Sammelaktionen durchgeführt, um 40000 Euro zu ihrem neuen Fahrzeug dazuzugeben.

Meistgelesen

Razzia gegen Reichsbürger
Razzia gegen Reichsbürger
Ein "ordentlicher Haushalt"
Ein "ordentlicher Haushalt"
Serie: Füssen und seine Historie
Serie: Füssen und seine Historie
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor
Außerferner Sozialdemokraten stellen ihre Pläne für die Zukunft vor

Kommentare