"Stöhnorgie" in Reutte

Die beiden Vortragenden Eva Pfefferkorn (links) und Ute Heidorn (rechts) zusammen mit „Huanza"-Obfrau Veronika Kunze-Radolf. Foto: ed

Einer wahren „Stöhnorgie" waren die Zuhörer bei der Lesung des Stücks „Was die Männer so treiben, wenn die Frauen im Badezimmer sind" im Rahmen der 23. Kulturzeit ausgesetzt. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Dengelgalerie lasen Ute Heidorn und Eva Pfefferkorn mit gekonnter Mimik und ausdrucksvoller Sprache aus dem neuesten Werk von Franz Stefan Griebl. Griebl alias „Franzobel" ist ein angesehener österreichischer Schriftsteller und Träger bekannter Literaturpreise. Gerade, dass zwei Damen dieses Werk vorlasen, sorgte für eine gewisse Obszönität.

Es war eine ebenso herzzerreißende wie komische, jedoch auch obszöne Tour des Hildebrand Kilgus, genannt „Hildy“, durch intime Sphären: Die fiktive Gestalt, dicklich, x-beinig und den Hosenbund über den Nabel gezogen, ist nicht gerade ein Mann der Frauen ein Stöhnen entlocken könnte. Alles in allem – es wurde starker literarischer Tobak serviert. Neugierig verfolgt „Hildy“ diesen Tönen auf der Suche nach dem Geheimnis der tiefsten Gefühle. Er wird Puffvater, Hebamme, Sargträger und Sterbebegleiter. Und so stolpert er, „bei der Zwiesprache mit der Mama", durchs Leben in eine Welt angefüllt von Sexismus, Falschheit, Doppelzüngigkeit und Obszönität. Dabei begleitet ihn das Geräusch, von dem „eine Dame nichts hören will, auch wenn sie es zum Hausgebrauch selbst fabriziert – diese in die Welt gebrüllte, gottlose Intimität". Die Ausführungen begleitete Andreas Nigl auf einem Hang, einem den Klangschalen ähnlichen Musikinstrument. Dem entlockte er feine Töne.

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