Arbeiten in luftiger Höhe

Storchennest auf dem Hohen Schloss in Füssen: Industriekletterer bringen Laubschutz an

Mann im Turmdach
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Ein Kletterer steigt die Stufen zur Dachluke hinauf, um draußen am Turm die geforderte Schutzvorrichtung anzubringen
  • vonChris Friedrich
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Füssen – Hoch hoben auf dem Dach des Hohen Schlosses sind am vergangenen Samstag Industriekletterer herumgekraxelt. Ihr Auftrag: Schutzbleche anbringen, damit künftig wieder Störche auf der mittelalterlichen Burganlage brüten können. 

Peter Griegel, der in Füssen wieder Störche ansiedeln will und dafür ein Wagenrad auf dem Turm des Hohen Schlosses befestigen ließ, schaute zu, wie Stefan Tanzinger von der Kemptener Firma Rope Concept das angelieferte Material anpasste. Danach wurde es in luftiger Höhe spektakulär: Unter dem Rad auf dem Turmdach, wo bald wieder Störche nisten sollen, befestigen die Industriekletterer einen Laubschutz auf den Dachrinnen.

„Mir wurde zur Auflage gemacht, dafür zu sorgen, dass die Dachrinnen nicht verstopfen“, erklärte Griegel als Kopf des kostspieligen Projekts. Denn wenn Störche ihr Nest bauen, fällt ihnen immer wieder Äste oder sonstiges Nistmaterial herunter. Das muss jedoch aufgefangen werden, damit es nicht die Dachrinnen bzw. den Wasserablauf verstopft, so Griegel. Es wäre schließlich katastrophal, wenn Wasser entlang der historischen Wände mit ihren schönen Malereien hinunterlaufen würde.

Das Kemptener Team von Firmenchef David Möhnle, der selbst auf den Turm stieg, hatte viele Arbeitsstunden vor sich. Nach den Arbeitsvorbereitungen war auch Spengler Tanzinger als Kletterer im Einsatz. Wie weiter zu erfahren war, dürfe es nicht stürmisch sein, um die Schutzvorrichtungen außen anzubringen.

Währenddessen stellte sich bei Sonnenschein im Schlosshof Initiator Griegel den Fragen zum Projekt, das er als sein „ganz persönliches“ beschrieb. Griegel ist bekannt als Mitglied des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern, das schon vieles im Füssener Land bewegt hat. Er stellte „seinen Bund“ auch mit einem Infotisch vor, den er am Turmtor aufgestellt hatte. Weil das Storchennest ein reines Griegel-Ding ist, mit dem er die Einheimischen und Gäste durch den „schönen Anblick von Störchen als Glücksbringer“ erfreuen will, musste er auch mit Vorfinanzierungen rechnen. „Spenden sind willkommen – und notwendig“, lautet sein Appell.

Dabei stand sein Projekt wegen Versicherungsfragen schon kurz vor dem Aus. „Ich kann es mir nicht leisten, einen hohen Versicherungsbetrag zu begleichen, um das Projekt fortzuführen“, beschreibt er die Situation, als ihm Steine in den Weg gelegt worden sind. Die Forderung sei jetzt jedoch vom Tisch. Unterstützung bekam Griegel auch von Anfang an aus dem Füssener Rathaus, wie er unterstrich.

Im Schlosshof gesellte sich Stadtrat Magnus Peresson zu Griegel. Mit Blick auf die Stadtgeschichte wies er darauf hin, dass schon vor hundert Jahren Störche auf einem Wagenrad auf dem Hohen Schloss brüteten. Ob die Vögel die neue Nisthilfe auf der mittelalterlichen Burg tatsächlich annehmen werden, ist ungewiss. Doch Griegel ist optimistisch, „weil schon 2020 in Bayern zu beobachten war, dass es hunderte Jungstörche gab“.

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